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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Musketiere - Musschenbroek.

setzen, welches die inzwischen stärker gewordenen Brustharnische zu durchschießen vermochte, das anfangs bei 240 m Tragweite 70, dann 50, im 17. Jahrh. 40 und später 30-40 g schwere Kugeln schoß. Wegen der Schwere der M. von 9-10 kg war der Mann zum Tragen derselben nicht nur mit einem Kissen auf der Schulter, sondern auch mit einer Musketengabel zum Auflegen beim Feuern versehen. Die damit bewaffneten Leute hießen Muketiere. Unter Karl V. waren bei jeder Fahne Landsknechte zehn derselben, die immer an der Spitze marschierten. Bald neben den Pikenieren in allen Heeren eingeführt, stieg ihre Zahl nach und nach immer mehr. Gustav Adolf erleichterte die Musketen, machte dadurch die Gabeln entbehrlich und brachte es durch häufige Übung seiner Musketiere dahin, daß sie auf Kommando in Gliedern feuern und auf der Stelle wieder laden lernten, während die deutschen Musketiere nach abgegebenem Feuer hinter die Fronte ihrer Abteilung liefen, um dort wieder zu laden. Friedrich d. Gr. hatte die Feuergeschwindigkeit zu fünf Schuß in der Minute entwickelt. Gegen Ende des 17. Jahrh. verdrängten die Füsiliere (s. d.) die Musketiere, wenigstens in Frankreich; die Benennung Musketiere ist jedoch in den meisten deutschen Armeen zur Bezeichnung der beiden ersten Bataillone der Linieninfanterieregimenter beibehalten worden.

Musketiere, s. Muskete.

Musketon (Musketonner), früher kleines Geschütz von ca. 4,5 cm Kaliber, welches Kugeln von Eisen, 330 g, oder von Blei, 400 g schwer, mit gleich schwerer Pulverladung schoß. Das Geschützrohr hatte bei 125 kg Gewicht eine Länge von 38 Kalibern, kam also dem Falkonett sehr nahe; s. Feldschlange. Auch bezeichnete man mit M. (auch Tromblon) eine Handfeuerwaffe, deren Lauf sich nach vorn trichterförmig erweiterte und mit 10-12 Laufkugeln geladen wurde. Vgl. Mousqueton.

Muskingum, schiffbarer Nebenfluß des Ohio (Nordamerika), den er nach einem Laufe von 180 km bei Marietta erreicht.

Muskogie, Indianerstamm, s. Krik.

Muskoka, See in der Provinz Ontario (Kanada), welcher durch den gleichnamigen Fluß in die Georgian Bay des Obern Sees abfließt.

Muskonisi, s. Moschonisia.

Muskovade (Moskovade), s. Zucker.

Muskovīt, s. Glimmer.

Muskulār (lat.), die Muskeln betreffend; Muskularität, Beschaffenheit und Thätigkeit der Muskeln; Muskulatur, die Gesamtheit der Muskeln eines Individuums, Muskelstärke; muskulös, muskelstark.

Muskwa, s. v. w. Baribal, s. Bär, S. 350.

Musmaschine (Rübenmusmaschine), Maschine zum Zerteilen der Futterrüben zu einer breiartigen Masse, dem Mus, um dieses, gemischt mit andern Futtermitteln, zu verfüttern. Die M., welche vor einigen Dezennien in der Konstruktion von Bentall in Heybridge (England) sehr beliebt war, ist derzeit durch die Rübenschneidmaschine, welche das Material in Streifen schneidet, nahezu verdrängt worden, da bei letzterer kein Saftverlust stattfindet.

Musomanīe (griech.), leidenschaftliche Liebe zu den Musenkünsten, namentlich zur Musik.

Musōne, 1) Fluß in Venetien, entspringt nördlich von Asolo in der Provinz Treviso und teilt sich bei Mirano in zwei Arme, von denen der eine kanalisiert oberhalb Dolo in die Brenta geleitet ist, während der andre in die venezianischen Lagunen mündet. - 2) Fluß in der ital. Provinz Macerata, entspringt bei Matelica und mündet bei Loreto, 60 km lang, in das Adriatische Meer.

