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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mertensia - Merw.

im Oberland" und hinterließ als Hauptwerk "Das Buch von den neun Felsen" (hrsg. von K. Schmidt, Leipz. 1859), das in der Anlage an Dantes "Divina Commedia" erinnert. Vgl. Gottesfreunde.

Mertensĭa Willd., Farngattung aus der Familie der Gleicheniaceen, krautartige Gewächse mit kriechendem Wurzelstock und meist dichotom verzweigten Wedeln. Sie finden sich besonders in den Tropengegenden, und in einigen Ländern dient ihr stärkemehlreiches Rhizom als Nahrungsmittel. M. dichotoma Willd. und einige andre finden sich auch in Gewächshäusern.

Merthyr-Tydfil, Stadt in Glamorganshire (Wales), am obern Taff, war vor 100 Jahren noch ein Dorf, zählte aber 1881 infolge des Reichtums der Gegend an Kohlen, Eisen und Kalk 48,861 Einw. M. ist Hauptsitz der Stahl- und Eisenindustrie Glamorganshires, und die weltberühmten Werke von Dowlais und Cyfarthfa liegen innerhalb seiner Grenzen. Im übrigen ist es schmutzig, ohne ansehnliche öffentliche Gebäude und fast nur von Arbeitern bewohnt.

Mertŏla, Stadt in der portug. Provinz Alemtejo, Distrikt Beja, am Guadiana, mit Resten eines maurischen Kastells, einer Mineralquelle und (1878) 3290 Einw.; das alte Myrtilis Julia. In der Nähe sind jüngst ein römischer Begräbnisplatz und unterirdische Wohnungen mit wertvollen Mosaikböden bloßgelegt worden.

Mêru, nach brahmanischer und buddhistischer Weltanschauung der Mittelpunkt unsrer Welt; von seinen vier Seitenflächen besteht die eine aus Gold, die zweite aus Kristall, die dritte aus Silber, die vierte aus Saphir. Er hat vier Absätze, von denen die drei untern von Dämonen bewohnt sind; der vierte ist der unterste Götterhimmel. Oben thront Indra mit den 33 Wedagöttern; über dem Himmel des Indra erheben sich weitere Stockwerke von Himmeln.

Méru (spr. -rü), Stadt im franz. Departement Oise, Arrondissement Beauvais, an der Nordbahn, mit (1881) 3969 Einw., beträchtlicher Kunsttischlerei, Fabrikation von Zucker, Schuhwaren und Feilen.

Merŭla, die Amsel.

Merulĭus Hall. (Aderschwamm, Faltenschwamm), Pilzgattung aus der Unterordnung der Hymenomyceten; die Fruchtkörper (Hüte) sind stiellos, ausgebreitet, unbestimmt gestaltet, fleischig oder häutig; das auf der Unterseite derselben befindliche Hymenium besteht aus aderähnlich verzweigten und netzartig verbundenen, oft gezahnten, mit dem Hut verwachsenen Falten. In Deutschland finden sich ungefähr zehn Arten, ansehnliche oder mäßig große, nicht genießbare Pilze, welche auf faulendem Holz oder an alten Baumstämmen in Wäldern wachsen; die wichtigste hierher gehörige Art ist der Hausschwamm (s. d.).

Merusee, s. Mörosee.

Merveille (franz., spr. -wäj), Wunder; à m., zum Verwundern, trefflich.

Merveilleuse, la (franz., spr. -wäjöhs', "die Wunderbare"), Bezeichnung für eine französische Frauentracht zur Zeit des Direktoriums (um 1796), das weibliche Seitenstück zum Incroyable (s. d.). Dieses Kostüm schloß sich an die altgriechische Tracht an und erregte besonders durch die Frechheit der Entblößung, dann durch die Übertreibung der Hüte und Frisuren Aufsehen. Die Merveilleuses trugen meist nur eine hoch gegürtete, aber mit einer Taille versehene Tunika nach antikem Schnitte, die sie hoch emporhoben, um Schuhe, Füße und Beine zu zeigen, welche bisweilen mit Trikot versehen, oft aber auch entblößt waren. Große Hüte mit Federn und wirr herabfallendes Haar vervollständigten die Tracht.

