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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Otschaków; Ötscher; Otsego; Ottajāno; Ottakring; Ottar; Ottāve rime; Ottawa; Otte; Ottendorfer; Otténsen

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Otschakow - Ottensen.

boden dieses Saals wurden in O. gefunden. Hier 1799 Sieg der Franzosen über die Neapolitaner.

Otschaków (Oczakow, bei den Alten Axiake), Stadt im russ. Gouvernement Cherson, am Dnjeprliman, Kinburn gegenüber, hat einen Kauffahrteihafen, eine Stadtbank, Kirche, Synagoge und (1885) 6977 Einw. In der Nähe an der Bugmündung liegen die Trümmer der einst berühmten Stadt Olbia, einer ehemaligen milesischen Kolonie, wo viele Kunstschätze ausgegraben wurden. Auf der Stelle Otschakows soll zu Herodots Zeiten die griechische Festung Alektor gestanden haben. Die jetzige Stadt wurde 1492 vom krimschen Chan Mengli Girei gegründet und war später unter türkischer Herrschaft eine der bedeutendsten Festungen. 1737 wurde sie von den Russen unter Münnich genommen, kam dann 1738 wieder an die Türken, ward aber 18. Dez. 1788 nach langer Belagerung von den Russen unter Potemkin erstürmt und bis auf die Citadelle geschleift. Im Juni 1853 litt O. durch eine Pulverexplosion sehr bedeutend; 17. Okt. 1855 wurde es durch englische und französische Schiffe bombardiert, worauf die Russen die noch übrigen Festungswerke zerstörten.

Ötscher, 1892 m hoher Berg der niederösterreich. Alpen, dicht bewaldet, an der Südseite mit Höhlen und Eisgrotten, wegen seiner schönen Aussicht von Mariazell aus über Langau viel bestiegen.

Otsego, Quellsee des Susquehanna, im nordamerikan. Staat New York, 364 m ü. M., 15 km lang.

Ottajāno, Flecken in der ital. Provinz Neapel, Kreis Castellammare, am nordöstliche Fuß des Vesuv und an der Eisenbahn Cancello-Gragnano, mit Weinbau und (1881) 4184 Einw.

Ottakring, Vorort von Wien, westlich von der Hauptstadt gelegen und zur niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Hernals gehörig, Sitz eines Bezirksgerichts, mit industriellen Etablissements für Zündwaren, chemische Produkte und Farben, Waffen, Metall- und Gelbgießerwaren, Porzellannägel, Knöpfe (insbesondere aus Perlmutter), Eisengußwaren und Maschinen, großem Brauhaus, Spiritus- und Preßhefenfabrik und (1880) 37,417 Einw. (1845 erst 6226). Dabei der Galizinberg mit Park und schöner Aussicht auf Wien, Weingärten und Meiereien. S. den "Stadtplan von Wien".

Ottar, s. Rosenöl.

Ottāve rime (ital.), s. Stanze.

Ottawa (Ottowa), nordamerikan. Indianervolk vom Stamm der Algonkin, früher in Kanada, namentlich am Ottawa River, jetzt auf zwei Reservationen am Obern See in Michigan (4000 Seelen) und im Indianerterritorium (125 Seelen) beschränkt.

Ottawa, einer der bedeutendsten Nebenflüsse des St. Lorenzstroms in Kanada, entspringt im Grand Lake, fließt westlich durch den Lac Quince in den Temiscamangsee (186 m ü. M.), wendet sich sodann südöstlich, bildet die Grenze zwischen den Provinzen Ontario und Quebec u. erreicht den St. Lorenzstrom in zwei Armen, von denen der eine oberhalb Montreal, der andre 55 km weiter unterhalb einmündet. Stellenweise verbreitet er sich seeartig; an andern Stellen bildet er, zwischen Felsen eingeengt, der Schifffahrt hinderliche Stromschnellen, wie die Chaudièrefälle bei der Stadt O., bis zu deren Fuß er schiffbar ist. Das Flußgebiet des O. umfaßt 207,000 qkm (3760 QM.) und ist fast ganz mit Föhrenwaldungen bedeckt. Ungeheure Massen Bauholz gehen jährlich den 1250 km langen Fluß abwärts.

