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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Materie, strahlende; Materĭell; Materieren; Matérn; Matérna; Maternität; Matēse; Matham; Mathematik

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Materie, strahlende - Mathematik.

der M. muß zur Erklärung der Naturerscheinungen noch eine von ihr völlig verschiedene, den unendlichen Weltraum sowie die Zwischenräume zwischen den materiellen Atomen erfüllende Zwischensubstanz, der Äther, angenommen werden, dessen durchaus gleichartige Atome sich gegenseitig abstoßen, von den materiellen Atomen aber angezogen werden. Vermöge dieser letztern Anziehung umgibt sich jedes materielle Atom und Molekül mit einer zu ihm gehörigen Ätherhülle. Durch das Zusammenwirken der anziehenden und abstoßenden "Molekularkräfte" der M. und des Äthers wird in einem Körper, dessen Moleküle um weniger als den Durchmesser der "Wirkungssphäre" voneinander abstehen, jedem Molekül eine bestimmte Gleichgewichtslage vorgeschrieben, die es zu behaupten und nach jeder Störung wieder einzunehmen strebt. In diesem Zustand heißt der Körper fest. Die Moleküle eines festen Körpers sowie die Atome innerhalb seiner Moleküle würden jedoch nur dann in ihren Gleichgewichtslagen in Ruhe sein, wenn seine Temperatur diejenige des absoluten Nullpunktes (s. Wärme) wäre. Bei jeder höhern Temperatur befinden sie sich in schwingender Bewegung um ihre Gleichgewichtslagen, welche wir als Wärme empfinden. Bei der Erwärmung wird die Energie der Schwingungen erhöht und zugleich der mittlere Abstand der Moleküle vergrößert; wird der letztere dem Durchmesser der Wirkungssphäre gleich, so lassen sich die Moleküle mit Leichtigkeit gegeneinander verschieben, und der Körper ist in den flüssigen Zustand übergegangen. Bei noch höherer Erwärmung treten die Moleküle aus ihrem gegenseitigen Wirkungsbereich völlig heraus und durcheilen selbständig den dargebotenen Raum: der Körper hat alsdann den gasförmigen Zustand angenommen. Die hiermit skizzierte Auffassungsweise stützt sich auf die drei Grundbegriffe M., Äther und Kraft. Es fragt sich aber, ob der Begriff des Äthers, in geeigneter Weise definiert, nicht denjenigen der Kraft bereits in sich schließt. Die dahin zielenden Spekulationen sind jedoch noch nicht zu einem solchen Abschluß gelangt, daß eine umfassende Erklärung der Naturerscheinungen auf sie gegründet werden könnte. Vgl. Huber, Die Forschung nach der M. (Leipz. 1877). - In der Pathologie nennt man auch M. den Eiter in Wunden, Geschwüren etc.

Materie, strahlende, s. Geißlersche Röhre, S. 30.

Materĭell (franz.), stofflich, körperlich; auf den Stoff bezüglich (im Gegensatz zur Form); sachlich, inhaltlich; auch grobsinnlich, genußsüchtig.

Materieren (v. lat. materia), eitern; in der frühern Handwerkssprache s. v. w. das Meisterstück machen; daher Materierer, der das Meisterstück machte; Materienmeister, die Meister einer Innung, welche bei der Verfertigung eines Meisterstücks zugegen sein mußten; Materienessen, der bei dieser Gelegenheit übliche Schmaus; Materiengeld, das anstatt dieses Schmauses zu entrichtende Geld.

Matérn (lat.), mütterlich.

Matérna (lat.), das mütterliche Erbteil.

