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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mozart-Stiftung; Mozetta; mp; Mpongwe

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Mozart-Stiftung - Mpongwe.

letztern Fall sollte sich sein Genie glänzender bewähren als je zuvor, denn durch den Adel seiner Kunst wußte er das seichte Machwerk des Dichters aus der Sphäre des Gemeinen und Hausbackenen in die des Ideals zu erheben. Die "Zauberflöte" ist es, um mit Jahn zu reden, durch welche M. seiner Nation das Heiligtum der deutschen Kunst erschlossen hat; unmittelbar und allgemein drang diese Oper ins Volk ein, wie wohl nie vorher ein musikalisches Kunstwerk, um bis heute ihren Platz auf der deutschen Bühne zu behaupten.

Als ein Kind seiner Zeit erscheint M. auch in den meisten seiner Kirchenkompositionen. Die kraftlose Religiosität der sogen. Aufklärungsepoche einerseits, die bereits im 17. Jahrh. begonnene, zu seiner Zeit vollendete Überflutung der Kirchenmusik durch die dramatische anderseits bestimmten auch sein Schaffen auf diesem Gebiet, und wiewohl seine zahlreichen Vespern, Litaneien, Motetten, Hymnen, Kantaten und Messen, das Oratorium "La Betulia liberata", vor allem das "Requiem" von seiner tonkünstlerischen Meisterschaft vollgültiges Zeugnis ablegen, so ist ihnen doch beim Mangel eines spezifisch kirchlichen Geistes eine epochemachende Bedeutung, wie sie den Werken Bachs und Händels zukommt, nicht beizulegen. Auch auf dem Gebiet des Liedes konnte er nicht bahnbrechend wirken, weil die lyrische Dichtkunst seiner Zeit noch zu unentwickelt war, um ihm den nötigen Spielraum für seine Kunst zu gewähren; doch zeigt seine Komposition des Goetheschen "Veilchen" deutlich genug, was er als Liederkomponist geschaffen haben würde, wenn ihm ein solcher Schatz lyrischer Dichtungen zur Verfügung gewesen wäre, wie ihn einige Jahrzehnte nach seinem Tod Franz Schubert vorfand. Dagegen leistete M. wiederum das Höchste auf dem Felde der reinen Instrumentalmusik. Zwar hat er die Formen derselben, wie er sie aus den Händen Emanuel Bachs und J. Haydns empfangen, nicht wesentlich verändert oder erweitert; auch war es ihm nicht beschieden, die absolute Musik über die Sphäre des geist- und sinnvollen Tonspiels hinaus zu jener Höhe zu erheben, auf welcher sie, wie bei Beethoven, zum Ausdruck eines bestimmten dichterischen Gedankens befähigt war. Gleichwohl war die Förderung, welche die Instrumentalmusik hinsichts ihrer innern Entwickelung M. verdankt, eine so bedeutende, daß nicht nur Beethoven als sein Schüler gelten kann, sondern auch Haydn, auf dessen spätere Arbeiten die seinigen einen rückwirkenden Einfluß ausübten, wie Haydns nach Mozarts Tod komponierte Symphonien deutlich beweisen. Die Meisterschaft, mit welcher er das Orchester zum ausdrucksvollen Organ seiner künstlerischen Stimmungen machte, bewährt sich namentlich in seinen schon erwähnten drei Symphonien: Es dur, G moll und C dur, in denen er, wie R. Wagner ("Gesammelte Schriften", Bd. 3) sagt, "seinen Instrumenten den sehnsuchtsvollen Atem der menschlichen Stimme einhauchte, der sein Genius mit weit vorwaltender Liebe sich zuneigte. Den unversiegbaren Strom reicher Harmonie leitete er in das Herz der Melodie, gleichsam in rastloser Sorge, ihr, der nur von Instrumenten vorgetragenen, ersatzweise die Gefühlstiefe und Inbrunst zu geben, wie sie der natürlichen menschlichen Stimme als unerschöpflichem Quell des Ausdrucks im Innersten des Herzens zu Grunde liegt." Die gleichen Vorzüge zeigen seine Streichquartette, unter denen die sechs J. Haydn gewidmeten obenan stehen, sowie, wenn auch nur in beschränktem Maß, seine zahlreichen kleinern Orchesterwerke: Kassationen, Serenaden, Divertimenti für Saiten- und Blasinstrumente. Von unvergänglichem Wert sind endlich noch Mozarts Arbeiten für Soloinstrumente, besonders die für das Klavier. Schon im Jünglingsalter stand er als Virtuose auf drei Instrumenten, dem Klavier, der Orgel und der Violine, den größten Meistern seiner Zeit ebenbürtig da; später aber widmete er sich vorwiegend dem Klavier, und seine Lehrthätigkeit nicht minder als seine Kompositionen für dies Instrument bildeten den Ausgangspunkt für die nach seinem Tod unter der Führung seines Schülers Hummel weltberühmt gewordene Wiener Klavierschule. - Eine vollständige, kritisch durchgesehene Ausgabe der Werke Mozarts haben seit 1876 Breitkopf u. Härtel in Leipzig in Angriff genommen. Ein "Chronologisch-thematisches Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Mozarts" lieferte v. Köchel (Leipz. 1862). Mozarts Leben beschrieben Niemtschek (Prag 1798), Nissen (Leipz. 1828), Ulibischew (Mosk. 1843; deutsch, 2. Aufl., Stuttg. 1859, 4 Bde.), Holmes (Lond. 1815, neue Ausg. 1845), O. Jahn (das Hauptwerk über M., Leipz. 1856-59, 4 Bde.; 2. Aufl. 1867, 2 Bde.), Nohl (2. Aufl., das. 1877) und Meinardus (Berl. 1882). Nohl gab auch die Briefe Mozarts (2. Aufl., Leipz. 1877) und "M. nach den Schilderungen seiner Zeitgenossen" (Leipz. 1879) heraus.

