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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nikodemus; Nikolai; Nikolaiken; Nikolaistad; Nikolaiten; Nikolaithal; Nikolajew

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Nikodemus - Nikolajew.

nische Flagge 1846 auf Kamorta geheißt, 1856 aber die Inselgruppe endgültig aufgegeben. England nahm 1869 Besitz von ihr, und die N. bildeten fortan mit den Andamanen einen Verwaltungsbezirk. Die einzige englische Niederlassung ist der Hafen Nankauri auf Kamorta mit 312 Einw. (235 Sträflingen, 50 Soldaten, 27 Polizisten). Eine Beschreibung der Inselgruppe gab Scherzer im Reisewerk der Novara-Expedition. Vgl. Rink, Die nikobarischen Inseln (Kopenhagen 1847); Maurer, Die N. (Berl. 1867).

Nikodemus, eine lediglich dem Johanneischen Evangelium angehörige, ungefähr dem synoptischen Joseph von Arimathia (s. Joseph 3 [S. 266]) entsprechende Persönlichkeit, welchem auch eine apokryphische Schrift ("Evangelium Nicodemi") zugeschrieben wird, die aber unter diesem Titel erst etwa 1000 Jahre alt ist und in zwei ältere Elemente zerfällt: die "Acta Pilati" (s. d.) und den "Descensus ad inferos" (s. d.).

Nikolai, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Pleß, an der Linie Nendza-Kattowitz der Preußischen Staatsbahn, 308 m ü. M., hat eine evangelische und 2 kathol. Kirchen, eine Synagoge, eine höhere Knabenschule, ein Amtsgericht, ein Bergrevier, eine Maschinen- und Dampfkesselfabrik, Eisengießerei, Papier- und Blechlöffelfabrikation, eine chemische Fabrik, Dampfmahl- und Sägemühlen und (1885) 5741 meist kath. Einwohner. In der Nähe Steinkohlengruben, Kalk- und Sandsteinbrüche und Kalköfen.

Nikolaiken, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, Kreis Sensburg, am Tatter Wasser, einem Arm des Spirdingsees, 120 m ü. M., hat ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Fischerei und Fischhandel (Maränen), bedeutende Holzausfuhr und (1885) 2289 meist evang. Einwohner.

Nikolaistad (Wasa), Hauptstadt des finnländ. Gouvernements Wasa, am Bottnischen Meerbusen und an der Eisenbahn Tammerfors-N., mit Hafen, Schiffswerfte, Handel mit Waldprodukten und (1885) 7888 Einw. N. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Es wurde an der Stelle der 1611 vom König Karl IX. von Schweden gegründeten und 1852 niedergebrannten Stadt Wasa erbaut und erhielt zu Ehren des Kaisers Nikolaus I. den Namen N.

Nikolaiten, in der Offenbarung Johannis (Kap. 2, 6 u. 15) Name der Heidenchristen in Pergamon, welche nicht bloß die für sie verbindliche Speisegesetze, sondern auch das Verbot der Unzucht (Apostelgesch. 15) mißachteten; in der alten Kirche eine Partei des antinomistischen Gnostizismus; im Mittelalter Priester, welche nach Einführung des Cölibatgesetzes durch Gregor VII. sich nicht von ihren Weibern trennen mochten oder überhaupt in Fleischessünden verfielen. Außerdem führte auch die Sekte der Familisten (s. d.) den Namen N.

Nikolaithal, s. Visp.

