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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Olla; Olla potrīda; Öllack; Ollech; Ollendorfsche Methode; Ollerĭa; Ollioules; Ollivier

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Olla - Ollivier.

Olla (span., spr. ollja, Oilli, Olio), span. Nationalgericht, eigentlich eine starke Kraftbrühe aus Fleisch und Gemüsen, die auch im südlichen Frankreich stark verbreitet ist. Sie wird auch Grande ouille, und in den Briefen der Frau v. Maintenon L'oille au pot genannt. Die eigentliche O. potrida (wörtlich "verfaulter Topf") ist eine Mischung von allerlei Fleisch, Geflügel, Schinken, Speck, Zwiebeln, Kirchererbsen ^[richtig: Kichererbsen] (garbanzos) und andern Gemüsen, mit Knoblauch, Pfeffer, Gewürz und wenig Wasser in einem fest verschlossenen Topf gekocht. Mit O. bezeichnet man, davon abgeleitet, jeden Mischmasch.

Öllack, s. Firnis.

Olla potrīda, s. Olla.

Ollech, Karl Rudolf von, preuß. General, geb. 22. Juni 1811 zu Graudenz, trat 1828 als Leutnant in das 16. Infanterieregiment ein und wurde später Lehrer an verschiedenen militärischen Bildungsanstalten. 1849 machte er als Hauptmann im 30. Regiment den badischen Feldzug mit, kam 1853 als Major in den Generalstab der 13. Division und 1855 in den Großen Generalstab, wo ihm die Leitung der kriegsgeschichtlichen Abteilung zufiel, hielt daneben Vorlesungen an der Kriegsakademie, war Mitglied der Studienkommission des Kadettenkorps sowie der Divisionsschulen und 1858 auch der Kriegsschule. 1857 bereits zum Abteilungschef im Generalstab befördert, erhielt er 1858 den Rang eines Oberstleutnants und 1860 den eines Obersten. Bei der Krönung des Königs Wilhelm I. wurde ihm der Adel verliehen. 1861 wurde er Kommandeur des Kadettenkorps, und es ist bekannt, wie schroff er als Regierungskommissar im Landtag 1862, indem er die Kadetten die Blüte der Nation nannte, den Gefühlen der damaligen Abgeordneten entgegentrat. Seit 1864 Generalmajor, erhielt O. 1865 die Führung der 17. Infanteriebrigade. An der Spitze derselben nahm er im 5. Korps an dem Feldzug von 1866 Anteil und wurde bei Nachod schwer verwundet, so daß er auch nach seiner Genesung nicht mehr felddienstfähig war. Ende 1866 erfolgte seine Ernennung zum Generalleutnant, 1870 zum General der Infanterie, Direktor der Kriegsakademie und Präses der Studienkommission. 1877 ward er zum Gouverneur des Invalidenhauses ernannt und starb 25. Okt. 1884 in Berlin. O., ein echter Vertreter des pflichttreuen, eifrigen, aber rauhen und strammen preußischen Soldatentums, dabei von streng orthodoxer Frömmigkeit, erwarb sich als kriegsgeschichtlicher Schriftsteller einen bedeutenden Namen. Es sind von ihm zu nennen: "Historische Entwickelung der taktischen Übungen der preußischen Infanterie" (Berl. 1848); "Die leichte Infanterie der französischen Armee" (das. 1856); ferner, als Beihefte zum "Militärwochenblatt": "Friedrich d. Gr. von Kolin bis Leuthen", "Der Feldzug der Nordarmee im Jahr 1813" (1859-65, 3 Tle.), "General Reyhers Leben" (1861-79, 4 Tle.), "Friedrich d. Gr. und die Kadettenanstalten" (1862), "Friedrich d. Gr. und der Friede zu Hubertsburg" (1863); "Geschichte des Berliner Invalidenhauses" (1885); endlich "Geschichte des Feldzugs von 1815" (Berl. 1876).

Ollendorfsche Methode, s. Sprachunterricht.

Ollerĭa (spr. oljēria), Stadt in der span. Provinz Valencia, in dem prächtig angebauten Albaidathal, mit Leinweberei, Branntweinbrennerei, Glashütten, römischen Altertümern und (1878) 3878 Einw.

