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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mens; Mens agitat molem; Mensa; Mensaleh; Mensālgüter; Mensch

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Mens - Mensch.

Ermordung Klébers (1800) den Oberbefehl, ward aber 21. Mai 1801 bei Alexandria vom englischen General Abercromby gänzlich geschlagen und mußte eine Kapitulation unterzeichnen, in deren Folge er mit den Trümmern des französischen Heers Ägypten räumte. Nach Frankreich zurückgekehrt, ward er zum Gouverneur von Piemont, später von Venedig ernannt; hier starb er 13. Aug. 1810.

Mens, bei den Römern die Personifikation des "Verstandes" und der Besonnenheit. Ihr wurde 217 v. Chr. nach der durch Unverstand verlornen Schlacht am Trasimenischen See auf dem Kapitol ein Tempel errichtet, dessen Stiftungsfest alljährlich am 8. Juli gefeiert wurde.

Mensa (lat.), Tisch; m. Domini, Tisch des Herrn; m. episcopalis, Tafelgüter eines Bischofs; m. gratuita, Freitisch; m. ambulatoria, Wandeltisch, wechselnder Freitisch für arme Schüler etc.

Mens agitat molem (lat.), "der Verstand (die Klugheit) bewegt die Masse", d. h. Verstand regiert die Welt, Citat aus Vergils "Äneide" (VI, 727).

Mensaleh, großer Strandsee in Unterägypten, zwischen Damiette und Port Said, nur durch eine schmale sandige Nehrung vom Mittelländischen Meer getrennt, mit dem er aber durch mehrere Mündungen verbunden wird, ist 1200 qkm (21,8 QM.) groß, aber durchschnittlich nur 1 m tief. Das Wasser ist nur während der Überschwemmung des Nils süß, sonst brackig. Bei Niedrigwasser ist die Zahl und Ausdehnung der Sandbänke und Inseln so groß, daß die Schiffahrt für die in Dörfern teils am Ufer, teils auf den Inseln wohnenden Fischer schwierig wird. Der Fischreichtum ist ein so ungeheurer, daß die Regierung aus der Verpachtung der Fischerei 1½ Mill. Frank jährlich löst. Der Suezkanal hat einen Teil im O. abgeschnitten, der jetzt ganz trocken ist. Auch an der Austrocknung des übrigen Teils, der einst zu den fruchtbarsten Landschaften Ägyptens gehörte, wird jetzt gearbeitet.

Mensālgüter (lat. Bona mensae oder de mensa, "Tafelgüter"), ehedem Bezeichnung für Güter, deren Einkünfte zur Bestreitung der fürstlichen Hofhaltung dienten; im Kirchenrecht diejenigen kirchlichen Güter, deren Einkünfte zum Unterhalt der Erzbischöfe und Bischöfe bestimmt sind.