Muspelheim, s. Nordische Mythologie.

Muspilli, Titel eines althochdeutschen (wahrscheinlich von einem Bayern) in allitterierenden Versen abgefaßten Gedichtfragments, das zuerst von Schmeller herausgegeben und erläutert wurde (Münch. 1832). Es enthält eine im christlichen Sinn gehaltene Darstellung des Weltuntergangs und daran geknüpfte Mahnungen zur Buße. Über die Bedeutung des Wortes M. gehen die Ansichten auseinander. Man vermutet, daß das Fragment auf die leeren Blätter und Ränder der Handschrift, in der es uns erhalten ist, eigenhändig von Ludwig dem Deutschen (gest. 876) geschrieben sei. Vgl. Vetter, Zum M. und zur altgermanischen Allitterationspoesie (Wien 1873).

Muspratt, James, Chemiker und Industrieller, geb. 12. Aug. 1793 zu Dublin, erlernte daselbst das Droguengeschäft, trat 1812 in die Armee Wellingtons in Spanien, wurde aber vom Mißgeschick verfolgt und ging zur Marine über. Nach einigen Jahren verließ er den Seedienst, associierte sich in Dublin mit Abbott, welcher seltene chemische Präparate herstellte, ging aber bald nach England und begann 1822 in Liverpool die Fabrikation von Blutlaugensalz und andern Präparaten, namentlich auch von Schwefelsäure und Soda. Hierbei hatte er so großen Erfolg, daß er sehr bald noch zwei Fabriken zu St. Helens und Newton anlegen konnte. Mit Tennant in Glasgow führte M. den Schwefelkies an Stelle des Schwefels in die Schwefelsäurefabrikation ein. 1846 gründete er auf Liebigs Anregung eine Mineraldüngerfabrik, die zwar bald wieder einging, aber den Anstoß zu der gegenwärtigen bedeutenden Kunstdüngerfabrikation gegeben hat. M. gilt als Mitbegründer der chemischen Großindustrie und namentlich als Urheber der Sodafabrikation. Seine Fabriken in Liverpool, Widnes und Flint waren Musteranstalten und dienten als Vorbild für zahlreiche andre Fabriken des In- und Auslandes. - Sein Sohn James Sheridan, geb. 8. März 1821, studierte in Gießen und München Chemie, erwarb sich durch zahlreiche Forschungen auf dem Gebiet der angewandten Chemie einen geachteten Namen und schrieb: "Dictionary of chemistry" (Glasgow 1853, 2 Bde.; deutsch, bearbeitet von Stohmann und Kerl als "Theoretische, praktische und analytische Chemie in Anwendung auf Künste und Gewerbe", 3. Aufl., Braunschw. 1873 bis 1880, 7 Bde.; 4. Aufl. 1885 ff.).

Musquafelle, s. Bisamratte.

Musquiz (Santa Rosa de M., spr. -kids), Stadt im mexikan. Staat Cohahuila, 100 km nördlich von Monclova am Rio Sabinas, mit 3500 Einw. Silber und Steinkohlen finden sich in der Nähe.

Mussaf (hebr., "Zusatz"), das an Sabbat-, Neumonds- und Festtagen zu dem Morgengebet (s. Schacharit) hinzugefügte Gebet.

Musschenbroek (spr. mössenbruk), Peter van, Physiker, geb. 14. März 1692 zu Leiden, studierte daselbst Medizin, Physik und Mathematik, begab sich dann nach London und wurde mit Newton persönlich bekannt. Nach Leiden zurückgekehrt, erhielt er die Professur der Physik und Mathematik an der Universität zu Duisburg, 1723 an der zu Utrecht, und 1739 übernahm er denselben Lehrstuhl in seiner Vaterstadt. M. starb 19. Sept. 1761 in Leiden. Seine Bemühungen trugen wesentlich mit zum Fortschritt der Naturlehre bei; besonders in der Experimentalphysik sind seine Verdienste von dauerndem Wert. Er schrieb: "Tentamina experimentorum naturalium" (Leiden 1731);