Merville (spr. -wil), Stadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Hazebrouck, an der Lys, dem Bourrekanal und der Eisenbahn von St.-Omer nach Armentières, mit (1886) 3062 Einw., Fabrikation von Tischzeug, Stickereien, Bürsten etc. (ehemals Sitz blühender Tuchindustrie).

Merw (Merv), eine Oase am Südrand der Sandwüste Karakum in Zentralasien, eine nach N. gerichtete Einbuchtung in dieselbe, welche durch vielfache Verzweigungen des Murghab, der sich hier im Sand verliert, gebildet wird. Die Oase umfaßt ein Areal von 4900 qkm (89 QM.), von denen etwa 900 qkm Sumpf und Sand sind, der Rest aber, durch ein mit vielem Fleiß angelegtes System von Kanälen bewässert, reiche Ernten von Weizen und Zuckerhirse liefert. Auch Baumwoll- und Seidenkultur werden getrieben. Das Klima ist heiß und trocken; im Dezember und Januar fällt nachts Schnee in etwa 20 Tagen. Die Bevölkerung, deren Zahl O'Donovan auf ½ Mill., Alichanow und Grodekow aber auf nur 200,000 angeben, besteht meist aus jetzt verarmten Tekke-Turkmenen, die allein Recht am Grund und Boden, ebenso wie am Wasser haben. Hauptbeschäftigung ist Ackerbau; die geringe Hausindustrie beschäftigt sich mit der Herstellung von Silberarbeiten, die Frauen weben Teppiche und grobe Seidenzeuge. Von europäischen Fabrikaten sind billige rote Baumwollenzeuge am meisten gesucht; der Handelsumsatz beträgt nur 1½ Mill. Rubel. Am rechten Ufer des Hauptarms des Murghab, über den hier eine Brücke führt, liegt die große Festung Kouschûtchankala mit breiten und hohen Wällen, durch welche acht Thore führen, im Innern Gemüsegärten, Felder und einige Kibitken. Im übrigen sind die Ansiedelungen nach allen Richtungen verstreut. Ehemals war diese Gegend viel dichter bevölkert. Überreste von Türmen, Bädern, Palästen und Grabmälern in der Umgebung zeugen von der ehemaligen Pracht dieser Residenz früherer Herrscher. Von M. gehen Wege gegen N. nach Chiwa, gegen NO. nach Bochara, Tschardschui und Narasim am Amu Darja, gegen W. nach Achal Teke und gegen S. nach Persien und Herat. Der letztere ist von besonderer politischer Wichtigkeit. Bereits Alexander d. Gr. soll in der Oase eine prächtige Stadt erbaut haben; die Turkmenen nennen daher ein verfallenes Erdwerk noch heute Fort Iskanders, d. h. Alexanders, doch ist der große Mazedonier nie in dieser Gegend gewesen. Antiochos Nikator machte die Oase durch eine Umwallung zu einem Bollwerk gegen nördliche Barbaren und nannte sie Antiochia Margiana. Zur Zeit der Ausbreitung des Islam fiel M. in die Hände der Araber, bei denen es blieb, bis es im 11. Jahrh. den anstürmenden Seldschukken unterlag. Dann wurde M. eine Beute der Mongolen, der Uzbeken und Perser, aus deren Händen es 1834 wieder in die der heutigen Tekke-Turkmenen überging. Ein Feldzug, den Persien unternahm, um den wiederholten räuberischen Einfällen in sein Gebiet ein Ende zu machen, endete für dieses mit einer vollkommenen Niederlage. Seitdem waren die Tekke-Turkmenen der Schrecken aller angrenzenden Landschaften insonderheit Persiens. Nachdem aber Gök-Tepe von den Russen genommen war, beschlossen die Chane von M., sich Rußland zu unterwerfen, und diese Unterwerfung wurde 31. Jan. 1883 angenommen. Im Juli 1886 wurde die Transkaspische Eisenbahn bis hierher eröffnet und ihre Weiterführung nach Tschardschui am Amu Darja in Angriff genom-^[folgende Seite]