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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Malet; Malevolént; Malfaçon; Malgarten; Malgaschen; Malghēra; Malgré; Malgrund

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Malet - Malgrund.

tionalsinn und Festigkeit. In dem Prozeß des letztern erbot er sich unaufgefordert zu seinem Verteidiger und führte binnen acht Tagen mit zwei vom König gewählten Gehilfen die Arbeit aus, die sämtlichen Anklagepunkte und darauf bezüglichen Aktenstücke zu untersuchen und zu ordnen, sich mit dem Angeklagten darüber zu besprechen und darauf eine Verteidigung zu gründen, welche Desèze 26. Dez. 1792 im Konvent vortrug. Als der Konvent gleichwohl das Todesurteil aussprach, erschien M. 19. Jan. 1793 nochmals vor den Schranken des Konvents und beschwor die Versammlung unter Thränen, vor der Vollziehung des Urteils die Zustimmung der Nation einzuholen. Als alle Bemühung vergebens war, kehrte er auf seinen Landsitz zurück. Im Dezember 1793 wurde er mit seiner ganzen Familie angeklagt, sich in eine Verschwörung gegen die Republik eingelassen zu haben, und 22. April 1794 guillotiniert. Ludwig XVIII. ließ ihm 1826 im Justizpalast zu Paris ein Denkmal setzen; auch trägt der Boulevard M. in Paris seinen Namen. Von M.' zahlreichen Schriften über Landbau, Botanik und Politik sind später mehrere herausgegeben worden: "Mémoires pour Louis XVI"; "Mémoires sur la librairie et la liberté de la presse" (Par. 1809); "Oeuvres ^[Œuvres] choisies" (das. 1809). Sein Leben beschrieben Dubois (3. Aufl., Par. 1806), Gaillard (das. 1805), Boissy d'Anglas (das. 1818, 2 Bde.), Dupin (das. 1841). Vgl. Vignaux, Mémoires sur Lamoignon de M. (Par. 1874).

Malet, 1) (Mallet, spr. -lä) Claude François de, franz. General, geb. 28. Juni 1754 zu Dôle (Franche-Comté), trat 1770 in das Regiment der Mousquetaires du Roi, kehrte nach deren Auflösung bei Beginn der Revolution in seine Heimat zurück, schloß sich 1792 als Hauptmann in der Nationalgarde von Dôle der Rheinarmee an, avancierte 1793 zum Generaladjutanten, ward 1795 Kommandant von Besançon und 1799 Brigadegeneral bei der Alpenarmee. Er focht unter Championnet mit Auszeichnung in Italien, ward aber 1801 wegen einer republikanischen Verschwörung gegen Bonaparte als Kommandant des Departements Gironde nach Bordeaux versetzt. Er war Mitglied des geheimen Bundes der Philadelphen, in dem er den Namen Leonidas führte, und wurde 1808 wegen eines Komplotts zum Sturz Napoleons und zur Herstellung der Republik verhaftet. Auf die weite Entfernung Napoleons in Rußland seine Hoffnung setzend, faßte er 1812 mit den Generalen Lahorie und Guidal, dem Abbé Lafon und andern Staatsgefangenen von neuem den Plan, das Kaiserreich zu stürzen. Unter dem Vorgeben einer Krankheit ließ er sich aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus bringen, entfloh von da am Morgen des 23. Okt. 1812 und brachte durch die falsche Nachricht, Napoleon sei in Rußland umgekommen, und ein untergeschobenes Dekret des Senats, das ihn zum Kommandanten von Paris ernannte, zwei Regimenter der Nationalgarde auf seine Seite, welche das Stadthaus besetzten. Darauf setzte M. seine Genossen Guidal und Lahorie in Freiheit, und während ersterer im Polizeigebäude den Polizeiminister Savary verhaftete und Lahorie an dessen Stelle setzte, begab er sich mit einem Haufen Bewaffneter zum Platzkommandanten Hulin, und als dieser sein Mißtrauen gegen die Kunde vom Tod Napoleons nicht verhehlte, schoß er seine Pistole auf ihn ab, verwundete ihn aber bloß. Auf diesen Schuß eilte der Adjutant Laborde herbei, und diesem gelang es, über M. und dessen Genossen Herr zu werden. Schon am folgenden Tag wurden die Verschwornen vor ein Kriegsgericht gestellt und 29. Okt. in der Ebene von Grenelle erschossen. Daß dieses abenteuerliche Unternehmen beinahe gelang, daß man gar nicht an den König von Rom dachte, zeigte, wie wenig die Napoleonische Dynastie Wurzel gefaßt hatte. Napoleon war daher auch sehr entrüstet über den Vorfall und überhäufte nach seiner Rückkehr die Beamten mit heftigen Vorwürfen wegen ihrer Kleinmütigkeit. Vgl. Lafon, Histoire de la conjuration de M. (Par. 1814); Saulnier, Éclaircissements historiques sur la conspiration du général M. (Par. 1844), und Douville, Histoire de la conspiration de M. (das. 1840). Das Buch von Hamel ("Histoire des deux conspirations du général M.", Par. 1873) ist eine wertlose Verherrlichung vom radikalen Standpunkt aus.

