Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Monsune; Mont, Deodaat del; Montabaur

758

Monsune - Montabaur.

Bäder äußert sich besonders gegen chronische Muskel- und Gelenkrheumatismen, Gicht und Neuralgien rheumatischer Natur (Ischias). Vgl. Knoblauch, Die Heilgrotte von M. (Warmbrunn 1876).

Monsune (franz. Moussons, v. arab. monsim, "Jahreszeit"), zunächst die vom Stande der Sonne, also von bestimmten Jahreszeiten, abhängigen Winde des Indischen Ozeans, dessen Lage in Bezug auf die ihn umgebenden Ländermassen eine wesentlich andre ist als die der andern Ozeane. Die gegenseitige Einwirkung von Land und Wasser in Bezug auf die Temperatur und die dadurch bedingten Winde bewirkt, daß die in den andern Ozeanen innerhalb derselben Breiten so regelmäßig auftretenden Passatwinde im Indischen Ozean nicht angetroffen werden, und daß in diesem je nach den Jahreszeiten, der trocknen und der nassen, auf demselben Parallelkreis entgegengesetzte Winde wehen. In der That teilen diese Winde das Jahr genau in zwei Hälften. In der heißen Sommerszeit der nördlichen Halbkugel werden die dürren Hochflächen Zentralasiens und die Ebenen Hindostans stärker erwärmt als das Wasser des Indischen Ozeans, und dadurch entsteht über diesem Teil des asiatischen Kontinents eine bedeutende Auflockerung der Luft und ein niedriger Barometerstand. Infolgedessen wird ein Zuströmen der Luft von dem Indischen Ozean her aus SW. gegen die im N. desselben gelegenen Länder stattfinden. Mit Feuchtigkeit gesättigt, überschüttet der Südwestmonsun, der in den Monaten April bis Oktober zwischen dem Äquator und dem nördlichen Wendekreis herrscht und sich von der Ostküste Afrikas bis zu den Küsten Indiens, Chinas und den Philippinen (zuweilen auch bis zu den Marianen im Stillen Ozean) erstreckt, die Malabarküste wie die Westküsten Hinterindiens, besonders in den Monaten Juni, Juli und August, mit wolkenbruchartigen Regengüssen und stößt dann gegen die hohen Bergmassen des Himalaja und der andern die zentralasiatischen Hochflächen gegen S. begrenzenden Gebirgsketten; diese Schranken aber überschreitet er nicht. An seinen mit Feuchtigkeit beladenen Wolken, die sich an den Gehängen der niedern Berggipfel brechen, erkennt man deutlich, daß der Seewind die Höhe von 1500-2500 m nicht überschreitet, und daß in den höhern Regionen andre Winde vorhanden sind, welche von dem großen rückströmenden Passat herrühren und in derselben Höhe wehen wie über dem Atlantischen Ozean in der Gegend der Kanarischen Inseln. Fängt die Sonne im September an, sich dem Äquator wieder zu nähern, so nimmt die Erwärmung des Kontinents von Asien ab, der Südwestwind flaut ab und macht im Oktober, dem gefürchtetsten Monat, im Meerbusen von Bengalen teils veränderlichen Winden, teils schweren Gewittern und heftigen Orkanen Platz. Inzwischen nimmt der Luftdruck über dem erkaltenden Festland von Asien zu, es entsteht über ihm ein barometrisches Maximum, und es beginnt der Nordostmonsun von Oktober bis März über denselben Gegenden wie im Sommer der Südwestmonsun zu wehen. Infolge dieses regelmäßigen Wechsels der M., der schon im Altertum bekannt war und den Seeverkehr zwischen Ägypten und Indien und im Mittelalter zwischen Arabien, resp. Persien und China ermöglichte, können die Seefahrer im Indischen Ozean im voraus auf günstige Winde für die Hin- und Rückreise rechnen. Die ostindischen M. sind nicht die einzigen Winde, welche die Regelmäßigkeit der Passate durchbrechen. In allen tropischen Gegenden, wo die Festlandküsten parallel