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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Olivīn; Olivīnfels; Ölkäfer; Ölkaffee; Ölkautschuk; Ölkuchen; Ölkuchenbrecher; Olkusch

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Olivin - Olkusch.

nen, daß sie sich Ludwig XI. anschloß, oder durch einen Aufstand in Flandern dies Land für Frankreich zu erwerben, mißlang; indes behauptete er sich in der Gunst des Königs, der ihn zum Gouverneur von St.-Quentin ernannte. Nach dem Tode desselben wurde er auf Betrieb der durch seinen Übermut beleidigten Edelleute 21. Mai 1484 gehenkt.

Olivīn (Peridot, Chrysolith), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Olivingruppe), kristallisiert rhombisch, meist in Tafeln und Säulen, findet sich eingewachsen in körnigem Aggregaten und eingesprengt, auch lose, ist grün, auch gelb und braun, selten rot, mit Glasglanz, durchsichtig bis durchscheinend, Härte 6,5-7, spez. Gew. 3,2-3,5, besteht aus kieselsaurer Magnesia Mg2SiO4 ^[Mg_{2}SiO_{4}] in isomorpher Mischung mit kieselsaurem Eisenoxydul Fe2SiO4 ^[Fe_{2}SiO_{4}], enthält aber bisweilen auch Manganoxydul, Kalk, Thonerde und Titansäure. Der durchsichtige, schön grüne Chrysolith findet sich in losen Kristallen und Körnern im Orient, in Ägypten, Ceylon und Brasilien und wird als Edelstein benutzt, gemeiner O. in fast allen Basalten, Doleriten und Laven, im Talkschiefer des Urals und Nordcarolinas, als Gemengteil des Lherzoliths und Dunits, im Glimmerschiefer von Birkedal in Norwegen, bisweilen auch im Gabbro, Melaphyr, Nephelinfels etc., besonders in Meteorsteinen (vgl. Olivinfels).

Olivīnfels (Dunit nach dem Fundort Dun Mountain auf Neuseeland, Lherzolith nach dem Teich Lherz an den Pyrenäen), gemengtes kristallinisches Gestein, aus Olivin, Enstatit, Diopsid und einem Chromspinell bestehend; accessorisch kommt Pyrop vor. Viele Serpentine sind sicher als hydratisierte Olivinfelsen zu betrachten, was sich z. B. durch die Pyropenführung für die nordböhmischen Serpentine beweisen läßt. Als Fundorte sind noch Ultenthal in Tirol, Nassau, Oberfranken und Norwegen anzugeben. Viele Geologen deuten auch die im Basalt (s. d.) vorkommenden größern Olivinbomben als im Akte der Eruption eingeschlossen Olivinfels, mit welchem die die Aggregate bildende Mineralspezies vollkommen übereinstimmt.

Ölkäfer, s. Maiwurm.

Ölkaffee, s. Ricinus.

Ölkautschuk, s. Leinöl.

Ölkuchenbrecher, Maschinen zur Zerkleinerung von Ölkuchen zum Zweck der Gewinnung eines aufnehmbaren Futters oder eines Düngers. Die Zerkleinerung erfolgt mittels Walzen, deren Umfang mit stark hervorspringenden Zapfen oder Zähnen besetzt ist; zuweilen lagern zwei Walzenpaare übereinander, in welchem Fall das untere zum Zerkleinern von grobkörnigem Dünger verwendet wird. Sehr beliebt sind die Ö. von Nicholson in Newark (England).

