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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Morlakenkanal; Morley; Mörlin; Mormo; Mormolȳken; Mormon; Mormōnen

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Morlakenkanal - Mormonen.

Morlakenkanal (Canale della Morlacca oder della Montagna), Meerenge zwischen der kroatischen Küste des Adriatischen Meers und den derselben vorgelegenen Inseln: Veglia, Arbe, Pago etc., erstreckt sich südöstlich zur Mündung der Zermagna tief ins dalmatische Festland hinein.

Morley (spr. morrlĭ), Stadt im südwestlichen Yorkshire (England), zwischen Leeds und Dewsbury, hat Fabrikation von gemischten Stoffen, Kohlengruben, Steinbrüche und (1881) 15,011 Einw.

Morley (spr. morrlĭ), 1) Henry, engl. Schriftsteller, geb. 1822 zu London, ward in Deutschland (Neuwied) erzogen und studierte im King's College zu London Medizin. 1844-48 praktizierte er in Madelny (Shropshire) als Arzt, gründete darauf zu Liscard bei Liverpool eine Schule, die er zwei Jahre lang nach einem eignen, in Dickens' "Household Words" (Nr. 200) entwickelten System mit vielem Erfolg leitete, folgte aber 1851 einem Ruf nach London, der ihm ein engeres Verhältnis zur Redaktion von "Household Words" und dem "Examiner" eröffnete. Von letzterm Blatt wurde er später Hauptredakteur. M. ist ein Meister im volkstümlichen Essay. Er veröffentlichte zuerst Gedichte: "The dream of the Lilly Bell" (1845) und "Sunrise in Italy" (1847); sodann: "A defence of ignorance" (1851); "Life of Palissy, the potter" (1852); "Life of Jérôme Cardan" (1854); "Life of Cornelius Agrippa" (1856); "Life of Clément Marot" (1870); zwei Sammlungen seiner in Zeitschriften erschienenen Essays als "Gossip" und "Memoirs of Bartholomew Fair" (1857) sowie "Journal of a London plaỷgoer", eine Sammlung dramatischer Besprechungen (1866), und zwei Bände "Fairy tales" (1859-60). Seine Hauptthätigkeit liegt jedoch auf dem Felde der englischen Litteraturgeschichte. Hierher gehören: "English writers" (1864 bis 1867, 2 Bde.); "Tables of English literature" (1870); "A first sketch of English literature" (1873, 10. Aufl. 1884); "Library of English literature" (1875-81, 5 Bde.); "English literature in the reign of Victoria" (1881); "An attempt towards a history of English literature" (1887) u. a. Außerdem hat er 1868 den "Spectator" von Steele und Addison kommentiert herausgegeben. Von 1857 bis 1865 war M. Lektor am King's College zu London; seitdem bekleidet er die Professur der englischen Litteratur am University College daselbst.

2) John, engl. Litterarhistoriker, geb. 1838 zu Blackburn in Lancashire, wurde im Cheltenham College erzogen, studierte in Oxford und wandte sich dann der Politik und Litteratur zu. Zu den sogen. philosophischen Radikalen gehörig, war er eine Zeitlang Leiter der jetzt lange eingegangenen "Literary Gazette", deren Titel nach einiger Zeit in "Parthenon" umgeändert wurde, und hatte 1867 bis Oktober 1882 die Redaktion der "Fortnightly Review" inne, durch welche er bedeutenden Einfluß auf die laufende Litteratur ausübte. Zugleich war er 1880-83 Herausgeber der "Pall Mall Gazette" und seitdem (bis 1885) von "Macmillan's Magazine". Seit 1883 Mitglied des Parlaments, gehörte er zu den vorgeschrittensten Radikalen und verteidigte 1886 als Generalsekretär für Irland im Ministerium Gladstone dessen Home Rule-Vorlage im Unterhaus, deren Haupturheber er war. Er schrieb viele, teilweise später in den "Critical miscellanies" (1871; neue Ausg. 1886, 3 Bde.) vereinigte Essays, die sich durch feine litterarische Kritik auszeichneten, und die litterarhistorisch sehr wertvollen Monographien: "Edmund Burke, a historical study" (1867), "Voltaire" (1871, 4. Aufl. 1886), "Rousseau" (1873, 2 Bde.; 2. Aufl. 1886), "Diderot and the Encyclopaedists" (1878, 2 Bde.; 3. Aufl. 1886), "Life of Richard Cobden" (1881, 2 Bde.) sowie die Schriften: "The struggle for national education" (1873) und "On compromise" (1874; deutsch: "Überzeugungstreue", Hannov. 1878). Seit 1877 erscheint unter seiner Redaktion das biographische Sammelwerk "English men of letters", für welches er selbst E. Burke, Swift u. a. bearbeitete.