Ottawa, 1) Hauptstadt der brit. "Dominion of Canada", hoch an der Mündung des Rideauflusses in den Ottawa gelegen, der oberhalb der Stadt die Chaudièrefälle bildet, die zahlreiche Sägemühlen in Bewegung setzen. Die Stadt hat (1886) 30,344 Einw. Ihre Lage ist ungemein malerisch; hoch oben auf dem 106 m hohen Barrack Hill thronen das stattliche, im gotischen Stil aufgeführt Parlamentsgebäude, die königliche Druckerei und das Regierungsgebäude, welche 10 Mill. Mk. gekostet haben. Unter den Kirchen zeichnet sich die katholische Kathedrale aus. O. hat ferner ein College mit 3 Fakultäten, eine Kunstakademie, ein Museum der Behörde für die Landesaufnahme und eine gelehrte Gesellschaft. Es ist Hauptsitz des Holzhandels in Kanada. O. wurde 1823 vom Ingenieuroffizier By, dem Erbauer des Rideaukanals, gegründet und hieß bis 1854 Bytown. -

2) Hauptstadt der Grafschaft La Salle im nordamerikan. Staat Illinois, an der Mündung des Fox River in den Illinois River, hat starken Getreidehandel, Stärkefabrikation, Kornmühlen und (1880) 7834 Einw. -

3) Stadt im W. des nordamerikan. Staats Kansas, am Osagefluß, hat (1885) 6626 Einw. und ist Sitz einer Universität.

Otte, 1) Heinrich, Kunstschriftsteller, geb. 24. März 1808 zu Berlin, studierte Theologie, war seit 1858 Pfarrer zu Fröhden im Kreis Jüterbog, trat 1878, nachdem er durch einen Brand seine Bibliothek und seine Sammlungen verloren hatte, in den Ruhestand und lebt seitdem in Merseburg. O. hat sich namentlich um die christliche Archäologie verdient gemacht und trat frühzeitig in Beziehungen zu Ferd. v. Quast; mit dem er die "Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst" (Leipz. 1856-60) herausgab. Selbständig schrieb er: "Glockenkunde" (Leipz. 1858, 2. Aufl. 1884); "Handbuch der christlichen Kunstarchäologie des deutschen Mittelalters" (5. Aufl., das. 1883-85, 2 Bde.; Auszug daraus, 1855); "Archäologisches Wörterbuch" (das. 1857, neue Aufl. 1883); "Archäologischer Katechismus" (das. 1858, 2. Aufl. 1873). Von seiner "Geschichte der deutschen Baukunst von der Römerzeit bis zur Gegenwart" erschien nur der erste Band (Leipz. 1861-74, neue Ausg. 1885 u. d. T.: "Geschichte der romanischen Baukunst in Deutschland"). Die Berliner Universität verlieh ihm die theologische Doktorwürde.

2) Friedrich, Pseudonym, s. Zetter.

Ottendorfer, Oswald, deutsch-amerikan. Publizist, geb. 1826 zu Zwittau in Mähren, studierte zu Prag, Wien u. Heidelberg die Rechte, nahm dann 1848-49 an den revolutionären Bewegungen in Österreich und Baden thätigen Anteil und wanderte infolgedessen 1850 nach Amerika aus. Hier trat er in die Redaktion der "New Yorker Staatszeitung" ein und übernahm 1859 die selbständige Leitung des Blattes, das er bald zum vornehmsten Organ der deutsch-amerikanischen Presse zu erheben wußte. Auch hat er sich um die Stadt New York durch verschiedene mildthätige Stiftungen verdient gemacht.

Otténsen, Stadt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Stadtkreis Altona, unmittelbar westlich bei dieser Stadt, an den Linien Hamburg-Altona und Altona-Kiel der Preußischen Staatsbahn, hat schöne Landhäuser reicher Hamburger, eine Realschule, Metallwaren-, Maschinen-, Glas-, Textil-, Leder-, Tabaks- und Zigarren-, Goldleisten- und Kartonagenfabrikation, eine Farbholzextraktfabrik und (1885) 18,635 meist evang. Einwohner. Auf dem Kirchhof von O. befinden sich die Gräber Klopstocks, seiner ersten Gattin (Meta) und seiner 1821 verstorbenen Witwe sowie des Dichters Schmidt von Lübeck. Auch starb hier der bei Auerstädt verwundete Herzog Karl Wilh.