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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Maleremail - Malesherbes.

freilich nur kurze Zeit, Künstler wie Böcklin, Ferd. Pauwels, A. v. Ramberg, James Marshall, Plockhorst, Paul Thumann, A. Baur, Gussow, Lenbach, Brendel, Linnig wirkten, und wo Genelli sein Leben beschloß. In Hamburg sind die Landschaftsmaler Ruths, Lutteroth und Österley thätig. In Dresden gruppieren sich um die Akademie, an welcher Grosse, Pauwels, L. Pohle, J. ^[Julius] Scholtz, F. Preller der jüngere wirken, H. Hofmann, E. Öhme, P. Kießling, G. Hammer, Leonhardi.

Mit Frankreich, Deutschland und Belgien läßt sich die Kunstthätigkeit der übrigen Länder Europas nicht vergleichen. England hat seit Joshua Reynolds keine ähnliche Kraft mehr besessen, und auch in der Landschaft sind Gainsborough, Bonington und J. M. ^[Joseph Mallord] Turner nicht mehr überboten worden. Doch sind E. Ward, F. Leighton, Ph. Calderon, Goodall, Poynter im Historienfach, E. Nicol, W. P. Frith und Th. Faed im Genre, Thom. Cole, R. Redgrave, P. Graham, D. Roberts, T. S. Cooper und J. ^[Joseph Francis John] Gilbert in der Landschaft, letzterer vorzüglich im Aquarell, welches die Engländer besonders pflegen, und der Tiermaler Landseer rühmenswert. Das Beste leisten die Engländer im Porträt, worin Millais, Ouleß, Richmond und Watts besonders hervorragen. Zwei der besten Maler Englands, Herkomer und Alma-Tadema, sind Ausländer.

Dänemark, Schweden und Norwegen haben keine M. von originaler Richtung. Ihre Maler haben ihre Ausbildung in Paris, Düsseldorf oder München erhalten und folgen den dortigen Schulen. Ein Gleiches gilt von Rußland, dessen Maler teils in Paris, teils in Deutschland gelernt haben. Zu erstern gehört der Kriegsmaler und Ethnograph Wereschtschagin. Neben ihm sind noch der Marinemaler Aiwasowski, die Landschaftsmaler Bogolubow ^[richtig: Bogoljubow], J. v. Klerer, Klodt v. Jürgensberg, der Genremaler Perow zu nennen. Italien, dessen M. Ende des 18. Jahrh. ganz in Klassizismus versunken war (Batoni, Appiani, Cammuccini ^[richtig: Camuccini]), geriet gleichfalls unter den Einfluß der Franzosen. Der Schwerpunkt seiner M. liegt im Genre, dessen Stoffe teils dem vorigen Jahrhundert, teils dem modernen Volksleben entnommen sind. Elegante, glatte Kostümmalerei geht neben keckem Realismus einher, wobei namentlich die Aquarellmalerei kultiviert wird. Die beiden Induno, P. Joris, Randanini, Cattaneo, Tiratelli, Michetti, Boggiani, Vinea und die nach dem Ausdruck tieferer Empfindung strebenden L. Nono und A. Corelli sind besonders zu nennen. Die Schweiz besitzt in E. Stückelberg, R. Koller und A. Böcklin hervorragende Maler. Hollands M. sucht ihren Ruhm in technischer Geschicklichkeit. Alma-Tadema, J. ^[Jozef] Israels, C. Bischop, H. ten Kate, C. Springer, Mesdag und J. ^[Johannes] Bosboom sind auch auf dem Weltmarkt bekannt. Spanien hat ein hervorragendes Talent in Fr. Goya (1746-1828), ferner Esquivel, Madrazo, Carderera, Perez, Villaamil und den Farbenvirtuosen M. ^[Mariano] Fortuny (1839-74) aufzuweisen. In neuerer Zeit haben Historien- und Genremalerei einen neuen glänzenden Aufschwung durch Pradilla, Vera, Casado, Moreno, Jimenez v. Aranda, Masriera, Palmaroli, Melida u. a. genommen.

