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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Münzwissenschaft; Münzwürdigung; Münzzeichen; Muonĭo; Muōta; Mur; Murabbai; Murabet; Murad

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Münzwissenschaft - Murad.

merkwürdiger Gepräge des Mittelalters, des 16. und 17. Jahrh. Über die Geschichte und Litteratur der Münzkunde s. Numismatik. Über das gegenwärtige M. in den verschiedenen Staaten vgl. die betreffenden Länderartikel und beifolgende "Übersicht der wichtigsten Gold- u. Silbermünzen, nebst Münzen-Umrechnungstabelle". Hilfsmittel für praktische Zwecke sind ferner: Kunis, Abbildung und Beschreibung der gegenwärtig kursierenden Gold- und Silbermünzen (5. Aufl., Leipz. 1882); die Handbücher der Münz-, Maß- und Gewichtskunde von Noback (2. Aufl., das. 1877), Bleibtreu-Huber (2. Aufl., Stuttg. 1878), Schlössing (das. 1885), Klimpert (Lexikon, Berl. 1885). Vgl. auch Soetbeer, Die deutsche Münzverfassung (Erlang. 1874-75); Haupt, Histoire monétaire de notre temps (Par. 1886).

Münzwissenschaft, s. v. w. Numismatik.

Münzwürdigung, s. v. w. Valvation (s. d.).

Münzzeichen, die auf Münzen angebrachten Zeichen (Buchstaben, Figuren), welche die Münzstätte andeuten, aus welcher die Münzen hervorgegangen sind; auch die vom Münzmeister oder Stempelschneider auf der Münze angebrachten Zeichen.

Muonĭo, Fluß auf der Grenze zwischen Schweden und Rußland, bildet bei dem finnischen Ort Muonioniska den 2 km langen Katarakt Muoniokoski und mündet links in den Torneå.

Muōta, ein 26½ km langer Zufluß des Vierwaldstätter Sees in der Schweiz, entsteht aus mehreren Quellbächen der Bergwildnisse der Tödigruppe, durchfließt das wald- und alpenreiche Muotathal, aus dem er sich durch eine enge Schlucht hinauszwängt, und erreicht im Thal von Schwyz-Brunnen, nach Aufnahme der Seewern, den See. Das Muotathal wird von einem durchaus katholischen Hirtenvölklein (1885 Seelen) bewohnt und erhält durch die Passage zum Pragel, dem 1543 m hohen Paß nach dem Klönthal, in der Saison einiges Leben. Die russische Armee unter Suworow stieg 27. und 28. Sept. 1799 von Uri über den Kinzigpaß in das Thal der M., um sich im Kampf mit den Franzosen den Rückweg über den Pragelpaß zu erzwingen.

Mur, Sand, zerstückeltes Gestein; s. Murgang.

Mur, der Hauptfluß Steiermarks, entspringt am Südabhang des Radstädter Tauern, durchfließt in östlicher Richtung den salzburgischen Lungau, tritt bald nach Steiermark über und fließt, von Judenburg an flößbar, in breitem Thal nach NO. Dieser Richtung macht das jähe Knie bei Bruck, wo sie von den österreichischen Alpen her die Mürz empfängt, ein Ende; sie wendet sich nun nach S. und wird bei Graz schiffbar. Bei Ehrenhausen nötigt sie der Gebirgsriegel der Windisch-Bühel östliche, dann südöstliche Richtung einzuschlagen. Sie tritt nach Ungarn über und mündet, 438 km lang, bei Legrád in die Drau. Der Landstrich zwischen den sich langsam annähernden Flüssen heißt Murinsel. Der Fluß ist im Oberlauf sehr reißend; unter seinen zahlreichen Nebenflüssen sind rechts die Kainach, Sulm mit Laßnitz, links die Liesing und Mürz die bedeutendsten.

Murabbai, türk. Flächenmaß, = 100 QZiras oder QMeter = 1 Ar.

Murabet, s. v. w. Marabut.

