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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Napoleon

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Napoleon (N. I.: 1796-99).

Gelegenheit bot, emporzukommen. Auf Empfehlung Barras' mit dem Oberbefehl der zum Schutz des Konvents zusammengezogenen Truppen betraut, schlug er durch Kartätschenfeuer den Angriff der insurgierten Sektionen auf die Tuilerien ab, ward vom Konvent als "Retter der Versammlung, der Republik und des Vaterlandes" begrüßt, 16. Okt. zum Divisionsgeneral und Kommandeur der Armee des Innern und 23. Febr. 1796 zum Oberbefehlshaber der italienischen Armee ernannt. Nachdem er sich 9. März mit Josephine, der erheblich ältern Witwe des Generals Beauharnais, deren Gönner Barras war, vermählt hatte, übernahm er 26. März in Nizza den Befehl über das 37,000 Mann starke, kriegsmutige Heer, versprach ihm in einer schwungvollen Proklamation Ruhm und Reichtümer und begann 10. April 1796 den glänzenden Feldzug in Italien, der sein Feldherrngenie im strahlendsten Licht zeigte. Nachdem er durch die Gefechte von Millesimo (13. April) und Dego (14. April) die Österreicher und Piemontesen getrennt hatte, schlug er die letztern bei Ceva und Mondovi (20. u. 21. April) und zwang den König von Sardinien zu einem Waffenstillstand (28. April). Die Österreicher besiegte er bei Fombio, erstürmte die Brücke von Lodi (10. Mai) und zog 15. Mai unter dem enthusiastischen Jubel des Volkes, das ihn als Befreier begrüßte, in Mailand ein. Während er selbst Einfachheit und Strenge der Sitten sowie Unbestechlichkeit zur Schau trug, kettete er Soldaten und Offiziere durch Siegesruhm und Beute immer fester an sich und machte sich durch die hohen Kontributionen, die er den eroberten Ländern auflegte und nebst den wertvollsten Kunstschätzen nach Paris schickte, dem Direktorium unentbehrlich. Ende Mai brach er von neuem gegen die Österreicher auf, drängte sie hinter die Etsch zurück und belagerte Mantua; seinen Rücken sicherte er sich durch Besetzung der Romagna und einen Einfall in Toscana. Einen Angriff Wurmsers schlug er bei Castiglione (5. Aug.) und bei Bassano (8. Sept.) zurück und schloß denselben in Mantua ein, dessen Entsatz er durch die Siege bei Arcole (15.-17. Nov.) und bei Rivoli (14. Jan. 1797) vereitelte, und das sich 2. Febr. ergeben mußte. Nachdem er durch einen raschen Vorstoß in die Marken den Papst zum Frieden von Tolentino (19. Febr.) gezwungen, drang er ohne Rücksicht auf die Gefährdung seiner Rückzugslinien durch Friaul, Krain und Kärnten bis nach Steiermark vor und erzielte durch diese Kühnheit auch den Präliminarfrieden von Leoben (18. April), in welchem Österreich gegen Überlassung Venetiens die Lombardei und das linke Rheinufer abtrat, und der am 17. Okt. im Frieden von Campo Formio bestätigt wurde, nachdem N. in gewaltthätigster Weise der Republik Venedig ein Ende gemacht hatte.