Mörlin, Joachim, Vertreter der lutherischen Orthodoxie und fruchtbarer theologischer Schriftsteller, geb. 6. April 1514 zu Wittenberg, wurde 1537 daselbst Diakonus, 1540 Superintendent zu Arnstadt; dieses Amt verlor er 1543, die Superintendentur in Göttingen 1550. Aber auch seine neue Stellung als Pfarrer und Inspektor in Königsberg mußte er 1553 wegen Unfügsamkeit aufgeben. Seit 1554 Superintendent in Braunschweig, beteiligte er sich als Gegner Hardenbergs (s. d.) am kryptocalvinistischen Streit. Nach Preußen zurückberufen, verfaßte er mit Chemnitz 1567 das "Corpus doctrinae pruthenicum" und starb 23. Mai 1571 als Bischof von Samland. Vgl. Walther, Joachim M. (2 Programme, Arnstadt 1856 u. 1863).

Mormo, bei den Griechen gespenstische Frau, mit deren Erscheinung man Kindern drohte; angeblich ursprünglich Königin der Lästrygonen, welche, erbittert darüber, daß ihre Kinder starben, nun auch die andern töten will.

Mormolȳken, s. Empusa.

Mormon, Vogel, s. Larventaucher.

Mormon, Affe, s. v. w. Mandrill, s. Pavian.

Mormōnen (Latter-Day Saints, Heilige vom Jüngsten Tag), religiöse Sekte in Nordamerika, gestiftet von Joe Smith, geb. 23. Dez. 1805 zu Sharon im Staat Vermont. Nachdem sich derselbe im Staat New York in verschiedenen Berufsarten versucht, grub er 1823 auf eine Engelserscheinung hin im Hügel Cumorah bei Palmyra nach "heiligen Messingplatten", welche er unter Leitung des Engels 22. Sept. d. J. fand, aber nach dessen Bestimmung erst 22. Sept. 1827 heben durfte. Dieselben waren mit einer Schrift bedeckt, welche er nicht lesen konnte: in der Kiste lag jedoch eine Wunderbrille, Urìm und Thummim genannt, mit durchsichtigen Steinen statt Gläsern, welche den des Lesens unkundigen Smith die geheimnisvollen Zeilen zu lesen befähigte, ihm auch die Zukunft enträtselte. 1830 gab Smith die gedruckte englische Übersetzung der Platten unter dem Titel: "The book of Mormon" (deutsch, Hamb. 1851) heraus. Das Buch erzählt in einer der biblischen nachgebildeten Sprache, wie zur Zeit des Königs Zedekia von Jerusalem ein frommer Israelit, Lehi, samt seiner Familie von Palästina nach Amerika auswanderte und hier seine wunderbaren Reiseabenteuer sowie die Offenbarungen, welche ihm Gott hinsichtlich der Zukunft mitteilte, auf Messingplatten aufzeichnete. Mehrere seiner Söhne gingen wie Laman in die Wildnis und wurden die Stammväter und Häuptlinge der spätern Rothäute. Die Nachkommen seines Sohns Nephi aber waren schon mehrere Jahrhunderte vor Christus gute Christen, in deren Mitte die Priesterwürde und die Messingplatten forterbten. Dieser Familie erschien dann auch der auferstandene Christus und wählte aus ihr zwölf Apostel, die in kurzem das ganze Land zum Christentum bekehrten. Als zu Anfang des 4. Jahrh. die Kirche infolge von Spaltung und Kriegen zerfallen war, erschien Mormon (der Name wird von den M. als "mehr gut" erklärt), ein gewaltiger Kriegsheld und ein frommer Christ, und vertrieb die damals rot ge-^[folgende Seite]