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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ninove; Nio; Nīobe; Nīobe-Essenz; Niobīt; Niobĭum; Niobrara; Niort; Nipa

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Ninove - Nipa.

Herrscher, Ariäos, eroberte zuerst Babylonien, machte sich den König von Armenien unterwürfig, besiegte dann die Meder und unterwarf in 17 Jahren alle übrigen Völker Asiens außer den Indern und Baktrern. Mit 2 Mill. Soldaten zog er darauf gegen Baktrien, schlug den König dieses Reichs, Oxyartes, und eroberte das platte Land und mehrere Städte, belagerte aber die Hauptstadt Baktra lange vergebens, bis er sich durch den klugen Rat der Semiramis, der Gemahlin eines seiner Statthalter, Onnes, dieselbe unterwarf. Semiramis, die darauf seine Gemahlin ward, gebar ihm den Ninyas und wurde von dem sterbenden N. zur Regentin bestellt. Ktesias setzt des N. Regierungszeit zwischen 2200 und 2100 v. Chr., doch hat nie ein N. über Assyrien geherrscht. Der Bericht des Ktesias ist eine spätere medisch-persische Sage und der Name N. dem der Hauptstadt Assyriens, Ninua oder Ninive, entnommen. Vgl. Assyrien.

Ninove, Stadt in der belg. Provinz Ostflandern, Arrondissement Alost, an der Dender und der Eisenbahn Denderleeuw-Ath, hat Zwirn-, Spitzen-, Leinwand-, Kattun-, Hut- und Seifenfabrikation, eine höhere Knabenschule und (1887) 6655 Einw. Von der ehemaligen Prämonstratenserabtei ist nur noch die Kirche erhalten.

Nio, Insel, s. Ios (Bd. 8, S. 1017).

Nīobe, im griech. Mythus die Tochter des Tantalos und Schwester des Pelops, war die Gemahlin des thebanischen Königs Amphion, dem sie viele Söhne und Tochter gebar. Stolz auf ihre zahlreiche Nachkommenschaft, vermaß sie sich, der Leto (Latona) sich gleichzustellen, welche nur zwei Kinder, Apollon und Artemis, geboren hatte, und hinderte das Volk an der Verehrung dieser Gottheiten. Zur Strafe dieser Überhebung streckten Apollon und Artemis an Einem Tag die sämtlichen Kinder der N. nieder. Die Eltern vermochten den Jammer nicht zu überleben; Amphion tötete sich selbst, und N., welche der ungeheure Schmerz erstarren gemacht hatte, wurde von den Göttern in Stein verwandelt und nach ihrer alten phrygischen Heimat am Berg Sipylos zurückversetzt; aber auch der Stein hörte nicht auf, Thränen zu vergießen. Später ward die Sage mannigfach verändert und erweitert. Der hochtragische Stoff ward von den Meistern der dramatischen wie der bildenden Kunst vielfach behandelt. Von den Tragödien des Äschylos und Sophokles sind nur noch Fragmente übrig; dagegen besitzen wir an der auf dem Esquilin 1583 ausgegrabenen, jetzt in den Uffizien zu Florenz stehenden Gruppe der N. und ihrer Kinder eins der herrlichen Werke der alten Plastik, wenn auch nur in geringer Nachbildung aus römischer Zeit (s. Tafel "Bildhauerkunst II", Fig. 7). Von dem griechischen Original, das Plinius im Tempel des Apollo Sosianus zu Rom aufgestellt sah, wußte man aber damals schon nicht mehr zu sagen, ob Praxiteles oder Skopas der Urheber sei. Den Mittelpunkt der Gruppe bildet die erhabene und edle Gestalt der N. selbst mit der zu ihren Füßen hingestürzten, ihr Haupt im Schoß der Mutter bergenden Tochter. Ihre Kinder fliehen von beiden Seiten her, teils schon getroffen, teils sich entsetzt umschauend nach den schwirrenden Todesgeschossen, der Mutter zu. Die vorzügliche Einzelkopie einer Tochter aus der Gruppe, jetzt im Museo Chiaramonti des Vatikans befindlich, gibt von der Schönheit des Originals die beste Anschauung. Einzelne Reliefs und Wandbilder wiederholen denselben Gegenstand; Terrakottafiguren flüchtender Niobiden haben sich in der Krim gefunden. N. ist wahrscheinlich ursprünglich nur eine besondere Form der Erdgöttin, deren Sprößlinge von den versengenden Pfeilen des Sonnengottes dahingestreckt werden. Vgl. Welcker, Über die Gruppierung der N. und ihrer Kinder (Bonn 1836); Stark, N. und die Niobiden (Leipz. 1863); Friederichs, Praxiteles und die Niobegruppe (das. 1865); Gensichen, De Niobidarum compositione (Berl. 1869); Mayerhofer, Die Florentiner Niobegruppe (Bamb. 1881); Heydemann, Analekten zu den Kunstdarstellungen der N. (Leipz. 1883).