Mozarts Schwester Maria Anna, geb. 30. Juli 1751, war ebenfalls ein musikalisches Talent, trat auf den Kunstreisen der Familie 1762-66 als Klaviervirtuosin auf, lebte dann bei ihrer Mutter in Salzburg und verheiratete sich 1784 mit dem Freiherrn Johann Baptist v. Sonnenberg. Nach dessen Tod (1801) kehrte sie nach Salzburg zurück, wo sie, seit 1820 erblindet, 29. Okt. 1829 starb. Mozarts ältester Sohn, Karl, geb. 1784, starb 1859 in Mailand als Steuerbeamter. Sein zweiter Sohn, Wolfgang Amadeus, geb. 26. Juli 1791 zu Wien und von Neukomm und Albrechtsberger in der Musik gebildet, trat im 14. Jahr zum erstenmal als Virtuose und Komponist auf, ging dann 1808 nach Galizien, wo er als Privatlehrer auf dem Land, seit 1823 zu Lemberg wirkte, gründete daselbst 1826 einen Cäcilienverein und übernahm später die Kapellmeisterstelle am dortigen Theater. Er starb 30. Juli 1844 in Karlsbad. Seine Kompositionen (zwei Klavierkonzerte, ein Streichquartett, Sonaten, Variationen etc.) sind nicht von Bedeutung.

Mozart-Stiftung, ein zu Frankfurt a. M. 1838 durch den Ertrag eines vom "Liederkranz" gegebenen Musikfestes gegründeter Fonds, aus welchem hoffnungsvollen Talenten Mittel zum Studium der Komposition verliehen werden; die Verwaltung bestimmt deren Lehrer. Das Stipendium, früher 400 Gulden, beträgt jetzt 1800 Mk. jährlich und wird immer auf je vier Jahre gewährt. Zu den bisherigen Stipendiaten (im ganzen elf) gehören: J. J. ^[Jean Joseph] Bott, M. Bruch, C. J. ^[Carl Joseph] Brambach, A. Krug, F. Steinbach, Paul Umlaufft etc.

Mozetta (ital.), eine im 16. Jahrh. für Bischöfe und Domherren aufgekommene Art von Humerale oder Schulterkragen mit Kapuze; s. Camail.

mp, Abkürzung für mezzopiano (s. Mezzo).

Mpongwe (s. Tafel "Afrikanische Völker", Fig. 1), ein zu den Bantu gehöriges Negervolk, am Gabun an der afrikanischen Westküste, ist seiner Angabe nach aus dem Innern an die Küste gewandert. Ihre Sprache, welche zu der westlichen Gruppe der Bantusprachen (s. Bantu) gehört, ist von amerikanischen Missionären (New York 1847) und von dem französi-^[folgende Seite]