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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nürnberg

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Nürnberg (Gebäude, Einwohner, Industrie und Handel etc.).

Gottesdienst eingerichtet und als St. Elisabethkirche 1885 eingeweiht worden. Die Synagoge wurde 1869 bis 1874 von Baurat Wolf erbaut.

Unter den weltlichen Gebäuden nimmt das alte Kaiserschloß, die Burg genannt, den ersten Rang ein. Dieselbe wurde wahrscheinlich schon unter Kaiser Konrad II. erbaut und erhielt unter Friedrich Barbarossa ihre jetzige Gestalt. Bemerkenswerte Teile dieses Baues sind der sogen. Heidenturm, 2 Kapellen übereinander (Margareten- und Ottmars- oder Kaiserkapelle) und die 1854-56 geschmackvoll eingerichteten Gemächer der königlichen Familie mit trefflichen Holzschnitzereien von Veit Stoß, Gemälden von L. Cranach, Burgkmaier, H. Schäuffelin u. a. Der große Lindenbaum im innern Burghof soll 800 Jahre alt sein. Das Schloß der Burggrafen, welches sich nahe der Kaiserburg befand, besteht nicht mehr. Es wurde 1420 niedergebrannt und an seiner Stelle von der Stadt ein Kornhaus, die sogen. Kaiserstallung, erbaut, welches zwischen dem fünfeckigen Turm, dem ältesten Gebäude der Stadt, und dem "Luginsland" liegt und militärischen Zwecken diente. Das Rathaus, 1616-1622 in italienischem Stil erbaut, hat eine 89 m lange Fassade von 2 Stockwerken, 3 große Portale, im Hof einen schönen bronzenen Brunnen von Pankraz Labenwolf und mehrere Säle, worunter der sogen. große, durch zwei Stockwerke gehende, mit Wandgemälden nach A. Dürers Entwürfen geschmückte Saal. Der nordöstliche Teil des Rathauses wurde in neuester Zeit nach den Plänen des Direktors Essenwein umgebaut, wobei besonders der schöne gotische Hof und der gegen den Fünferplatz gelegene Turm bemerkenswert sind. Außerdem sind zu erwähnen: das Theater (1827-33 erbaut), das große Heilige-Geisthospital (wovon ein Teil auf zwei Bogen über der Pegnitz erbaut), das 1845 erbaute große städtische Krankenhaus vor dem Frauenthor, das Gebäude der Museumsgesellschaft, das königliche Bahnhofsgebäude. Von den ältern Privatgebäuden sind zu bemerken: das Nassauer Haus (Schüsselfeldersches Stiftungshaus) von 1350 mit dem Brunnenstandbild König Adolfs von Nassau; das Grundherrsche Haus, worin 1356 die Goldene Bulle zum Teil abgefaßt wurde; das Tuchersche Haus, das Haus Albrecht Dürers und gegenüber das sogen. Pilatushaus; das Haus des Dichters Hans Sachs und das des Volksdichters Grübel; das Pfarreigebäude von St. Sebald, mit gotischem Erker (einst Wohnung Melchior Pfintzings, des Verfassers des "Theuerdank"); das Pellersche Haus, 1605 in venezianischem Stil erbaut, und das Petersensche (ehemals Topplersche) Haus, das Kraftsche Haus, das höchst bemerkenswerte Ruprechtsche Haus, das Herdegensche Haus u. a.; unter den neuern: das Bankgebäude, der Lorenzer Pfarrhof, der Justizpalast, das Bergauschlößchen u. a. m. Unter den öffentlichen Denkmälern sind hervorzuheben: der sogen. "schöne Brunnen" am Markt, eine äußerst zierlich gearbeitete, figurenreiche, 19,5 m hohe, aus drei Abteilungen bestehende Steinspitzsäule (1385-96 unter dem Stadtbaumeister Friedr. Pfintzing vom Meister Heinrich dem "Balier" erbaut und zuletzt 1822-24 restauriert); der zierliche, unter dem Namen des "Gänsemännchens" bekannte eherne Brunnen hinter der Frauenkirche (von Pankr. Labenwolf); das Standbild A. Dürers auf dem gleichnamigen Platz (von Rauch entworfen und von Burgschmiet gegossen); das des Meistersängers Hans Sachs auf dem Spitalplatz (von Kraußer modelliert und von Lenz gegossen); das Steindenkmal Melanchthons auf dem Platz vor dem Gymnasium; das 1876 errichtete Kriegerdenkmal (Viktoria) in der Adlerstraße (nach Wanderers Entwurf) und der 1881 nach Wanderers Entwurf errichtete Grübelsbrunnen mit der Statuette des Volksdichters Grübel. Die "sieben Stationen" sind sieben vom Pilatushaus bis zum Johanniskirchhof aufgestellte steinerne Säulen mit Reliefs aus der Leidensgeschichte Jesu von A. Krafft. Der St. Johanniskirchhof, 1 km vor der Stadt, enthält die Grabmäler A. Dürers, Veit Stoß', Sandrarts, Wilibald Pirkheimers, Lazarus Spenglers, des Volksdichters Grübel etc., der Kirchhof zu St. Rochus das Grabmal Peter Vischers. Die Einwohnerzahl, 1818 erst 26,854, betrug 1885: 115,980 Seelen mit Einschluß der Garnison (darunter 24,213 Katholiken und 3738 Juden). Die Garnison besteht aus dem Stab der 3. Division, der 6. Infanterie- und 3. Kavalleriebrigade, dem 14. Infanterieregiment, 1. Chevaulegers-Regiment und 1 Batterie Artillerie.