Nīobe-Essenz, Parfüm, besteht aus rohem Benzoesäuremethyläther; s. Benzoesäure.

Niobīt, s. Columbit.

Niobĭum Nb, Metall, findet sich häufig in Begleitung von Tantal in den Columbiten und Tantaliten und gehört zu den seltensten Elementen. Es ist noch nicht rein dargestellt worden, Atomgewicht 114,2; die wichtigste Sauerstoffverbindung ist das farblose Niobsäureanhydrid Nb2O5^[Nb_{2}O_{5}].

Niobrara, Nebenfluß des Missouri in Nordamerika, entspringt beim Rawhide Peak in Wyoming, bricht sich durch einen von 180 m hohen Felswänden eingeschlossenen Canon eine Bahn, kreuzt die Prärien und vereinigt sich nach einem Laufe von 620 km beim Ort N. mit dem Missouri.

Niort (spr. -ōr), Hauptstadt des franz. Departements Deux-Sèvres, an der hier schiffbaren Sèvre Niortaise, Knotenpunkt der Eisenbahnlinien zwischen Poitiers, Angers, Nantes, Rochefort und Bordeaux, hat an bemerkenswerten Gebäuden: die Kirchen Notre Dame (15. Jahrh.) und St.-André, den protestantischen Tempel, die Reste des alten Schlosses (gegenwärtig Gefängnis), das Stadthaus (1520-30 erbaut), die Präfektur, das Hôtel de Candie (Geburtsstätte der Marquise von Maintenon). Im schönen Jardin public befinden sich die hydraulischen Werke, welche das Wasser aus den Quellen des Vivier in die Stadt leiten. Die Zahl der Einwohner beträgt (1886) 19,749. Berühmt sind die Baumschulen und Gemüsegärten von N. Die Industrie umfaßt bedeutende Gerbereien, Fabrikation von Handschuhen (1100 Arbeiter), Schuhmacherwaren, Bürsten, Hüten, Säcken, Leim, Raps- und Leinöl. Die hauptsächlichsten Gegenstände des Handels sind: Leder und Lederwaren, Felle und Häute, Wolle, Wein, Branntwein, Getreide und Gemüse; auch bildet die Stadt ein wichtiges Entrepot für Faßholz. N. ist Sitz des Präfekten, eines Gerichts- und Assisenhofs, eines Handelsgerichts, einer Gewerbekammer, einer Filiale der Bank von Frankreich sowie eines protestantisch-reformierten Konsistoriums. Von Unterrichts- und Bildungsanstalten besitzt N. ein Lyceum, eine Zeichenschule, eine Bibliothek (30,000 Bände), ein Museum (enthaltend Gemälde, Antiquitäten und eine bedeutende geologische Sammlung) und mehrere wissenschaftliche Gesellschaften. N. gehörte zum Gebiet der Grafen von Poitiers, ward aber schon 1224 von König Ludwig VIII. von Frankreich in Besitz genommen. Vgl. Favre, Histoire de la ville de N. (Niort 1880).

Nipa Thunb. (Nipapalme), Gattung aus der Familie der Palmen, mit der einzigen Art N. fruticans Thunb., in Ostindien und in den Salzsümpfen der Philippinen, Karolinen und auf andern Südseeinseln am Strand, wo die Früchte oft im Meer herumgetrieben werden und dann, an den morastigen Strand geworfen, keimen. Diese stammlose Palme hat bis über 6 m lange, gefiederte Blätter, monözische Blüten und einsamige Früchte, in kopfgroßen Häuptern zusammenstehend. Aus den starken Blättern macht man Schirme, Hüte, Matten, auch Dächer.