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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mesquin - Messe.

Aspele, Hespel), ein 3-6 m hoher Strauch mit meist dornigen Ästen (kultiviert als Baum ohne Dornen) und in der Jugend filzigen Zweigen, sehr kurz gestielten, länglich lanzettlichen, ganzrandigen oder vorn gezähnelten, oberseits flaumhaarigen, unterseits filzigen Blättern, endständigen, einzelnen, großen Blüten und kreiselförmiger, grünlich gelbbrauner Frucht, welche von einer großen, scheibenförmigen, von den bleibenden, eingeschlagenen Kelchzipfeln umgebenen Fruchtnarbe gekrönt ist und 2-5 Steine enthält. Die Mispel stammt aus dem Orient, kam aber sehr früh nach Europa, findet sich in unsern Wäldern verwildert und wird namentlich in Frankreich und Italien, auch in Mittel- und Süddeutschland in mehreren Varietäten kultiviert. Die Früchte (kurzgestielte Apfelmispeln und langgestielte Birnmispeln) sind bei der Reife sehr herb, werden aber schmackhaft, wenn sie einige Zeit gelegen haben und teigig geworden sind. Das sehr zähe Holz des Stammes ist zu Drechslerarbeiten tauglich.

Mesquin (franz., spr. meskäng, dürftig), knauserig; Mesquinerie, Knauserei etc.

Mesra (arab.), Reise; besonders der Traum Mohammeds von seiner Himmelsreise.

Mess (engl.), eigentlich Gericht, Schüssel, dann Tischgesellschaft; besonders die gemeinsame Tafel der Offiziere an Bord der Kriegsschiffe und ihr Lokal; auch die Speiseräume auf Personen-Hochseedampfern, in welchen die drei Offiziere und drei Maschinisten untern Grades sowie der Zahlmeister ihre Mahlzeiten einnehmen, während der Kapitän, erste Offizier, erste Maschinist und Arzt mit den Passagieren in der ersten Kajütte speisen.

Messa di Voce (spr. wohtsche; nicht zu verwechseln mit mezza voce) nennt die italienische Gesangschule das leise Ansetzen des Tons, Anschwellen bis zum fortissimo und Wiederabnehmenlassen bis zum pianissimo, bezeichnet mit < > ^[img] über längern Noten. Das M. ist eine der wichtigsten technischen Studien für die Sänger. Vgl. Stimmbildung.

Messager (franz., spr. -scheh), Bote.

Messagerie (franz., spr. -sch'rih), das von Boten benutzte Fuhrwerk; auch das Botenamt; überhaupt Anstalt zur Beförderung von Reisenden und Gütern; Dampfschiffahrtsgesellschaft.

Messaliāner, s. v. w. Massalianer.

Messalīna, Valeria, Gemahlin des röm. Kaisers Claudius, Tochter des Valerius Messalla Barbatus, ist berüchtigt durch ihre Ausschweifungen und ihre Grausamkeit. Als sie sich zuletzt in ihres Gemahls Abwesenheit mit ihrem damaligen Günstling Gajus Silius öffentlich vermählte, wirkten Pallas und Narcissus, des Kaisers Freigelassene, 48 n. Chr. einen Befehl zu ihrer Hinrichtung aus, den sie, obgleich Claudius sich wieder zur Verzeihung neigte, sofort ausführen ließen. Dem Claudius hatte sie die Octavia und den Britannicus geboren. Ihren Tod behandelte Wilbrandt dramatisch in der Tragödie "Arria und M." (1877).

