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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nationalvermögen - Natriumaluminat.

Nationalvermögen, s. v. w. Volksvermögen, s. Vermögen.

Nationalversammlung, Bezeichnung mehrerer aus Volksbewegungen hervorgegangen und vollständige politische Umgestaltungen erstrebender parlamentarischer Körperschaften. Die namhaftesten sind: die französischen Nationalversammlungen, die konstituierende (1789-91) und die gesetzgebende (1791-92), die von 1848 und 1871-76 nach dem Sturz des zweiten Kaiserreichs (s. Frankreich, S. 554 ff.), die deutsche N. zu Frankfurt a. M. 1848-49 (s. Deutschland, S. 889 ff.) und die preußische N. von 1848 (s. Preußen, Geschichte). Die gegenwärtig französische Verfassung versteht unter N. (Assemblée nationale) die zeitweise Vereinigung von Senat und Deputiertenkammer zu einer gemeinsamen Versammlung (s. Frankreich, S. 531).

Nationalwerkstätten, s. Ateliers nationaux.

Nation of shopkeepers (engl., spr. nehsch'n ŏw schópp-kihpers), Krämervolk, bisweilen als geringschätzige Bezeichnung für die Engländer gebraucht.

Natīv (lat.), angeboren; natürlich.

Natives (engl., spr. nehtĭws, "Eingeborne", Native American Party), Name einer politischen Partei in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, welche sich um 1835 zur Verteidigung der Vorrechte der Eingebornen den Eingewanderten gegenüber gebildet hatte und namentlich Verlängerung der zur Naturalisierung erforderlichen Zeit des Aufenthalt von 7 auf 21 Jahre beantragte. Aus den N. gingen 1854 die den Eingewanderten noch feindlichen Knownothings (s. d.) hervor. - Im Handel heißen N. zuweilen Austern, die nicht in sogen. Parken etc. gezüchtet wurden; auch eine Sorte der englischen Austern.

Nativismus (neulat.), Natürlichkeit, Denk- und Handlungsweise eines Menschen oder Volkes, welches durch keine Erziehung oder Bildung geändert ist; in der Politik die Ansicht, wonach allen Eingebornen der Vorzug gebührt, besonders das Prinzip der "Natives" (s. d.).

Nativistisch (neulat., "angeboren") heißt in der Psychologie diejenige Theorie, welche die Raum- und Zeitanschauung (mit Kant) als eine dem wahrnehmenden Subjekt eigentümliche Anschauungsform ansieht, im Gegensatz zu der empirischen, welche sie (mit Locke u. Herbart) für erworben, d. h. allmählich infolge des psychischen Mechanismus entstanden, hält.

Nativität (lat.), Geburt, Geburtsstunde; in der Statistik s. v. w. Geburtsziffer (s. Bevölkerung, S. 854). Früher nannte man N. insbesondere das angeblich durch den Stand der Gestirne zur Geburtszeit eines Menschen bedingte Geburtsverhängnis; daher einem die N. stellen, s. v. w. jemandes Schicksale aus dem Stande der Gestirne zur Zeit seiner Geburt vorhersagen. Vgl. Horoskop und Astrologie.

Natolĭen (türk. Anadoly, "Morgenland"), s. v. w. Kleinasien, besonders dessen westliche Hälfte.