Ollioules (spr. -uhl), Stadt im franz. Departement Var, Arrondissement Toulon, am Ausgang eines schluchtartigen Felsenthals, an der Eisenbahn Marseille-Nizza, hat bedeutenden Obst- und Gartenbau (Hauptartikel sind: Orangen, Erstlingsfrüchte und -Gemüse und Immortellen), lebhaften Handel und (1886) 2360 Einw.

Ollivier (spr. -wjeh), Olivier Emile, franz. Staatsmann, Sohn des Demosthenes O., der, Chef eines bedeutenden Handelshauses in Marseille, als eifriger Demokrat nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851, um der Deportation zu entgehen, nach Florenz flüchtete und erst 1860 nach Frankreich zurückkehrte, geb. 2. Juli 1825 zu Marseille, studierte die Rechte in Paris und war eben Advokat daselbst geworden, als Ledru-Rollin ihn 1848 als Kommissar der Republik nach Marseille schickte. Cavaignac ernannte ihn zum Präfekten daselbst, dann in Chaumont; doch kehrte O. im Januar 1849 zur Advokatur zurück und zeichnete sich durch beredte Führung mehrerer Prozesse aus. Seit 1857 Mitglied des Gesetzgebenden Körpers, ward er der glänzendste und beliebteste Redner der kleinen Gruppe der fünf, aus denen die ganze Opposition bestand. Doch machte O. der Regierung keine systematische Opposition, zeigte vielmehr 1864 als Berichterstatter über das sogen. Koalitionsgesetz ein solches Einverständnis mit den Ideen der Regierung, daß seine frühern politischen Freunde sich von ihm trennten. Auch billigte er die Politik des Kaisers in der italienischen wie in der deutschen Frage und verteidigte sogar 15. März 1867 die Einigung Deutschlands. 1865 ernannte ihn der Vizekönig von Ägypten mit bedeutendem Gehalt zu seinem juristischen Beirat. Infolge davon legte O. die Advokatur nieder. Als 1869 die Neuwahlen herannahten, schrieb er über den liberalen Brief Napoleons III. vom 19. Jan. 1867 eine Broschüre ("Le 19 janvier"), in welcher er die Möglichkeit eines konstitutionellen Kaiserreichs auseinandersetzte, wurde im Gesetzgebenden Körper der Stützpunkt einer neuen Regierungspartei von gemäßigt liberalem Charakter und bildete 2. Jan. 1870 ein konstitutionelles Ministerium, in dem er das Portefeuille der Justiz und die oberste Leitung, namentlich die Vertretung vor den Kammern, erhielt. O. glaubte aufrichtig an die Ausführbarkeit der übernommenen Aufgabe, die liberalen Parteien mit dem Bonapartismus auszusöhnen und eine wirklich verfassungsmäßige, streng gesetzliche Regierung zu errichten. Aber seine pedantische Eitelkeit verblendete ihn völlig und raubte ihm die klare Einsicht in die wirklichen Verhältnisse, so daß er nicht merkte, daß er nur ein Werkzeug in der Hand der bonapartistischen Hofclique war. Das Plebiszit, welches nur darauf berechnet war, den absoluten Imperialismus zurückzuführen, ließ er nicht nur zu, sondern betrieb dessen Annahme mit allen Mitteln des Bonapartismus, welche auf eine Fälschung der Volksmeinung berechnet waren, und feierte dieselbe als einen glänzenden Sieg. Kompromittiert bei sämtlichen Liberalen, befangen durch die Schmeicheleien der Hofpartei, gab er sich dazu her, die Kammern und die öffentliche Meinung in den Krieg mit Preußen fortzureißen. Während er noch 29. Juni mit Emphase gesagt, daß der Friede nie gesicherter gewesen, 12. Juli den Krieg durch die Thronentsagung des hohenzollerischen Prinzen für abgewendet erklärt hatte, half er 15. Juli den Gesetzgebenden Körper durch die bekannte Erklärung täuschen und übernahm "leichten Herzens" die Verantwortung für die Folgen seiner Handlungsweise. Er hielt einen leichten Sieg für gewiß und glaubte, daß die von neuem befestigte Dynastie die Krönung des Werkes, die liberale Verfassung und Regierung, erst recht verwirklichen könne und werde. Die ersten Niederlagen der französischen Armee führ-^[folgende Seite]