Mit berechneter Bescheidenheit entzog sich N. nach seiner Rückkehr nach Paris (5. Dez.) der Neugier und den Huldigungen des Publikums. Nur im Luxembourg wurde eine Begrüßungsfeier veranstaltet, bei der Talleyrand eine schmeichlerische Rede hielt, und N. der Sitz Carnots im Institut eingeräumt. Anfang 1798 übernahm er die Leitung der Vorbereitungen zu einer Landung in England, erklärte aber bald dem Direktorium die Unausführbarkeit derselben und schlug die abenteuerliche Unternehmung nach Ägypten (s. Ägyptische Expedition) vor, zu der das Direktorium auch seine Zustimmung gab, um den allzu mächtigen General zu entfernen. Unruhiger Ehrgeiz und Thätigkeitstrieb, die Hoffnung, auf dem morschen Boden des Orients rasch leichte und glänzende Erfolge zu erzielen, welche die Phantasie der Franzosen erregten und seine Popularität vermehrten, endlich nicht am wenigsten die Berechnung, daß Frankreich und seine Regierung durch Unglücksfälle in neuen Kriegen während seiner Abwesenheit seine Unentbehrlichkeit erkennen und ihn als den Retter und Befreier zurückrufen würden, das waren wohl Napoleons Beweggründe, während die Vernichtung der englischen Macht in Indien und der Sturz der Türkei seinem Geist wohl vorschweben mochten, die Verwirklichung dieser gigantischen Pläne aber noch nicht schärfer ins Auge gefaßt war. Am 19. Mai 1798 verließ N. mit der Expedition Toulon, bemächtigte sich durch einen Handstreich Maltas und landete 30. Juni in Alexandra. Nachdem er 6. Juli die Mamelucken bei den Pyramiden von Gizeh geschlagen, hielt er 25. Juli seinen Einzug in Kairo. Da die Vernichtung der französischen Flotte bei Abukir (1. Aug.) ihn von Europa abschnitt, und er Angriffe der Türken gewärtigen mußte, beschloß er im Februar 1799, ihnen durch einen Einfall in Syrien zuvorzukommen, und drang bis Akka (St.-Jean d'Acre) vor, sah sich aber, da 14 Stürme auf Akka von den Engländern und Türken abgeschlagen wurden und die Pest in seinem Heer wütete, genötigt, im Mai den Rückzug anzutreten. In Ägypten warf er 25. Juli bei Abukir ein türkisches Landungsheer zurück, dann aber ließ er, von den Unfällen der Franzosen in Italien und am Rhein und von der unsichere Stellung des Direktoriums unterrichtet, sein Heer im Stiche und schiffte sich mit seinen vertrautesten Offizieren 22. Aug. auf zwei Fregatten heimlich ein. Unbemerkt von den Engländern, gelangte er nach Frankreich und landete 9. Okt. 1799 in Fréjus.

Das französische Volk begrüßte ihn als Retter des in Auflösung begriffenen Staats. Seine Reise nach Paris, wo er 16. Okt. eintraf, glich dem Einzug eines lang ersehnten Herrschers in sein Reich. Das Direktorium wagte nicht, ihn wegen seiner eigenmächtigen Rückkehr zur Rede zu stellen. N. war entschlossen, sich der Gewalt zu bemächtigen; "das Volk will und braucht einen Herrn", äußerte er zu seinen Vertrauten. Sofort begannen die Verschwornen, zu denen außer Napoleons Brüdern, Joseph und Lucian, Sieyès, Talleyrand und Fouché sowie die meisten Generale gehörten, die Vorbereitungen zum Umsturz der Direktorialregierung, der am 18. Brumaire (9. Nov.) erfolgen sollte. An diesem Tag wurde von dem zum Teil eingeweihten Rate der Alten der Rat der Fünfhundert nach St.-Cloud verlegt und N. mit dem Oberbefehl über die Truppen der Hauptstadt beauftragt. Barras ward von Talleyrand zum Verzicht bewogen, die beiden Direktoren Moulins und Gohier von Moreau gefangen gehalten. Am 19. Brumaire (10. Nov.) rückte. N. mit 8000 Mann nach St.-Cloud, besetzte die Zugänge zum Sitzungssaal der Fünfhundert, trat selbst in denselben und hielt eine verworrene Rede, in der er von einem großen Komplott der Parteien redete und die höchste Gewalt für sich forderte, die aber wirkungslos blieb. Er verließ den Saal und erschien wieder mit einigen Grenadieren. Nun aber erhob sich ein großer Tumult: die Deputierten umringten N., überhäuften ihn mit Schmähungen und schüttelten ihn am Kragen, so daß er fassungslos und fast ohnmächtig von den Grenadieren aus dem Saal geschleppt werden mußte. Der Staatsstreich wäre gescheitert ohne die Entschlossenheit Lucian Bonapartes, der Präsident der Fünfhundert war. Statt, wie die Versammlung forderte, die Acht über N. aussprechen zu lassen, rief er von neuem die Truppen herbei, ließ die Deputierten mit