mit dem Äquator verlaufen, erleiden die Winde infolge der je nach dem Lauf der Sonne bald auf dem Land, bald auf dem Meer eintretenden stärkern Luftverdünnung regelmäßig solche Veränderungen. So saugen während des größten Teils des Jahrs die afrikanischen Küsten vom Golf von Benin bis zum Kap Palmas die M. des Golfs von Guinea an. Aus ihrer Richtung abgelenkt, bewegen sich hier die Luftmassen gegen NO., um sich mit großer Heftigkeit in die glühend heiße Wüste der Sahara zu stürzen, über welcher die Luft gewöhnlich mehr als irgendwo anders auf der Erde aufgelockert ist. Gegen den Januar dagegen, wo die Sahara stärker als das äquatoriale Meer und die Congoküste abgekühlt ist, gewinnt der Nordostpassat wieder die Herrschaft und streicht dann durch ganz Nordafrika bis zu den Küsten von Südguinea. Anfangs mit großer Heftigkeit wehend, läßt auch dieser nach zwei oder drei Wochen wieder nach, um dann abermals die Herrschaft an den Seemonsun abzutreten. An den Küsten des Roten Meers, des Persischen Meers, der Chinasee und im Japanischen Meer treten solche mit den Jahreszeiten regelmäßig wechselnde Winde als Modifikationen der Passate auf und bedingen dadurch die Schiffahrtsverhältnisse jener Meeresteile zu bestimmten Zeiten des Jahrs, wenigstens in betreff der Segelschiffe. An den Küsten von Chile und an den kalifornischen Küsten, zwischen den Inseln des Stillen Ozeans, im Mexikanischen Golf und in dem Antillenmeer werden ähnliche Erscheinungen angetroffen. Im Sommer streichen durch das Mississippithal und über die Hochflächen von Texas wirkliche M., welche reiche Niederschläge über diese Region des Festlandes ausschütten und örtliche Minima des Luftdrucks verursachen. In die so gelockerte Luft stürzen die schweren, kalten Polarströme, die sogen. Nortes, welche sich bis nach Texas, selbst bis über den Mexikanischen Meerbusen erstrecken, und deren Vordringen durch kein Gebirge ein Hindernis bereitet ist. Die Winde des östlichen Mittelmeergebiets, welche die Alten als etesische oder Jahreszeitenwinde bezeichneten, sind ebenfalls nichts andres als M. Es sind Luftströmungen, die von N. her durch die gewaltigen Wärmeherde der ägyptischen Wüsten und der Sahara gegen das afrikanische Festland angezogen werden. Fast das ganze Jahr hindurch werden die über dem südlichen Europa befindlichen Luftmassen nach Afrika hinübergeführt, und selbst in den Ländern mit veränderlichen Winden, wie Italien, Südfrankreich und Spanien, kennt man diese vorwaltenden nördlichen Luftströmungen. Diese herrschende Bewegung der Luft vermittelt eine erheblich schnellere Fahrt von Europa nach Afrika als umgekehrt. Über den ganzen nördlichen Teil der Balearen, namentlich Menorca, wehen beständig, am meisten aber zur Zeit der Mistrals (s. d.), Nordwinde, welche die Vegetation verkümmern und die Bäume gegen S. beugen.

Mont, Deodaat del, s. Del Mont.

Montabaur, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Unterwesterwaldkreis, an der Linie Siershahn-Limburg der Preußischen Staatsbahn, hat 2 Vorstädte, eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, ein katholisches Gymnasium mit Konvikt, ein katholisches Lehrerseminar, ein Amtsgericht, ein Landratsamt (im ehemaligen Schloß), 2 Oberförstereien, Wollspinnerei, Gerberei, mächtige Thonlager, einen Sauerbrunnen und (1885) 3460 meist kath. Einwohner. In der Nähe Bergbau auf Silber und besonders Eisen. - M. war ehemals oft Residenz der Erzbischöfe von Trier, erhielt seinen Namen (Mons Tabor) 1217 vom Erzbischof Dietrich von Trier und zu Ende des