Mensch (Homo sapiens L.), das höchst entwickelte organisierte Wesen, unterscheidet sich in seiner körperlichen Organisation in keiner Weise von einem Tier, er besitzt kein einziges Organ, das nicht auch bei diesem sich fände. Ebensowenig bestehen fundamentale Unterschiede der äußern Gestaltung zwischen ihm und den ihm zunächst stehenden sogen. anthropoiden (d. h. menschenähnlichen) Affen, dem Gorilla, Schimpanse und Orang. Mit Recht reiht man daher den Menschen dem Tierreich ein, statt ihn, wie dies namentlich de Quatrefages thut, auf Grund gewisser Qualitäten der Intelligenz (Vorstellung von Gut und Böse, Glaube an höhere Mächte, an die Fortdauer nach dem Tod) als Vertreter eines besondern Schöpfungsreichs aufzustellen. Nur in betreff seiner Stellung im Tierreich finden sich Meinungsverschiedenheiten. Cuvier, Owen u. a. stellten für den Menschen eine besondere Ordnung der Säugetiere, die Zweihänder (Bimana), auf, während Häckel, Darwin u. a., wie dies bereits Linné that, den Menschen mit den Affen zu der Ordnung der Primates, der "Hochtiere" (Brehm), vereinigen, in welcher er nur eine besondere Familie bilden soll. Der M. teilt mit den schmalnasigen Affen der Alten Welt (Simiae catarrhinae) die wichtigsten Merkmale: Zahl und Art der Zähne, Schwanzlosigkeit, Grundcharakter der hintern Gliedmaßen als echter Füße. Ebenso ist der Grundplan des Gehirns der gleiche. Die Unterschiede zwischen M. und Affe liegen zunächst in der Bildung des Gesichts- und Hirnschädels, in dem Überwiegen des letztern über erstern beim Menschen, wodurch das Gesicht nicht vor, wie bei den Affen, sondern fast senkrecht unter die geräumige Schädelkapsel zu liegen kommt. Eine Annäherung an die tierische Schnauzenbildung findet sich indessen als Prognathie (d. h. Vorspringen des Kieferteils des Gesichts) bei niedern Menschenrassen. Bedingt wird jenes Überwiegen des Schädels beim Menschen durch die mächtige Entwickelung seines Inhalts, des Gehirns, namentlich des Großhirns in seinen Vorder- und Hinterlappen. Die Hirnwindungen und -Furchen sind ferner reichlicher ausgebildet und bewirken so eine bedeutende Oberflächenvergrößerung des Organs (besonders die als Sitz des Sprachsinns beim Menschen angesehene dritte Hirnwindung, welche bei Affen und Mikrokephalen nur rudimentär ist; vgl. Rüdinger, Ein Beitrag zur Anatomie des Sprachzentrums, Stuttg. 1882). In der Gesichtsbildung ist es außer der fehlenden Schnauzenbildung, die durch die Kleinheit des Kieferapparats bedingt wird, besonders die Form der Nase und Nasenöffnung sowie das Hervorragen des untern Teils des Unterkiefers als Kinn, ebenso die geschlossene, nicht durch Lücken unterbrochene Zahnreihe, welche den Menschen von den nächstverwandten Affen unterscheiden. Dazu kommt noch die besondere Konfiguration des Kehlkopfes, dessen Ausbildung den Menschen zu den ihm eigentümlichen sprachlichen und gesanglichen Leistungen befähigt. Beim Affen ist der Arm immer länger als das Bein (namentlich Vorderarm und Hand); beim Menschen überwiegt die mächtige Entwickelung der Beine als säulenartige Träger des lediglich von ihnen gestützten, aufrecht gestellten Körpers. Mit diesem aufrechten Gang, der das Charakteristische der menschlichen Körperhaltung ist und der selbst von den höchstgestellten Affen nur ganz vorübergehend ausgeführt werden kann (vgl. Brehm, Tierleben, Bd. 1, S. 47 und Abbildung), geht nun Hand in Hand eine weitere Reihe von Verschiedenheiten im Bau und der Entwickelung der Knochen und Muskeln beider Lebewesen, so namentlich die schaufelförmige Bildung des Beckens, die mehrfache Krümmung der Wirbelsäule, die stark entwickelte Gesäß- und Wadenmuskulatur des Menschen. Der Fuß des Menschen ist nach demselben Plan wie der Affenfuß gebaut, so daß letzterer mit Unrecht als Hand, vielmehr als Greiffuß zu bezeichnen ist. Der wesentliche Unterschied beruht darin, daß die Innenzehe beim Menschen nicht daumenartig wie bei den Affen den übrigen Zehen entgegengestellt werden kann, daß die Fußwurzel- und Mittelfußknochen zu einem Gewölbe verbunden sind, und daß die Sohle dem Boden horizontal zugewendet ist; die einzelnen Knochen und Muskeln sind aber im Grund bei beiden dieselben. Auch in der Hand finden sich Unterschiede, die in der bedeutend geringern Ausbildung des Daumens bei den Affen ihren Hauptgrund haben. Derselbe ist auffallend klein, schwach und kurz. Ebensowenig wie im gröbern Körperbau unterscheidet sich der M. fundamental von den Tieren in der mikroskopischen Struktur der seinen Körper aufbauenden Gewebe und in den Leistungen seiner verschiedenen Organe, also in physiologischer Beziehung. Es kommt somit wesentlich darauf an, ob die geistige Entwickelung des Menschen, der Besitz der Vernunft und von moralischen und religiösen Begriffen sowie