Murad, Name mehrerer türk. Sultane: 1) M. I., zweiter Sohn Urchans, geb. 1319, folgte, nachdem sein älterer Bruder, Suleiman, schon vor Urchan gestorben, seinem Vater 1359 auf dem osmanischen Thron und setzte die Eroberungen seines Vaters und Bruders fort. Nach Eroberung Adrianopels und Philippopels bemächtigte er sich 1362 ganz Thrakiens und schuf diese Städte zu prächtigen Herrschersitzen um. 1365 verlegte er seine Residenz nach Adrianopel. Die Serben, Walachen und Bulgaren unterwarfen sich ihm freiwillig, und durch Besiegung des Ali-Begs von Konia 1386 brachte M. ganz Kleinasien unter seine Gewalt. Seinen Sohn Saudschi, der sich gegen ihn empört, ließ er blenden und enthaupten. Bei Kossowa, auf dem Amselfeld, schlug er im Juni 1389 die vereinigten Serben, Albanesen und Walachen, die einen Versuch wagten, die türkische Herrschaft abzuschütteln, in einer langen, blutigen Schlacht, wurde aber nach dem Sieg von einem verwundeten serbischen Edelmann, Milosch Kobilowich, erstochen und in Brussa beigesetzt. Er wurde sowohl seiner glänzenden Thaten als seiner Frömmigkeit, Gerechtigkeit und Liebe zur Bildung wegen von den Osmanen als Herr (Chudawendkiar) und Sieger (Ghazi) hoch geehrt.

2) M. II., Sohn und Nachfolger Mohammeds I., wurde von demselben zum Statthalter von Amasia ernannt und folgte seinem Vater 1421 auf dem Thron. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft hatte er mit dem Kronprätendenten Mustafa zu kämpfen, den er 1422 besiegte und hinrichten ließ. Sofort begann er die Belagerung Konstantinopels, wurde aber nach dem vergeblichen Sturm 24. Aug. durch Aufstände in Asien abberufen und begann nach deren Unterdrückung einen Krieg mit den Venezianern, denen er 1430 Thessalonich entriß. Darauf unterjochte er die Walachei und Serbien, nur Belgrad konnte er 1440 nicht erobern. Durch neue Unfälle, welche der tapfere Johann Hunyades den Osmanen zufügte, erschüttert, schloß M. 1444 mit den Christen den Frieden von Szegedin und dankte zu gunsten seines Sohns Mohammed ab, um sich nach Magnesia zurückzuziehen. Aber als die Christen den Frieden brachen und in Bulgarien einfielen, eilte er mit einem zahlreichen Heer herbei und besiegte König Wladislaw von Ungarn 10. Nov. 1444 in der glorreichen Schlacht bei Warna, in der Wladislaw fiel. 1446 eroberte er Morea. Ein Aufstand der Janitscharen und die Erhebung Georg Kastriotas (Skanderbegs) in Albanien zwangen ihn, die Herrschaft weiterzuführen. In einer dreitägigen Schlacht bei Kossowa (18.-20. Okt. 1448) besiegte er wiederum die Christen unter Hunyades, Skanderbeg konnte er aber nicht überwinden. Er starb 5. Febr. 1451 und wurde in Brussa beigesetzt.

3) M. III., Sohn Selims II., geb. 1546, bestieg 1574 nach dessen Tode den Thron und ließ sofort fünf jüngere Brüder ermorden. Er versank bald in Weichlichkeit und träumerischen Müßiggang, erschöpfte sich in den Genüssen des Harems und war nur bemüht, Schätze an Gold und Silber aufzuspeichern. Der große Perserkrieg, den er 1576 begann, endete trotz ungeheurer Opfer an Geld und Menschen 1590 mit der Erwerbung wenig wertvoller Grenzprovinzen. M. starb 1595.

4) M. IV., Sohn Achmeds, geb. 1609, wurde 1623 nach der Absetzung seines Oheims Mustafa auf den Thron erhoben. Er war ein kräftiger, in allen körperlichen Übungen geschickter, auch geistig fein gebildeter Fürst, der aber bald unter dem Übermaß sinnlicher Genüsse entartete und sich dem Laster der Trunksucht und der Grausamkeit hingab. Von 1632 bis 1637 wurden 25,000 Menschen teils durch ihn selbst, teils durch seine Henker hingerichtet. Mit dem Vermögen der Ermordeten füllte er seinen Schatz. Die unbotmäßigen Janitscharen bändigte er durch Strenge und führte mit ihnen mehrere glückliche Kriege. 1638 entriß er den Persern Eriwan, Tebriz und Bagdad wieder, züchtigte die Kosaken und legte