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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Medinaceli - Medio.

Einwohner, deren Zahl man auf 16,000 schätzt, treiben Ackerbau und Handel (auch zur See, durch den Hafen Janbo el Bahr); das Haupteinkommen aber bilden die Moscheen und der Fremdenverkehr. M. steht unter dem Scherif von Mekka. Die Stadt darf bei Lebensstrafe nicht von Christen und Juden betreten werden, doch haben sie einzelne kühne Reisende (z. B. der Schweizer Burckhardt und der Engländer R. Burton) in der Verkleidung mohammedanischer Pilger besucht. Nach M. mußte Mohammed 622 vor seinen Feinden von Mekka aus fliehen, von welcher Flucht (Hedschra) die Mohammedaner ihre Zeitrechnung beginnen. Die Stadt wechselte oft ihre Gebieter; sie fiel in die Gewalt der Kalifen, kam dann in den Besitz der Scherife von Mekka, der Sultane von Konstantinopel, der Wahabiten und der Ägypter. Jetzt steht sie wieder unter der Hoheit des türkischen Großherrn. Vgl. Burton, Narrative of a pilgrimage to El-Medinah and Meccah (3. Aufl., Lond. 1879); Wüstenfeld, Das Gebiet von M. (Götting. 1873).

Medīnaceli, Bezirksstadt in der span. Provinz Soria, am Jalon und an der Eisenbahn Madrid-Saragossa, Stammsitz der gleichnamigen Herzöge, hat ein altertümliches Schloß, eine Stiftskirche, einen römischen Triumphbogen und (1878) 1201 Einw.

Medīna del Campo, Bezirksstadt in der span. Provinz Valladolid, Knotenpunkt der Spanischen Nordbahn, alte, einst sehr volkreiche Stadt, hat 15 Kirchen, ehemals berühmte Messen und (1878) 5296 Einw.

Medīna de Riosēco, Bezirksstadt in der span. Provinz Valladolid, am Seco (Sequillo) in sehr fruchtbarer Gegend gelegen, hat eine gotische Kirche mit schönem Hochaltar, ein Kastell, ehemals sehr besuchte Jahrmärkte und (1878) 4776 Einw. Hier 14. Juli 1808 Niederlage der Spanier unter de la Cuesta durch die Franzosen unter Bessières.

Medina Sidonĭa, Bezirksstadt in der span. Provinz Cadiz, am Abhang eines die weite Ebene beherrschenden Hügels gelegen, mit den Ruinen des Stammschlosses der Herzöge gleichen Namens, Mineralquelle, Fabrikation von Töpferwaren und (1878) 12,397 Einw.

Medīnawurm, s. Filariaden.

Medīnazement, s. Zement.

Medīnet el Fayûm (Medine), Hauptstadt der gleichnamigen Mudirieh in Mittelägypten, am Bahr Jusuf und einem Zweig der Nileisenbahn, 18 m ü. M., mit (1882) 25,799 Einw., darunter 291 Ausländer. Die Stadt, ehemals Vergnügungsort der Mamelucken, ist von Gärten und Palmenhainen umgeben und ein belebter Markt für Getreide, Baumwolle, Mais, Früchte und Rosen, aus denen viel Rosenöl bereitet wird. Lebhafter Handel mit Kairo. In der Nähe Trümmer von Arsinoe. Vgl. Fayûm.

Medīnet Habu, Dorf in der ägypt. Provinz Keneh, am linken Nilufer, Karnak gegenüber, im Gebiet der alten Stadt Theben gelegen und berühmt durch die seit 1858 durch Mariette offengelegten großartigen altägyptischen Ruinen: einen Tempel aus der 18. Dynastie (17. Jahrh. v. Chr.) und das Memnonium Ramses' III. (Rhampsinits). Der Tempel, dessen ältester Teil aus der Zeit Amenhoteps I. und Hatasus stammt, und den die Ptolemäer und Kaiser mit einem großen Vorbau versahen, besteht aus einer von Pfeilern und Säulen getragenen Halle mit dem frei stehenden Sanktuarium und aus sechs nach rückwärts sich anschließenden Zellen. Daran lehnt sich westlich das Memnonium, von den Franzosen "Pavillon" genannt, das irrtümlich für einen Palast Ramses' III. angesehen worden ist, aber gleichfalls religiösen Zwecken diente. Es ist ein mächtiger zweistöckiger Bau, aus einem Mittelgebäude und zwei vorspringenden Flügeln mit leicht zur Pylonenform geneigten Wänden bestehend. Auf den Außenwänden der Flügel sind die Kriegsthaten des Königs gegen die Libyer und die Bewohner der Inseln des Mittelmeers dargestellt. Im ersten Stockwerk prangen die Wandgemälde teilweise noch in frischen Farben. Von dem Pavillon gelangt man durch mächtige Pylonen in zwei hintereinander liegende, mit farbigen Reliefs geschmückte Höfe und von da in den eigentlichen Tempel, auf dessen nördlicher Außenwand die Thaten Ramses' III. dargestellt sind. Nicht weit von M. die berühmten Memnonssäulen (s. Memnon).