Ölkuchen, die Rückstände, welche beim Pressen ölhaltiger Sämereien in den Ölmühlen gewonnen werden und in Form runder, quadratischer oder trapezförmiger Kuchen in den Handel kommen. Sie enthalten noch einen Teil des Öls, welches auch durch den stärksten Druck nicht mehr gewonnen werden kann, sowie sämtliche stickstoffhaltige und mineralische Bestandteile der Samen. Man gewinnt aus ihnen mit Hilfe von Schwefelkohlenstoff das Öl oder benutzt sie in der Landwirtschaft zur Fütterung oder zur Düngung. Am häufigsten sind im Handel: Lein-, Raps-, Rübsen-, Leindotter-, Mohn-, Hanf-, Bucheckern-, Erdnuß-, Baumwollsamt-, Sesam-, Palmkern-, Kokosnuß-, Sonnenblumensamen-, Madia-, Niger-, Candlenußkuchen. Von geringerer Bedeutung sind Walnuß-, Kapok-, Mandel-, Maiskeim- und Kürbiskernkuchen. Für die Düngung beruht der Wert der Ö. auf den Mineralstoffen und dem Stickstoff, für die Fütterung auf diesem und dem Öl, aber auch noch auf dem Geschmack und der Verdaulichkeit. In letzterer Beziehung stehen die Leinkuchen obenan, während die Ö. von Raps und Rübsen ein dem Vieh nicht zusagendes scharfes ätherisches Öl enthalten, welches besonders dann unangenehm hervortritt, wenn man dieses Futter mit heißer Schlempe übergießt. Die Ö. werden auf besondern Maschinen (Ölkuchenbrechern) in grobes Pulver verwandelt oder aufgelöst, oder sie kommen nach der Entölung durch Schwefelkohlenstoff als Ölkuchenmehl zur Verwendung. Man füttert sie meist trocken, als Überstreu über andres Futter und in Quantitäten bis zu mehreren Kilogrammen pro 1000 kg Lebendgewicht Rindvieh. Für Jungvieh zieht man die Leinsamen den aus diesen zu gewinnenden Ö. vor, die von Raps etc. kann man hier gar nicht verwenden. An Pferde füttert man nur Leinkuchen und auch diese mehr nur als diätetische Mittel bei Verstopfungen. Milchkühe sollen nicht über 1 kg pro Tag und Mohnkuchen gar nicht erhalten, dem Mastvieh gibt man alle Arten und bis zu 2,5-3,5 kg pro Kopf und Tag. Feinen Wollschafen bringen die Ö. keinen Nutzen; Mastschafen gibt man bis 200 g pro 50 kg Lebendgewicht, säugenden Mutterschafen aber nur höchstens 100 g; Schweinen sagt Körnerfutter besser zu. In gutem Zustand enthalten die Ö.:

Wasser Eiweißartige Körper Fett Stickstofffreie Extraktstoffe Holzfaser Asche

Leinkuchen 10-13 30-35 9-13 26-30 7-10 6-9

- im Mittel 11,82 28,70 10,74 32,13 9,35 7,37

Raps- und Rübsenkuchen 10-13 28-33 8-11 26-30 7-11 5,5-9

- - - im Mittel 10,40 30,68 9,75 30,14 11,30 7,73

Mohnkuchen 10-15 28,5-33,5 6-14 23-29 10-13 6-7,3

Hanfkuchen 8-12 25-33,5 4,5-10 16-26 23-26 5-7

Bucheckernkuchen 16,1 18,2 8,3 28,4 23,9 5,1

- geschält 125 37,1 7,5 29,7 5,5 7,7

Erdnußkuchen, geschält, Mittel 10,04 47,48 7,78 24,88 5,19 4,63

Baumwollsamenkuchen, ungeschält 13,57 26,0 7,15 26,13 21,87 5,28

Baumwollsamenkuchenmehl, entfasert 7,76 47,63 16,48 18,20 3,66 6,27

Sesamkuchen, Mittel 11,06 37,15 12,80 20,64 7,50 10,85

Palmkernkuchen 10,22 16,10 10,93 37,85 20,90 4,00

Kokosnußkuchen, Mittel 10,30 19,74 11,03 38,70 14,38 5,85

Olkusch (Olkusz), Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Kjelzy, an der Babia und der Eisenbahn Iwangorod-Dombrowo, mit (1885) 2705 Einw., größtenteils Juden. Im Kreis ist die Montanindustrie (besonders auf Eisen, Zink, Galmei) stark entwickelt; überhaupt nimmt O. in industrielle Hinsicht den ersten Platz im Gouvernement ein und liefert vorzugsweise Branntwein, Mehl, Bretter, Tuch und Papier.