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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Montperdu; Montreal

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Montperdu - Montreal.

1513, gest. 23. Sept. 1582), spielte, von Haß gegen Heinrich III. erfüllt, da derselbe ihren Bruder hatte ermorden lassen, seit 1587 eine bedeutende Rolle in der Liga; starb 6. Mai 1596.

2) Anne Marie Louise von Orléans, Herzogin von, bekannt unter dem Namen Mademoiselle, Tochter des Herzogs Gaston von Orléans, des Bruders Ludwigs XIII., und der Marie von Bourbon, der Tochter der vorigen und Erbin des Herzogtums M., geb. 29. Mai 1627 zu Paris, schön, geistvoll und energisch, ward vom königlichen Hof, der ihr in 20 Mill. Frank, vier Herzogtümern, der Herrschaft Dombes und der Grafschaft Eu bestehendes Vermögen nicht in andre Hände übergehen lassen wollte, an der Ausführung ihrer Heiratspläne, mit denen sie sich den größten Teil ihres Lebens beschäftigte, verhindert, verband sich daher, als ihr Vater auf die Seite Condés trat, mit den Frondeurs und leistete, kühnen und festen Charakters, diesen 1652 bei der Behauptung von Orléans und bei dem Treffen in der Vorstadt St.-Antoine (2. Juli), wo sie Turenne durch die Kanonen der Bastille zum Rückzug nötigte, wesentliche Dienste. Nach beendigtem Aufstand, durch den sie ihre von Mazarin in Aussicht gestellte Vermählung mit Ludwig XIV. verscherzt hatte, zog sie sich auf ihr Landgut St.-Fargeau zurück. Erst 1657 durfte sie wieder am Hof erscheinen, wo sie 1669, 42 Jahre alt, eine leidenschaftliche Liebe zu dem jungen Grafen von Lauzun (s. d.) faßte. Schon hatte Ludwig XIV. seine Einwilligung zur Vermählung mit demselben gegeben, als die Montespan dieselbe hintertrieb. Da sich aber Lauzun heimlich mit der reichen Erbin vermählt hatte, ließ ihn Ludwig 1672 einkerkern, und nur durch die Abtretung der Herrschaft Dombes und der Grafschaft Eu an den Sohn der Montespan, den Herzog von Maine, öffnete nach zehn Jahren M. den Kerker ihres Gatten, der ihr aber für alle ihre Aufopferung keinen Dank wußte und 1685 nach England ging. Sie wurde zuletzt fromm und starb 5. März 1693. Ihre Güter fielen an den Herzog von Orléans, den Bruder Ludwigs XIV. Ihre "Mémoires" (1729; neu hrsg. von Chéruel, Par. 1858-59, 4 Bde.) sind reich an Material für die Sittengeschichte des französischen Hofs.

3) Antoine Philippe, Herzog von, geb. 3. Juli 1775, Sohn des Herzogs Philipp Joseph von Orléans (Egalité), jüngerer Bruder des Königs Ludwig Philipp, diente während der Revolution unter Dumouriez in Belgien, dann in Italien, wurde 1793 auf Befehl des Wohlfahrtsausschusses verhaftet und erst nach 3½jähriger Gefangenschaft in Marseille freigelassen, um mit Ludwig Philipp 1797 nach Amerika zu gehen. 1800 nach Europa zurückgekehrt, starb er 18. Mai 1807 zu Twickenham in England.