Meding, Oskar, unter dem Namen Gregor Samarow bekannter Schriftsteller, geb. 11. April 1829 zu Königsberg i. Pr., studierte 1848-51 in seiner Vaterstadt, in Heidelberg und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften, wurde 1851 Auskultator in Marienwerder, ging später ins Verwaltungsfach über und war bei verschiedenen Regierungen namentlich in Preßangelegenheiten beschäftigt. 1859 trat er in den hannöverschen Staatsdienst über, wurde bald mehrfach vom König mit besondern Aufträgen betraut, 1862 in die Kommission für die hannöversche Katechismusfrage berufen und 1863 zum Regierungsrat und Referenten im Gesamtministerium mit persönlichem Vortrag beim König ernannt. Mit Miquel und Albrecht rief er 1865 die neue Gewerbeordnung ins Leben, im übrigen war sein Streben stets auf Stärkung der Unabhängigkeit Hannovers gerichtet. 1866 begleitete er den König zur Armee, später nach Wien; vom April 1867 an lebte er meist in Paris, das Interesse des Königs vertretend und namentlich für die sogen. Welfenlegion wirkend, bis er 1870 aus dem Dienste des Königs schied. Nachdem er beim Ausbruch des Kriegs 1870 in Berlin mit der preußischen Regierung seinen Frieden gemacht, ließ er sich in der Schweiz, später in Stuttgart und 1873 in Berlin nieder und beschäftigte sich mit der Abfassung eines Cyklus von Zeitromanen, in welcher er in breiter, jeder schärfern und lebendigern Charakteristik entbehrender Darstellung die Zeitereignisse, in welche er zum Teil selbst verwickelt war, schildert. Es sind: "Um Zepter und Kronen" (Stuttg. 1872, 4 Bde.) mit den Fortsetzungen: "Europäische Minen und Gegenminen" (das. 1873, 4 Bde.), "Zwei Kaiserkronen" (das. 1875, 4 Bde.), "Kreuz und Schwert" (das. 1875-76, 4 Bde.) und "Held und Kaiser" (das. 1876, 4 Bde.). Außerdem schrieb er die Zeitromane: "Die Römerfahrt der Epigonen" (Berl. 1873); "Der Todesgruß der Legionen" (das. 1874, 3 Bde.); "Ritter oder Dame" (Novelle, Stuttg. 1878); den sozialen Roman "Höhen und Tiefen" (das. 1879-80, 3 Tle.); einen Cyklus von Romanen aus der russischen Geschichte (das. 1881-83, 14 Bde.); "Um den Halbmond" (das. 1883, 4 Bde.); "Plewna" (das. 1884, 3 Bde.); "Die Saxoborussen" (das. 1885, 3 Bde.) u. a. und endlich die nicht uninteressanten "Memoiren zur Zeitgeschichte" (Leipz. 1881-84, 3 Bde.) sowie eine kurze Biographie des Kaisers Wilhelm ("89 Jahre in Glaube, Kampf und Sieg", Stuttg. 1886).

Medingen (Kloster-M.), s. Bevensen.

Medīno, s. v. w. Para, in Ägypten bald 1/30-1/33, bald 1/40, 1/50 bis selbst 1/80 eines Piasters; letzterer 20,5-21 Pf.

Medĭo (ital.), kaufmännisch s. v. w. Mitte des Monats; daher Mediowechsel, Wechsel, welcher auf die Mitte eines Monats gestellt ist und am 15. Tag des Monats verfällt.