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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mikroskop

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Mikroskop.

Teilung und zeichnet mit einem Zeichenapparat (Camera lucida, s. d.) das mikroskopische Bild nach. Ist nun z. B. 1 mm auf dem Mikrometer in 100 Teile geteilt, und sind die Striche, welche man auf Papier gezeichnet hat, 3 mm voneinander entfernt, so ist die erhaltene Vergrößerung eine 300fache. Mit steigender Vergrößerung nimmt die Lichtstärke und Schärfe der Bilder bedeutend ab, so daß eine über eine gewisse Grenze hinaus gesteigerte Vergrößerung keinen Vorteil mehr bringen kann. Bei der Prüfung eines Mikroskops handelt es sich aber selten lediglich um die Bestimmung der Vergrößerung; eine Reihe andrer Verhältnisse ist maßgebend für die Brauchbarkeit eines Instruments. Deshalb pflegt man Probeobjekte anzuwenden, bei denen gewisse Details bei einer bestimmten Vergrößerung nur noch durch die bessern Instrumente gelöst werden, während die weniger guten sie entweder gar nicht oder nur undeutlich zur Wahrnehmung bringen. Als solche Probeobjekte wendet man unter andern Schmetterlingsschuppen an. Die Schuppen vom Flügel der Hipparchia Janira zeigen schon bei 80facher Vergrößerung Längsstreifen, dagegen bei 200-300maliger Vergrößerung auch Querstreifen. Feinere Probeobjekte sind die Diatomeenpanzer, welche zwei oder drei Liniensysteme erkennen lassen, die sich im ersten Fall unter einem rechten, im letzten Fall unter schiefen Winkeln schneiden. Ein ganz vorzügliches Probeobjekt ist Pleurosigma angulatum, welches schon durch mittelstarke Objektive bei schiefer Beleuchtung drei Liniensysteme erkennen läßt. Stärkere Objektive lösen die Liniensysteme in helle Punkte auf, und mit den besten Objektiven und der günstigsten Okularvergrößerung erkennt man diese hellen Punkte als nicht ganz regelmäßige Sechsecke. Als künstliche Probeobjekte dienen Roberts Probeplatten, Glasplatten, auf welche mit Diamant 20 feine Liniengruppen geritzt sind; die Linien der ersten Gruppe sind um 1/1000, die der letzten sogar nur um 1/10,000 Pariser Linie voneinander entfernt.