Nikolajew, Kriegshafen und Handelsplatz im russ. Gouvernement Cherson, liegt auf einer von den Flüssen Bug und Ingul, die sich hier vereinigen, gebildeten Halbinsel, 40 km nördlich von der Mündung des erstern in das Schwarze Meer, an der Eisenbahn Jelissawetgrad-N. und besteht aus vier Bezirken, die mit sechs mehrere Kilometer von der eigentlichen Stadt entfernten Vororten zu einem kreisunmittelbaren Militärgouvernement vereinigt sind. Der Odessaer und Moskauer Bezirk enthalten die öffentlichen Gebäude, Laden, Niederlagen und Kontore und bilden so die eigentliche Stadt, während die andern Teile, der erste und zweite Admiralitätsbezirk sowie die Vororte vollkommen Dörfern gleichen und deshalb auch "Slobodki" heißen. Die Stadt hat breite, rechtwinkelig sich kreuzende Straßen, die stellenweise mit Baumreihen versehen, jedoch ohne jede Pflasterung sind. Die schönste Straße und zugleich Promenade ist der Boulevard am Ufer des Ingul. Sehenswert ist das Denkmal des Admirals Greigh, welches auf originelle Weise mit Kanonen und Mörsern, Ankern u. dgl. geschmückt ist. Dem Gottesdienst sind gewidmet: 11 orthodoxe, eine katholische, eine luther. Kirche, eine jüdische und eine karaitische Synagoge nebst mehreren jüdischen Betsälen und eine tatarische Moschee. Von öffentlichen Gebäuden sind erwähnenswert: die Amtsgebäude der Flotten- und der Stadtverwaltung, das Kommandanturgebäude, das Haus der Flottenkapitäne (der sogen. Moldavski Dom), das Artilleriearsenal, die ausgedehnte Feuerwerkerei. Auch mehrere Kranken- und Waisenhäuser sowie eine Invalidenkolonie sind vorhanden. Die Einwohnerzahl von N. beträgt (1882) 66,335 (darunter viele Deutsche, Juden, Karaiten und Tataren), die der Vororte zusammen etwa 70,000. Seit Gründung Nikolajews befinden sich hier ausgedehnte Werften für den Bau von Kriegs- und Handelsschiffen (mit sehenswertem schwimmenden Dock); infolgedessen richtete sich auch die gewerbliche Thätigkeit vorzugsweise auf die Herstellung von Schiffsbedarf; daneben sind noch Bierbrauerei und Mehlproduktion zu erwähnen. N. besitzt drei Häfen: den Kriegshafen am Ingul nördlich der Stadt, den Hafen der Russischen Dampfschiffahrtsgesellschaft am Bug und (seit 1863) den Handelshafen südlich der Stadt an der sogen. Popowaja Balka. Die Ausfuhr seewärts ist im Wachsen und betrug 1886: 12 Mill. Rubel. Hauptausfuhrartikel ist Getreide aus den südlichen Gouvernements (1885: 3¼ Mill. metr. Ztr., meist nach England, Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden). N. steht in regelmäßiger Dampferverbindung mit Odessa, Cherson, den Häfen des Bug sowie mehreren englischen, holländischen und belgischen Seeplätzen. Die Einfuhr ist unbedeutend (1886: 1½ Mill. Rub.), da Odessa seinen Rang als Stapelplatz für ganz Südrußland behauptet. Die Anzahl der angekommenen Schiffe betrug 1886 im Seeverkehr 199 mit 199,958 Ton., im Küstenverkehr 633 mit 108,998 T.; die der abgegangenen im Seeverkehr 198 mit 199,552 T., im Küstenverkehr 418 mit 90,184 T. Von kommerziellen Anstalten sind die Städtische Bank, die Filiale der Staatsbank, die Kommerzbank und mehrere andre Kredit-, Versicherungs- und Transportanstalten zu nennen. An Bildungsanstalten bestehen: 2 Gymnasien (eins für Mädchen), ein Realgymnasium, eine Kreisschule mit pädagogischem Kursus zur Ausbildung von Lehrern, 2 Schulen für Kinder niederer Seebeamten, eine Hafenhandwerkerschule etc.; ferner eine Sternwarte, eine Naturaliensammlung, 2 Theater u. a. N. ist Sitz des Hauptkommandierenden der Schwarzemeerflotte, welcher zugleich Militärgouverneur ist, sämtlicher Flottenverwaltungs-, Hafen- und Werftbehörden, eines Hafenzollamts, eines Seemilitärgerichts, der Direktion der Leuchttürme am Schwarzen und Asowschen Meer, mehrerer Gerichtsbehörde sowie der Konsuln vieler fremder Staaten (darunter auch eines deutschen Konsuls). N. wurde 1789 von dem Fürsten Potemkin als Admiralitätsstadt für die Schwarzemeerflotte gegründet und in der Folge stark befestigt. Die jetzigen Befestigungen bestehen aus einer 7 km unterhalb der Mündung des Ingul mitten in dem hier über 2½ km breiten Bug erbauten Batterie und einer Reihe von Batterien und Redouten an beiden Flußufern.