Der Kunstfleiß und die Gewerb- und Fabrikthätigkeit Nürnbergs sind weltberühmt und liefern die unter dem Namen "Nürnberger Waren" bekannten Spielzeuge, Kurzwaren, Messing- und Stahlwaren, Uhren, Bleistifte (diese, außer mehreren Fabriken in N. selbst, namentlich die seit 1761 bestehende Fabersche Fabrik in dem nahen Ort Stein), Blattgold, chemische Produkte, Farben (namentlich die große Ultramarinfabrik von Zeltner), Pinsel, Bürsten, Nachtlichte, Siegellack, Honig- und Lebkuchen, Tabak und Zigarren, Spielkarten, Zündhütchen, Haken u. Ösen, Filzschuhe, Maschinen, Eisenbahnwagen, Erzguß, elektrische Fabrikate und Fernsprecher; ferner hat N. mehrere Schriftgießereien, zahlreiche Buchdruckereien, Buch- und Kunsthandlungen, Bierbrauereien, Mühlen etc. Insgesamt zählte man 1886: 175 Fabriken. Der Handel erstreckt sich vornehmlich auf die Produkte der Industrie, daneben auf Kolonialwaren (Einfuhr aus den Niederlanden), Hopfen (Ausfuhr nach Amerika), Getreide und Mehl, Petroleum, Briefmarken. Die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten betrug 1886: 5½ Mill. Dollar. Mit der Eisenbahn kamen 1886: 450,074 Ton. Güter an, während 128,994 T. abgingen; auf dem Donau-Mainkanal angekommen 47,383 T., abgegangen 5540 T. Endlich ist der Geld- und Wechselverkehr Nürnbergs äußerst lebhaft, und zu dessen Förderung tragen eine Reichsbankstelle, die 1786 gegründete Königliche Hauptbank, eine Hopfenbörse, Handelskammer, mehrere auf Aktien gegründete Industrieanstalten, der Hafen des an der Stadt vorüberführenden Donau-Mainkanals, die direkte Eisenbahnverbindung nach allen Richtungen (von N. gehen allein 8 Eisenbahnlinien aus) und mehrere gut besuchte Messen etc. bedeutend bei.

An höhern Bildungsanstalten hat N.: ein Gymnasium (im ehemaligen Ägidienkloster, 1526 von Phil. Melanchthon eingerichtet, ein zweites wird gegenwärtig gebaut), eine Industrie- und Kreisrealschule, ein Realgymnasium, eine berühmte Kunstgewerbeschule, eine Handelsschule, eine Kreis-Landwirtschaftsschule, eine Baugewerkschule, ein Taubstummen- und ein Blindeninstitut. N. ist reich an Kunstsammlungen, unter denen das 1852 vom Freih. v. Aufseß gegründete Germanische Museum (s. d.) in dem 1382 erbauten Kartäuserkloster obenan steht. Das 1871 gegründete Bayrische Gewerbemuseum enthält reiche Mustersammlungen für das Kunstgewerbe. Nächstdem verdienen Erwähnung: die Stadtbibliothek im ehemaligen Dominikanerkloster mit 70,000 Bänden, vielen Inkunabeln, seltenen Handschriften etc.; die mit der Kunstschule verbundene Sammlung von Skulpturen und Gipsabgüssen; die städtische Gemäldegale-^[folgende Seite]