Matérna, Amalie, Bühnensängerin, geb. 1847 zu St. Georgen in Steiermark als die Tochter eines Schullehrers, sang, mit einer herrlichen Stimme begabt, schon als Mädchen öfters bei kirchlichen Feierlichkeiten Solo und kam mit 12 Jahren, nach dem Tod ihres Vaters, zu ihrem Bruder in Obersteiermark, der gleichfalls Lehrer war. Mit diesem siedelte sie einige Jahre später nach Graz über, wo sie in Gesellschaften, Kirchen und Konzerten häufig sang und nach kurzem vom Theaterdirektor Czernitz für seine Bühne als Soubrette engagiert wurde. Bald darauf, nachdem sie sich um 1865 mit dem Sänger Friedrich verheiratet hatte, erhielt die jugendliche Sängerin eine Stellung am Carltheater in Wien, bereitete sich unter Leitung von Proch und Esser zugleich für das tragische Fach vor und kam nach Ablauf ihres Kontrakts 1869 an die Hofoper, wo sie als Selika in Meyerbeers "Afrikanerin" mit großem Erfolg debütierte und in der Folge, namentlich durch ihre Darstellung des Fidelio, zum Liebling des Publikums wurde. Den Höhepunkt erreichte die Künstlerin durch ihre hochdramatische, geistvolle Wiedergabe der Brünnhildepartie in Wagners "Ring des Nibelungen" bei den Baireuther Festspielen 1876 sowie als Kundry im "Parsifal" 1882. In der Saison 1884-85 sang sie in dem Metropolitanopernhaus zu New York. Vom Kaiser von Österreich ist sie zur Kammersängerin ernannt worden.

Maternität (lat.), Mütterlichkeit; Maternitätsprinzip, der Grundsatz, daß die Erhaltung eines unehelichen Kindes der Mutter obliege.

Matēse, Gebirgsstock im neapolitan. Apennin, vom Volturno und seinem Nebenfluß, dem Calore, umflossen, noch reich an Wald und in einer Einsenkung den gleichnamigen Hochgebirgssee bergend, erreicht mit dem Monte Miletto 2047 m.

Matham, Jakob, niederländ. Kupferstecher, geb. 15. Okt. 1571 zu Haarlem, war Stiefsohn und Schüler des H. Goltzius, wurde 1600 in die Malergilde aufgenommen, war 1605 Doyen (Obmann) derselben und starb 20. Jan. 1631 daselbst. Er hat eine große Zahl von Blättern, teils nach eignen Zeichnungen, zum größern Teil nach italienischen, deutschen und niederländischen Meistern, gestochen, welche zwar unter manierierter Formenbehandlung leiden, aber durch die elegante und zarte Führung des Grabstichels auf die Entwickelung der kupferstecherischen Technik von großem Einfluß gewesen sind.

Mathematik (v. griech. mathēma, "Wissenschaft"), nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch die Wissenschaft von den Eigenschaften der Größen und den Gesetzen ihrer Verbindung, also Größenlehre. Man unterscheidet reine und angewandte M., je nachdem man die Größen an sich oder in ihrer Anwendung auf andre Wissenschaften und auf das praktische Leben betrachtet. Eigentümlich ist der reinen M. die in der Natur ihrer Begriffe und Methoden begründete Sicherheit ihrer Lehren, die jeden Zweifel und jede Ungewißheit ausschließt, weshalb man unter mathematischer Gewißheit oder Wahrheit sprichwörtlich eine absolute, vollkommene versteht. Zur reinen M. gehören die Arithmetik im engern Sinn (höhere Arithmetik oder Zahlentheorie) oder die Lehre von den Eigenschaften der Zahlen, die allgemeine Arithmetik und Algebra (s. d.), welche die Gesetze der Zahlenverbindungen (des Rechnens) entwickeln, die verschiedenen Teile der Infinitesimalrechnung (s. d.) sowie die Geometrie (s. d.) mit Einschluß der mathematischen Bewegungslehre (Phoronomie oder Kinematik). Doch sind strenge Systematiker geneigt, die Geometrie der angewandten M. zuzurechnen, weil unsre Kenntnis der Grundeigenschaften des Raums der äußern Erfahrung entnommen ist. Die angewandte M. teilt Klügel ("Mathematisches Wörterbuch", Bd. 3) in die physische und in die technische. Zur erstern gehören die theoretische Mechanik mit ihren Unterabteilungen (Statik und Dynamik fester, tropfbarflüssiger and gasförmiger Körper, als neuer Zweig die graphische Statik), die mathematische Physik (mathematische Akustik und Optik,