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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mannaflechte - Mannhardt.

Quercus Vallonea Kotschy und Q. persica Jaub. et Spach, durch den Stich einer Schildlaus (Coccus) und erstarrt zu farblosen, abfallenden Tropfen. Man sammelt die mit der M. bedeckten Blätter und wiegt sie, so daß sie eine graugrünliche Masse darstellen; auch löst man die M. in Wasser, verdampft die Lösung zu Sirupsdicke, mischt sie mit Mehl und trocknet die Masse, welche ein beliebtes Konfekt darstellt, auf Leinwand an der Sonne. Das in Persien sehr beliebte Ges-engebin stammt von Astragalussträuchern und wird mit Eiweiß, Mandeln, Pistazien etc. zu einem allgemein gebräuchlichen Konfekt verarbeitet. Die Tamariskenmanna entsteht auf Tamarix gallica var. mannifera Ehr. durch den Stich einer Schildlaus, aber, wie es scheint, nur unter bestimmten klimatischen Verhältnissen, daher nicht überall, wo die Pflanze wächst, auch nicht in jedem Jahr. Sie wird auf der Sinaihalbinsel gesammelt und von den Mönchen des Klosters als biblische M. verkauft. Es scheint aber sicher zu sein, daß die M. der Bibel ebensowenig Tamariskenmanna wie das Ter-engebin (Fruchthonig, Alhagimanna), welches in Chorasan auf Alhagi Maurorum entsteht und abführend wirkt, gewesen sei. Viel besser passen die Angaben der Bibel auf eine Flechte, Lecanora esculenta, welche in den betreffenden Gegenden so überraschend auftritt, daß die Juden erstaunt fragen konnten: Man-hu? Was ist das? (s. Lecanora). Erwähnenswert sind noch: die M. von Briançon, von der Lärche (Pinus Larix) auf den Bergen bei Briançon gesammelt; die australische M. von Eucalyptus viminalis und die Lerpmanna, welche durch den Stich einer Psylla auf Eucalyptus dumosa Cunn. gebildet wird und aus Fäden einer zwischen Stärkemehl und Cellulose die Mitte haltenden Substanz besteht, welche mit Zucker überzogen ist.

Mannaflechte, s. Lecanora.

Mannagras (Mannagrütze, Mannahirse, Mannaschwingel), s. Glyceria.

Mannaregen, s. Lecanora.

Mannazucker, s. Mannit.

Mannbarkeit, s. Pubertät.

Manneken-Pis, Brunnen in Brüssel (s. d., S. 526).

Mannen (Pares curiae), in den Urkunden des Mittelalters s. v. w. Vasallen, Lehnsleute.

Mannengericht, s. Lehngericht.

Mannequin (franz., spr. mann'käng), s. v. w. Gliederpuppe (s. d.); allgemeiner s. v. w. unselbständiger, charakterloser Mensch.

Männergesangverein, s. Liedertafel.

Männerkindbett, s. Couvade.

Manners, John James Robert, Lord, engl. Toryführer, geb. 13. Dez. 1818, Bruder und präsumtiver Erbe des Herzogs von Rutland, erzogen in Eton, studierte in Cambridge und trat schon 1841 für Newark ins Unterhaus, wo er die Grundsätze der extremsten Konservativen verfocht und sich später an Disraeli anschloß. Nachdem er bei den Parlamentswahlen von 1847 nicht als Kandidat aufgetreten, 1849 aber in London durchgefallen war, wählte ihn 1850 die Stadt Colchester zu ihrem Abgeordneten. Vom Februar bis Dezember 1852 war er Minister der öffentlichen Arbeiten und Oberkommissar der Forsten, welch letztere Stelle er auch 1858-59 und wieder 1866-67 in den beiden Ministerien Derby bekleidete. Im Ministerium Disraeli 1874-80 und im ersten Kabinett Salisbury 1885 war er Generalpostmeister; 1886 wurde er Kanzler von Lancaster. Als Politiker Mitglied der äußersten Rechten, gehört M. als Schriftsteller und Dichter zu der jetzt fast ausgestorbenen Schule des "jungen England", welches das Heil der Zeit in der Rückkehr zum mittelalterlichen Feudalwesen erblickt. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Plea for national holidays", worin er die Wiedereinführung der alten Volksspiele empfiehlt; "The Spanish match of the XIX. century" (Lond. 1846); "Notes of an Irish tour" (das. 1849) und "English ballads and other poems" (das. 1850). Vgl. seine Charakteristik in "Political portraits", S. 212 ff. (Lond. 1873).