4) Antoine Marie Philippe Louis von Orléans, Herzog von, geb. 31. Juli 1824, fünfter Sohn des Königs Ludwig Philipp, trat 1842 in das 3. Artillerieregiment, nahm 1844-45 an mehreren Feldzügen in Algerien teil und ward 10. Okt. 1846 mit der spanischen Infantin Luise (geb. 30. Jan. 1832) vermählt, wodurch sich das Haus Orléans bei der voraussichtlichen Kinderlosigkeit der Ehe der Königin Isabella II. den spanischen Thron gesichert zu haben glaubte. Nach der Februarrevolution 1848 begab er sich nach England, dann nach Spanien, wo er in Sevilla residierte und 10. Okt. 1859 zum Generalkapitän der spanischen Armee und Infanten von Spanien ernannt wurde. Im Anfang Juli 1868 kam die spanische Regierung einer namentlich unter den höhern Offizieren der Armee weitverzweigten Verschwörung auf die Spur, welche nach Entthronung der Königin den Herzog von M. auf den spanischen Thron erheben wollte, und wies den Herzog aus Spanien aus, der, nachdem er seine spanischen Titel und Würden niedergelegt, dem Befehl gehorchte, aber nach der Septemberrevolution 1868 von Lissabon nach Sevilla zurückkehrte. Seine Hoffnung, nun auf den Thron erhoben zu werden, ging aber nicht in Erfüllung. Er war bei dem Volk so wenig beliebt, daß er 1870 zweimal bei den Corteswahlen durchfiel, und hatte namentlich Napoleons III. Einfluß gegen sich, welcher keinen Orléans in Spanien zum König haben wollte. Wegen seiner ehrgeizigen Ränke geriet er mit dem Infanten Heinrich von Bourbon in Streit und erschoß denselben 12. März 1870 im Duell. Bei der Königswahl 16. Nov. 1870 erhielt er nur 25 Stimmen. Er verließ nun Spanien und begab sich 1871 wieder nach Frankreich, wo er sich mit der Königin Isabella versöhnte. Seine älteste Tochter, Isabella (geb. 21. Sept. 1848), ist seit 1864 mit dem Grafen von Paris vermählt, die dritte, Mercedes, vermählte sich 23. Jan. 1878 mit dem König Alfons XII. von Spanien, starb aber schon 26. Juni d. J. Sein einziger Sohn, Anton, geb. 23. Febr. 1866, ist seit 6. März 1886 mit Eulalia, der jüngsten Tochter der Exkönigin Isabella, vermählt.

Montperdu (spr. mongperdüh), hoher Berggipfel der Zentralpyrenäen, liegt auf spanischem Gebiet und bildet ein Glied der berühmten Gruppe der "drei Schwestern" (Tres sorellas): M. 3352 m (Schneegrenze 2560 m), Cylindre de Marboré 3327 m und Pic de Marboré 3253 m. Westlich von letzterm führt die Breche de Roland (s. d.) über das Gebirge. Der M. wurde zuerst 1802 von Ramond (von Gavarnie aus über die Rolandsbresche) bestiegen.

Montreal (spr. montriahl), die bedeutendste Stadt des ganzen britischen Amerika, liegt auf einer fruchtbaren, 35 km langen, bis 12 km breiten Insel am Zusammenfluß des Ontario mit dem St. Lorenzstrom. Prächtige Kalksteinkais fassen den Strom auf eine Länge von über 4 km ein und erstrecken sich vom Fuß der Lachineschnellen bis zur Vorstadt Hochelaga. Die Straßen sind breit und meist gerade, die aus weißem Marmor oder hellem Kalkstein aufgeführten und mit blankem Zink gedeckten Häuser stattlich, die öffentlichen Gebäude zahlreich und prächtig. Die Unterstadt, am Fluß, ist vorzugsweise dem geschäftlichen Verkehr gewidmet, während die an den Hängen des 238 m hohen Mont Royal sich hinaufziehende Oberstadt zahlreiche von Bäumen beschattete Villen enthält. Unter den vielen Kirchen gebührt die vornehmste Stelle der im gotischen Stil erbauten katholischen Kathedrale Notre Dame mit zwei 68,6 m hohen Türmen und Raum für 10,000 Personen. Auch die anglikanische Kathedrale (Christ church) mit 67 m hohem Spitzturm verdient Beachtung. Eine schöne Markthalle, Bonsecours, mit großer Kuppel, dient gleichzeitig als Rathaus. Stattlich sind ferner die Gerichtshalle, die Börse und die reichdotierte Mc. Gill-Universität. Auf dem Platz Jacques Cartier steht eine Denksäule Nelsons. Eine 12 km lange Wasserleitung versieht die Stadt mit Wasser. Die Viktoriabrücke, 2799 m lang, 1854-59 von Stephenson erbaut, überspannt bei M. den St. Lorenzstrom; eine zweite Brücke wird gebaut. M. hatte 1851: 57,381, 1881 dagegen 140,749 Einw. ohne die Vorstadt Hochelaga (4111 Einw.). Die Stadt hat Zuckersiedereien, Schriftgießereien, Schiffswerften etc., blüht aber namentlich infolge ihres Handels. Seeschiffe von 6000 Ton. können an ihren Kais anlegen,