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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Moritz; Moritz- und Lazarusorden; Moritzburg; Morlaix; Morlaken

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Moritz - Morlaken.

Bergen op Zoom (16. Sept. 1747) zum Oberbefehlshaber in den eroberten Niederlanden ernannt. Nachdem zu Aachen 18. Okt. 1748 Friede geschlossen war, zog sich M. auf das ihm vom König geschenkte Schloß Chambord zurück und machte dasselbe zu einem Sammelpunkt von Gelehrten, Künstlern und Philosophen. Er starb 30. Nov. 1750 daselbst und ward zu Straßburg in der protestantischen Thomaskirche bestattet, wo ihm 1765-76 von Pigalle ein großartiges Grabdenkmal errichtet wurde. Bekannt ist M.' Liebesverhältnis zur berühmten Tragödin Adrienne Lecouvreur. Von einer natürlichen Tochter M.', Aurora de Saxe, verehelichte Dupin, stammt die Schriftstellerin George Sand ab. Die neuen Ansichten in der Kriegswissenschaft, die er in seinen "Rêveries" (beste Ausg., Par. 1751, 2 Bde.) aufstellte, fanden erst in späterer Zeit Beachtung. Auch hinterließ er "Lettres et mémoires choisis parmi les papiers originaux du maréchal de Saxe" (Par. 1794). Vgl. K. v. Weber, M., Graf von Sachsen, Marschall von Frankreich (Leipz. 1863); Saint-René Taillandier, Maurice de Saxe (Par. 1865); Vitzthum v. Eckstädt, Maurice, comte de Saxe, et Marie-Josèphe de Saxe, dauphine de France (Leipz. 1867).

Moritz, Karl Philipp, trefflicher Schriftsteller und eine der eigentümlichsten Gestalten der Sturm- und Drangperiode, geb. 15. Sept. 1757 zu Hameln, verlebte seine frühste Jugend unter traurigen Familienverhältnissen, sollte dann in Braunschweig die Hutmacherei erlernen, wurde aber bald von seinem pietistischen Meister wieder entlassen und kehrte zu seinen Eltern, die inzwischen nach Hannover gezogen waren, zurück. Hier erregte er durch seine großen Fähigkeiten die Aufmerksamkeit eines fürstlichen Gönners, erhielt dadurch Gelegenheit, das Gymnasium zu besuchen, verließ dasselbe als Primaner, um unter Ekhof zu Gotha Engagement als Schauspieler zu finden, begann, als dieser Plan nach manchen abenteuerlichen Erlebnissen scheiterte, in Erfurt zu studieren, machte einen nochmaligen vergeblichen Versuch, sich der Bühne zu widmen, und fand, als auch dieser gescheitert war, eine momentane Zuflucht bei den Herrnhutern zu Barby. Von der Brüdergemeinde unterstützt, studierte er in Wittenberg Theologie und trat dann zu Dessau als Lehrer im Philanthropin ein. Basedows Geistestyrannei trieb ihn aufs neue zum Wandern; er ging nach Potsdam und wurde dort 1778 Lehrer am Militärwaisenhaus, einige Zeit später am Grauen Kloster zu Berlin. Hier machte er sich als Schriftsteller, Prediger und Dichter bekannt, galt in den Kreisen der Berliner Aufklärer für einen "guten Kopf", zugleich aber für ein "exzentrisches Original". Er unternahm 1782 eine Reise nach England, die er in einem sehr lesenswerten Buch (s. unten) beschrieb, wurde darauf Professor am Köllnischen Gymnasium in Berlin, versuchte als Redakteur der "Vossischen Zeitung" ohne Erfolg diese zu einem Blatt "für das Volk" umzugestalten, geriet durch die Leidenschaft für eine verheiratete Frau in verhängnisvolle Herzenswirren und suchte 1786 geistige Genesung durch eine Reise nach Italien. Hier traf er mit Goethe zusammen, der ihn schätzen und lieben lernte und 1788 nach seiner Rückkehr eine Zeitlang in Weimar bei sich aufnahm. Durch Empfehlung des Herzogs Karl August erlangte M. die Mitgliedschaft der Berliner Akademie der Wissenschaften und wurde 1789 Professor der Altertumskunde an der Kunstakademie in Berlin. Er starb daselbst 26. Juni 1793. Unter M.' Schriften ist die merkwürdigste der psychologische Roman "Anton Reiser" (Berl. 1785-90, 4 Bde.; fortgesetzt von Klischnig, 1794; neue Ausg. von Geiger, Heilbr. 1885), der die wunderlichen Seelenzustände des Verfassers während seiner Jugendjahre in ganz einziger Lebendigkeit und mit meisterlicher Kunst darstellt. Auch in "Andreas Hartknopf" (Berl. 1786) schildert M. eigne Erlebnisse. Geistreich und durch originelle Ideen sowie durch treffliche Darstellung wertvoll sind auch andre von M.' zahlreichen Schriften, z. B.: "Versuch einer deutschen Prosodie" (Berl. 1786, neu aufgelegt 1815); "Über die bildende Nachahmung des Schönen" (Braunschw. 1788); "Götterlehre" (Berl. 1791; 10. Aufl. von Frederichs, 1851; neue Ausg. von M. Oberbreyer, Leipz. 1879); "Reisen eines Deutschen in England" (Berl. 1783); "Reisen eines Deutschen in Italien" (das. 1792-93, 3 Bde.) u. a. In den Jahren 1783-93 gab M. ein "Magazin für Erfahrungsseelenkunde" (10 Bde.) heraus. Vgl. Alexis in Prutz' "Litterarhistorischem Taschenbuch" (Hannov. 1847); Stern, Aus dem 18. Jahrhundert (Leipz. 1874); Varnhagen v. Ense, Ausgewählte Schriften Bd. 17.