Messalla Corvīnus, Marcus Valerius, röm. Redner und Geschichtschreiber, geb. 59 oder wahrscheinlicher 64 v. Chr., begab sich 45 seiner weitern Ausbildung wegen nach Athen, schloß sich in dem Krieg des Brutus und Cassius gegen die Triumvirn an die erstern an, ergriff aber nach deren Niederlage bei Philippi die Partei des Antonius und dann die des Octavianus, dem er den Sieg bei Actium mit erringen half, und mit dem er 31 Konsul ward. 27 siegte er über die Aquitanier, 26 ward er auf wenige Tage Praefectus urbis. Die Zeit seines Todes ist ungewiß; nur so viel ist sicher, daß er ein hohes Lebensalter erreichte. Von seinen Reden haben sich wenige unbedeutende Bruchstücke erhalten, welche Meyer in "Oratorum romanorum fragmenta" (2. Aufl., Par. 1842) zusammengestellt hat; auch seine historischen Schriften (über die Bürgerkriege und über die römischen Familien) sind völlig verloren gegangen. Die früher ihm beigelegte Schrift "De progenie Augusti" ist ein Machwerk des Mittelalters. Vgl. Wiese, De M. Val. M. Corvini vita et studiis doctrinae (Berl. 1829); Fontaine, De M. Valerio M. Corvino (Versailles 1878).

Messāna, 1) Stadt, s. Messina. - 2) Dorische Namensform für Messenien (s. d.).

Messapĭer, Zweig der Iapygier im äußersten Südosten Italiens, in der Landschaft Messapia. Ihre früh ausgestorbene Sprache, die sich nur noch in einzelnen, von Mommsen ("Über die unteritalischen Dialekte", Leipz. 1850) behandelten Inschriften erhalten hat, ist indogermanisch, aber ohne spezifisch italischen Charakter. So ist der Name M. selbst aus mess (griech. mesos) und ap (sanskr. âp, "Wasser") zusammengesetzt, so daß er "die in der Mitte zwischen zwei Wassern Wohnenden" bedeutet.

Meßband, s. Meßkette und Bandmaß.

Meßbrief, amtliches Attest über den Raumgehalt eines Schiffs, ausgestellt auf Grund amtlicher Schiffsvermessung (s. d.).

Meßbuch, s. Missalen.

Messe (lat. Missa), ursprünglich der Teil des Gottesdienstes, in welchem der Priester das Offizium oder die Konsekration der Abendmahlssubstanzen vornahm. Da schon seit Ende des 2. Jahrh. das Abendmahl zu den Mysterien des christlichen Glaubens gehörte, durften daran nur die Gläubigen oder Getauften teilnehmen, während alle andern Zuschauer sowie die Büßenden und Katechumenen vorher mit den Worten: "Ite, missa est" (sc. concio), d. h. "Geht, die Versammlung ist entlassen", aufgefordert wurden, sich zu entfernen. Von dieser Formel erhielt in der Folge der ganze Gottesdienst den Namen Missa, und zwar nannte man den ersten Teil desselben Missa catechumenorum, den zweiten oder die Feier des Abendmahls Missa fidelium. Später verstand man in der römisch-katholischen Kirche unter M. das bei der Feier des Abendmahls gebräuchliche Officium, d. h. Gebet vor dem Altar (daher der Ausdruck "M. lesen"), und vor allem das sogen. Meßopfer, d. h. die priesterliche Handlung, durch welche im Abendmahl (s. d.) Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt und Gott dargebracht werden. Man unterscheidet Privatmessen (Winkelmessen, missae privatae et solitariae), welche ein Priester allein ohne allen Gesang abhält, und öffentliche, die wieder in niedere oder stille und hohe eingeteilt werden. Bei einer hohen M. werden die dabei nötigen Gebete von den Choristen mit Gesang, zuweilen auch mit Musik, begleitet, und der Priester erscheint, von wenigstens zwei niedern Geistlichen umgeben, in einem kostbaren Meßgewand. Eine solche feierliche M., welche gewöhnlich am Hochaltar abgehalten wird, heißt auch Hochamt. Bei den niedern Messen, zu welchen man auch die Privatmesse, die an Nebenaltären, und die sogen. Handmesse rechnet, die täglich gelesen wird, und wofür der Priester das Geld auf die Hand empfängt, genügt die Ablesung der üblichen Gebetsformeln. Vorzüglich zeremoniell sind die Messen, welche die Päpste halten. Der Ausbildung der Meßzeremonien lag namentlich der Papst Gregor d. Gr. ob, von welchem auch die Bestimmung