[Litteratur.] Über die Geschichte der M. sind viele Detailarbeiten geliefert von Waagen, Rumohr, Hotho, Passavant, Förster, Stirling, Woltmann, Lermolieff etc. Mit Übergehung der veralteten Litteratur (Kugler u. a.) und der allgemeinen kunstgeschichtlichen Werke (s. Kunstwissenschaft) nennen wir an Hauptwerken: Crowe und Cavalcaselle, Geschichte der altniederländischen M. (deutsch von Springer, Leipz. 1875); Lanzi, Storia pittorica d'Italia (Bassano 1789 u. öfter; deutsch von Wagner, mit Anmerkungen von Quandt, Leipz. 1830-33, 3 Bde.); Rosini, Storia della pittura italiana (2. Aufl., Pisa 1848-52, 7 Bde.); Crowe und Cavalcaselle, Geschichte der italienischen M. (deutsch von Jordan, Leipz. 1869-76, 6 Bde.); Lübke, Geschichte der italienischen M. vom 4. bis ins 16. Jahrhundert (Stuttg. 1878-79, 2 Bde.); Förster, Geschichte der deutschen Kunst (Leipz. 1851-60, 5 Bde.); Derselbe, Geschichte der italienischen Kunst (das. 1869-78, 5 Bde.); Jul. Meyer, Geschichte der modernen französischen M. (das. 1867); Dohme, Kunst und Künstler des Mittelalters und der Neuzeit (illustriertes Sammelwerk, das. 1876-81, 6 Bde.) und des 19. Jahrhunderts (das. 1882-86); Woltmann-Woermann, Geschichte der M. (das. 1878 ff., 3 Bde.); Rooses, Geschichte der Malerschule Antwerpens (deutsch von Reber, Münch. 1880); F. Reber, Geschichte der neuern deutschen Kunst (2. Aufl., Leipz. 1884, 3 Bde.); A. Rosenberg, Geschichte der modernen Kunst (das. 1882 ff., 3 Bde.); Derselbe, Die Berliner Malerschule (Berl. 1879); Derselbe, Die Münchener Malerschule (Leipz. 1887).

Maleremail, s. Emailmalerei.

Malerfarben, s. Farbstoffe.

Malergold, s. v. w. Muschelgold.

Malerkolik, s. Bleivergiftung.

Malermuschel, s. Flußmuschel.

Maler-Radierer, s. Peintre-graveur.

Malerscheibe, s. Palette.

Malerschule, die Abteilung für Malunterricht auf Kunstschulen; dann eine Privatanstalt zum Unterricht für angehende Maler (Atelier); ferner eine Anzahl von Künstlern, die dem Stil und der Richtung eines bestimmten Meisters sich anschließen und dieselbe ausbilden und fortpflanzen; endlich eine ohne einen bestimmten Meister an einen Ort gebundene Anzahl von Malern, deren Richtung ein bestimmtes Gepräge trägt (vgl. Malerei).

Malersilber, s. v. w. Muschelsilber.

Malesherbes (spr. mall'sérb), Städtchen im franz. Departement Loiret, Arrondissement Pithiviers, an der Essonne und der Eisenbahn Paris-Montargis (mit Abzweigung nach Orléans), hat eine Kirche aus dem 13. Jahrh., ein unter Ludwig XIII. umgebautes Schloß und (1881) 1405 Einw.

Malesherbes (spr. mall'sérb), Chrétien Guillaume de Lamoignon de, franz. Minister, geb. 6. Dez. 1721 zu Paris, ward 1745 Parlamentsrat und 1750 Präsident bei der Steuerkammer, in welcher Stellung er Freimütigkeit und Gerechtigkeitsliebe bekundete. Da er 1771 in einem öffentlichen Sendschreiben an Ludwig XV. die Rechte des Parlaments verteidigte und um die Einberufung der Generalstaaten bat, wurde er auf seine Güter verbannt. 1774 von Ludwig XVI. mit dem Ministerium des Innern betraut, versuchte er mit dem Finanzminister Turgot die Reform des Staatswesens durch Einführung gleicher Besteuerung, freien Handels und freier Gewerbe, nahm jedoch, als infolge der Ränke der verletzten Privilegierten Turgot 12. Mai 1776 seine Entlassung erhielt, gleichfalls seinen Abschied und widmete nun seine Muße naturhistorischen Studien. 1787 ward er zwar wieder in den Staatsrat berufen, trat jedoch bald wieder aus demselben, da seine Vorschläge wenig Gehör fanden. Nach dem Ausbruch der Revolution ermahnte er die Nationalversammlung zur Mäßigung und den König zu Na-^[folgende Seite]