Die Zubereitung der Objekte für die mikroskopische Beobachtung ist je nach der Natur derselben sehr verschieden; immer aber werden die Objekte auf kleine Glasplättchen gelegt und, wo es nötig erscheint, mit einem Deckgläschen bedeckt. Flüssigkeiten breitet man auf den Plättchen zu einer dünnen Schicht aus und legt ebenfalls ein Deckgläschen auf. Feste Körper werden für gewöhnlich befeuchtet unter das M. gebracht, und man benutzt hierzu je nach Umständen Wasser, Glycerin, Kanadabalsam etc. Von kompakten Substanzen macht man mit einem Rasiermesser oder Mikrotom zarte, durchsichtige Schnitte, die ebenfalls in eine Flüssigkeit gelegt werden; lassen sich die Körper nicht schneiden, so werden gröbere Bruchstücke auf einem Schleifstein genügend dünn geschliffen (Dünnschliffe von Knochen, Zähnen, Verkieselungen, Gesteinen); weiche, nicht schneidbare Substanzen werden in Alkohol, Chromsäurelösung etc. erhärtet; sehr kleine Gegenstände, die man nicht fassen kann, z. B. kleine Samen, bringt man in großer Zahl in geschmolzenes Stearin, läßt dies erkalten und schneidet dann mit dem Rasiermesser geeignete Späne. Häufig untersucht man die Objekte auch im polarisierten Licht, oder man wendet chemische Reagenzien an, welche man in geringen Mengen mit den Objekten in Berührung bringt (Mikrochemie). Salzlösungen läßt man kristallisiren ^[richtig: kristallisieren] und untersucht die Kristallgestalt. Häufig bedürfen die Objekte einer besondern mechanischen Vorbereitung, die nur bei Vergrößerung, aber nicht unter dem M. ausgeführt werden kann, da hier der Abstand zwischen Objekt und Objektiv viel zu gering ist. Man benutzt daher für diesen Zweck besondere Präpariermikroskope (Fig. 17 der Tafel), welche schwächere Vergrößerung liefern und speziell für leichte und sichere Behandlung der Präparate (durch Handstützen etc.) eingerichtet sind. Vgl. Mikroskopische Präparate. Die Bezeichnung der Vergrößerung eines Mikroskops kann in doppelter Weise geschehen. Die lineare Vergrößerung gibt das Verhältnis der scheinbaren Länge des vergrößerten Gegenstandes zu dessen wirklicher Länge an, die quadratische Vergrößerung sagt dagegen, wievielmal größer die scheinbare Fläche des vergrößerten Gegenstandes ist als die wirkliche Fläche. Selbstverständlich ist letztere Zahl sehr viel größer, und es kommt wohl vor, daß dies zu Täuschungen benutzt wird. Es ist allgemein üblich, die lineare Vergrößerung anzugeben, und auf diese beziehen sich alle Angaben in wissenschaftlichen Werken. Beim Ankauf eines Mikroskops ist große Vorsicht notwendig, und stets ist empfehlenswert, sogleich ein gutes Stativ zu kaufen, sich aber zunächst mit wenigen Linsensystemen zu begnügen und die stärkern Systeme nach Bedarf nachzukaufen. Die bekanntesten und renommiertesten Firmen in Deutschland und Österreich sind etwa: C. Zeiß in Jena, W. u. H. Seibert in Wetzlar, Hartnack in Potsdam, Paul Wächter in Berlin, Leitz in Wetzlar, Winkel in Göttingen, C. Reichert in Wien. Die Behandlung eines Mikroskops erfordert so große Sorgfalt, die Zurichtung der Objekte so viel Geschicklichkeit und Kenntnis der Bedingungen, unter welchen man gute Beobachtungen machen kann, daß es unmöglich ist, in wenigen Worten hierüber zu belehren. Dazu kommt, daß es durchaus nicht genügt, ein M. zu besitzen, um nun auch ohne weiteres richtige Beobachtungen machen zu können; es ist vielmehr ein sorgfältiges Studium des mikroskopischen Sehens notwendig, um nichts Falsches zu sehen, und so bleibt nur übrig, in den über Mikroskopie handelnden Werken gründliche Belehrung zu suchen, ehe man daran geht, mit dem M. selbständig zu arbeiten. Als solche Werke empfehlen sich besonders: Harting, Das M. (a. d. Holländ. von Theile, 2. Aufl., Braunschw. 1866, 3 Bde.); Nägeli und Schwendener, Das M., Theorie und Anwendung desselben (2. Aufl., das. 1876); Dippel, Das M. (Bd. 1: "Allgemeine Mikroskopie", 2. Aufl., Braunschweig 1882; Bd. 2: "Anwendung auf die Histologie der Gewächse", das. 1872); Derselbe, Grundzüge der allgemeinen Mikroskopie (das. 1885); Hager, Das M. und seine Anwendung (7. Aufl., Berl. 1886); Wiesner, Einleitung in die technische Mikroskopie (Wien 1867); Frey, Das M. (7. Aufl., Leipz. 1881); Fol, Mikroskopisch-anatomische Technik (das. 1884); Orth, Kursus der normalen Histologie (Berl. 1878); Behrens, Hilfsbuch zur Ausführung mikroskopischer Untersuchungen (Braunschw. 1883); Derselbe, Tabellen zum Gebrauch bei mikroskopischen Arbeiten (das. 1887); Strasburger, Botanisches Praktikum (2. Aufl., Jena 1887); Derselbe, Kleines botanisches Praktikum (das. 1884); Poulsen, Botanische Mikrochemie (Kassel 1881); Haushofer, Mikroskopische Reaktionen (Braunschw. 1886); Peyer, Medizinischer Atlas der Mikroskopie am Krankenbett (2. Aufl., Stuttg. 1887); Bizzozero, Handbuch der klinischen Mikroskopie (2. Aufl., Erlang. 1887).

Das M. hat in den letzten Jahren immer mehr an Wichtigkeit gewonnen; Botanik und Zoologie verdanken ihm den größten Teil ihrer neuern Erfolge, und auch für die Mineralogie und Gesteinslehre hat