Natrĭum (Sodium) Na, Alkalimetall, findet sich nicht im freien Zustand in der Natur, aber weitverbreitet in zahlreichen Verbindungen. N. ist das Metall aller Natronsalze (s. d.), von denen sich Chlornatrium als Steinsalz, salpetersaures Natron als Chilisalpeter, kohlensaures Natron als Urao und Trona, borsaures Natron als Borax, schwefelsaures Natron als Glauberit, Fluornatrium im Kryolith, kieselsaures Natron im Nephelin, Sodalith, Andesin, Albit, Labradorit etc. findet. Geringe Mengen oder Spuren von Natronsalzen fehlen kaum in irgend einem Mineral. Ebenso enthält jede Ackererde und jedes Gewässer Natronsalze, und manche Quellen und das Meerwasser sind sehr reich daran. Auch im Pflanzenreich ist N. sehr verbreitet, in den Landpflanzen aber treten Natriumverbindungen gegen Kaliumverbindungen zurück. Strandpflanzen und Seegewächse sind reich an N. Im tierischen Organismus sind Natriumverbindungen allgemein verbreitet, am reichlichsten im Blutserum, während Kalium in den Blutkörperchen auftritt. Zur Darstellung von N. erhitzt man ein inniges. Gemisch von kohlensaurem Natron mit Kohle und Kreide in einem Destillationsapparat auf Weißglut. Dabei entzieht die Kohle der Kohlensäure und dem Natron Sauerstoff, und es entweichen Kohlenoxyd und Natriumdämpfe, welch letztere in einer platten, kastenartigen Vorlage verdichtet werden. Aus dieser tropft das N. in ein mit Steinöl gefülltes Gefäß. Man erhält nur 0,33 Proz. der theoretischen Ausbeute. Das N. kann in einem trocknen Gefäß aufbewahrt werden, da eine sich alsbald bildende Oxydschicht die weitere Oxydation verhindert. Besser überzieht man das N. mit Paraffin, und kleinere Quantitäten bewahrt man in Erdöl auf. Das N. ist bei gewöhnlicher Temperatur knetbar wie Wachs, in der Kälte spröde, schmilzt bei 95,6°, gibt bei Rotglut farblosen Dampf, spez. Gew. 0,972, Atomgewicht 22,99. Es ist auf frischer Schnittfläche silberweiß, läuft aber an der Luft sofort an, indem sich Natriumhydroxyd bildet. Es besitzt eine sehr große Neigung, sich mit andern Elementen zu verbinden, steht darin aber doch dem Kalium nach. Wie dieses, rotiert es auf Wasser, indem es dieses zersetzt und sich mit dem Sauerstoff desselben verbindet; aber der dabei frei werdende Wasserstoff entzündet sich nur, wenn das Wasser erwärmt ist oder das Metall an einer Stelle festgehalten wird. Beim Erhitzen an der Luft verbrennt es mit gelber Flamme. Seine Verbindungen sind denen des Kaliums analog und so ähnlich, daß sie in vielen Fällen dieselben vertreten können. Es ist einwertig und bildet mit Sauerstoff zwei Oxyde, von welchen das Natriumoxyd (Natron) Na2O ^[Na_{2}O] weitaus am wichtigsten ist. Mit Kalium bildet es eine bei gewöhnlicher Temperatur flüssige Legierung, die wie Quecksilber aussieht. Es dient zur Gewinnung von Aluminium, Magnesium, Silicium und andern Metallen, von reinem Natriumhydroxyd und vielen chemischen Präparaten und ist als Sprengmittel empfohlen worden, wobei der in Berührung mit Wasser sich entwickelte Wasserstoff die Sprengwirkung ausüben soll. Bei der Goldgewinnung mittels Quecksilbers setzt man zu letzterm N. zu, um die Amalgamierung des Goldes zu befördern. N. wurde zuerst 1807 von Davy dargestellt. Die jetzige Gewinnungsmethode rührt von Brunner her. Durch die Aluminium- und Magnesiumindustrie hat N. technische Wichtigkeit erlangt und wird daher im großen Maßstab dargestellt.

Natrĭum, Natrium; N. (Natron) aceticum, essigsaures Natron; N. (Natron) benzoicum, benzoesaures Natron; N. (Natron) bicarbonicum, saures oder doppeltkohlensaures Natron; N. bromatum, Bromnatrium; N. (Natron) carbonicum, kohlensaures Natron; N. (Natron) carbonicum crudum, Soda; N. (Natron) carbonicum siccum, verwittertes kohlensaures Natron; N. chloratum, Natriumchlorid, Kochsalz; N. jodatum, Natriumjodid; N. (Natron) nitricum, salpetersaures Natron; N. (Natron) phosphoricum, phosphorsaures Natron; N. (Natron) salicylicum, salicylsaures Natron; N. (Natron) sulfuricum, schwefelsaures Natron, Glaubersalz; N. (Natron) sulfuricum siccum, verwittertes schwefelsaures Natron.

Natriumalumināt, s. Aluminiumhydroxyd.