Moritzburg, königl. Jagdschloß (auch Dianenburg genannt) in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Dresden, 14 km nordwestlich von diesem, zum Flecken Eisenberg gehörig, an der Linie Radebeul-Radeburg der Sächsischen Staatsbahn. Der Bau wurde vom Kurfürsten Moritz 1542 begonnen, unter Christian I. 1589 beendet und von August dem Starken, der dort oft verschwenderische Feste veranstaltete, erweitert und verschönert. M. ist Sitz einer Landesbeschälanstalt u. einer Hilfsblindenanstalt. Vgl. Becher, Geschichte des Lustschlosses M. (Dresd. 1866).

Moritz- und Lazarusorden, s. Mauritius- und Lazarusorden.

Morlaix (spr. -läh), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Finistère, an der Westbahn (Paris-Brest), 12 km vom Meer entfernt, an dem Flüßchen Dossen, auf welchem mit der Flut Seeschiffe von mehreren hundert Tonnen bis vor die Stadt gelangen. Die Stadt hat (1886) 12,832 Einw., welche Tabaksmanufaktur, Industrie in Leinwand, Papier und Kerzen, Handel mit Getreide, Butter, Ölsamen, gesalzenem Schweinefleisch, Pferden sowie bedeutenden Stockfischfang betreiben. Im Hafen von M. sind 1885: 331 Handelsschiffe mit 29,090 Ton. eingelaufen. Ein großartiges Bauwerk ist der Eisenbahnviadukt, welcher 58 m hoch über die Stadt und den Fluß führt. M. hat ein Handelsgericht, eine Handelskammer, Collège und hydrographische Schule und ist Geburtsort Moreaus.

Morlaken, die slawischen (serbischen) Bewohner des dalmatischen Gebirges, namentlich in den ehemaligen Kreisen Zara und Spalato, sollen um die Mitte des 15. Jahrh. aus Bosnien vor der türkischen Botmäßigkeit hierher geflüchtet sein. Im ganzen ein schöner Menschenschlag, durchgängig groß und stark, sind sie noch äußerst roh. Ihre Wohnungen bestehen meist nur aus Steinwerk mit Schilfdach, entbehren fast jeglichen Hausgeräts und werden mit dem Vieh geteilt. Ihr einziger Luxus besteht in schön verzierten Flinten, Pistolen und Handscharen und silbernen Knöpfen auf einer scharlachtuchenen Weste. Den Kopf deckt ein rotes Käppchen. Gesang und Tanz lieben sie leidenschaftlich; auch zeigen sie durchgängig gute Eigenschaften, sind aber in hohem Grad unwissend und abergläubisch. Bei ihnen besteht noch die Sitte der Halbbrüderschaft (s. d.). Sie bekennen sich zu 2/3 zur römisch-katholischen, zu 1/3 zur nichtunierten griechischen Kirche. Als tüchtige Schiffs- und Seeleute bilden sie den Kern der österreichischen Marine. Vgl. Petter Dalmatien (Gotha 1857).