Mannersdorf, Marktflecken in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Bruck, am Leithagebirge und an der Linie Schwechat-M. der Österreichisch-Ungarischen Staatseisenbahn gelegen, mit Schwefelquelle, Fabrik für leonische Waren und Filztuch und (1880) 2533 Einw. In der Nähe große Steinbrüche und die Burgruine Scharfenegg.

Mannert, Konrad, Historiker und Geograph, geb. 17. April 1756 zu Altdorf, machte seine Studien daselbst, ward 1784 Lehrer an der Sebaldusschule und 1788 am Ägidiusgymnasium zu Nürnberg, 1796 Professor der Geschichte zu Altdorf, 1805 zu Würzburg, 1807 zu Landshut und 1826 zu München, wo er 27. Sept. 1834 starb. Von seinen historischen Arbeiten, die sich besonders durch gründliches Quellenstudium auszeichnen, sind hervorzuheben: "Kompendium der deutschen Reichsgeschichte" (Nürnb. 1803, 3. Aufl. 1819), "Älteste Geschichte Bojariens" (Sulzb. 1807), "Kaiser Ludwig IV." (Landsh. 1812), "Geschichte Bayerns" (Leipz. 1826, 2 Bde.), "Geschichte der alten Deutschen, besonders der Franken" (Stuttg. 1829-1832, 2 Tle.); von seinen geographischen Schriften die mit Ukert herausgegebene, noch immer wertvolle "Geographie der Griechen und Römer" (Nürnb. 1795 bis 1825, 10 Bde.). Auch besorgte er eine Ausgabe der "Tabula Peutingeriana" (Münch. 1824).

Manngeld, s. v. w. Wergeld (s. d.).

Mannhardt, 1) Johann, Mechaniker, geb. 1798 zu Tegernsee, diente anfänglich als Geißbube, erlernte dann aber die Uhrmacherei und entwickelte ein bedeutendes Talent für Mechanik. Er baute 1826 für den Turm zu Egern eine Uhr mit einem Triebwerk von ganz abweichender Konstruktion, siedelte 1844 nach München über, konstruierte eine neue Plombiermaschine und Ölmühle sowie die eisernen Oberlichtdachstühle für die Pinakothek; auch baute er Bohr-, Hobel- und Räderschneidmaschinen, Drehbänke, Torfpressen, Hechelmaschinen, Kraftstühle etc., welche, wie seine Werkzeuge, verbesserten Schraubstöcke etc., weite Verbreitung fanden. Namentlich aber bildete er den Uhrenbau weiter aus und lieferte Turmuhren für fast alle europäischen Staaten und Amerika. Seine freie Hemmung bewährte sich vorzüglich, und für den Rathausturm in Berlin baute er ein Werk mit freier Pendelbewegung und nur zwei Rädern. Auch stellte er eine Uhr her, die zugleich mit der Schärfe eines Thermometers arbeitet und schon bei 2° Temperaturunterschied den 100. Teil einer Linie als Schwingungsdifferenz abzulesen gestattet. Seine Verbesserungen bezeichnen den Beginn einer neuen Periode für genaue Zeitmessung. Er starb 25. Aug. 1878 in München.

2) Wilhelm, Forscher auf dem Gebiet der germanischen Mythologie, geb. 26. März 1831 zu Friedrichstadt in Schleswig, Sohn eines mennonitischen Predigers, siedelte 1836 mit seinen Eltern nach Danzig über, faßte frühzeitig Neigung zur Wunderwelt der germanischen Sagen, studierte 1851-54 in Berlin und Tübingen und übernahm dann 1855, nach Berlin übersiedelnd, die Herausgabe der "Zeitschrift