2) (spr. mallet) Sir Edward Balwin, engl. Diplomat, geb. 10. Okt. 1837 im Haag, Sohn von Sir Alexander Charles M., ehemaligem englischen Gesandten am Bundestag, trat 1854 als Attaché in den diplomatischen Dienst, ward 1871 Gesandtschaftssekretär in Peking, 1873 Geschäftsträger in Athen, 1875 in Rom, 1879 Generalkonsul in Kairo, 1883 Gesandter in Brüssel und 1884 Botschafter in Berlin.

Malevolént (lat.), übelwollend; Malevolenz, das Übelwollen, Scheelsucht.

Malfaçon (franz., spr. -ssóng), Fehler; Betrug.

Malgarten, Ortschaft im preuß. Regierungsbezirk Osnabrück, Kreis Bersenbrück, hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht und mit dem Dorf Epe, zu dem es gehört, 514 Einw.

Malgaschen, mißbräuchlich für Malegassen (s. d.).

Malghēra, Fort an den Lagunen von Venedig, bildet den Brückenkopf für die Eisenbahnbrücke zwischen dem Festland und den Lagunen und ward 4.-27. Mai 1849 von den Österreichern bombardiert.

Malgré (franz.), ungern, wider Willen.

Malgrund, im weitern Sinn die flächenhafte Unterlage, auf welcher Werke der Malerei ausgeführt werden, im engern Sinn der für die verschiedenen malerischen Techniken verschiedenartig vorbereitete Untergrund. Der ursprünglichste M. war die Mauerfläche. Dieselbe bedurfte hierzu einer bestimmten Vorrichtung, je nachdem der Auftrag auf die trockne Wand (a secco) oder auf die nasse Wand (a fresco) geschah. Das letztere bewirkt eine festere Bindung, welche dem Gemälde einen kristallinischen Überzug gibt. Diese noch zu verstärken, erfand man im Altertum das Verfahren der Enkaustik (s. d.) oder Malerei mit eingebrannten Wachsfarben. Die geringe Haltbarkeit der Freskomalereien führte in neuerer Zeit zur Erfindung der Stereochromie (s. d.), welche der Mauerfläche die zu einer noch festern Bindung nötige Beschaffenheit gibt. Aber auch diese hat sich nicht bewährt, so daß man jetzt meist für Wandgemälde die Malerei mit Wachs-, Kasein- oder Mineralfarben vorzieht (s. Kaseinmalerei, Mineralmalerei). Noch ein andres Verfahren ist die Sgraffitomalerei (s. d.). Mit den Wandmalereien steht die Bemalung irdener Gefäße (Terrakotten, Fayence und Porzellan) und Platten insofern in Zusammenhang, als sie einen ähnlichen M. darbieten. Die Masse der Terrakotta oder der gebrannten Erde ist sand-, wohl auch kalkhaltig, von lockerer Verbindung und weich; die Fayence besteht dagegen aus einer kalkartigen Masse mit teils durchschimmernder, teils opaker Glasur. Die Masse des Porzellans endlich ist durch die Bestandteile von Feldspat und Kaolin durchscheinend. Bei der Terrakotta werden die Farben nur auf die glanzlose Masse aufgetragen und eingebrannt; eine Glasur können sie erst nachträglich erhalten. Dagegen findet