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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pauer; Pauillac; Paukánt; Pauken; Paukenfell; Paukenhöhle; Paukensaite; Paul

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Pauer - Paul.

theologische Anstalt, Zeichen- und Handelsschule, Bibliothek von 25,000 Bänden, ein Museum, mehrere gelehrte und industrielle Gesellschaften, ein Gestüt und ein Waisenhaus. Ehedem die Residenz der Könige von Niedernavarra (Béarn), ist P. jetzt Sitz des Präfekten, eines Appell- und Assisenhofs und eines Handelsgerichts. Die Stadt erfreut sich eines sehr günstigen Klimas, welches zahlreiche Kranke und Rekonvaleszenten, namentlich Engländer, die hier auch eine eigne Kirche haben, anzieht; die mittlere Temperatur beträgt 13,4° C. (im Winter 5,7° C.). Die Umgegend ist reich an Villen und liefert einen guten Wein (Jurançonwein). - P. ist der Geburtsort Heinrichs IV. und Bernadottes, nachmaligen Königs Karl XIV. Johann von Schweden. Es verdankt seinen Ursprung einem von einem Grafen des Béarner Landes gegen Ende des 10. Jahrh. erbauten, im 14. Jahrh. erneuerten Schloß (Château du Pal). Um dieses Schloß, welches später den Namen Castel Menou führte und nach einigen Jahrhunderte durch ein größeres verdrängt wurde, ließen sich nach und nach die Vasallen der Fürsten und andre Landesbewohner nieder. 1502 zur Stadt erhoben, wurde P. bald Hauptstadt des Landes, Residenz der Fürsten und nach und nach Sitz eines souveränen Rats, eines Parlaments sowie einer Universität und einer Akademie der Wissenschaften und Künste. 1848 war das Schloß längere Zeit der Wohnsitz des gefangenen Abd el Kader und seiner Familie.

Pauer, Ernst, Klavierspieler und Komponist, geb. 21. Dez. 1824 zu Wien, Schüler Sechters und W. A. Mozarts (des zweiten Sohns von Wolfgang Amadeus Mozart), begab sich 1845 nach München und setzte hier unter Fr. Lachner seine Studien bis 1847 fort. Er wurde dann Direktor der Mainzer Liedertafel, ging jedoch 1851 nach London, wo er solchen Beifall fand, daß er sich daselbst dauernd niederließ. Als Künstler wie als Mensch gleich hochgeachtet, ist er seitdem von Jahr zu Jahr in der Gunst des englischen Publikums gestiegen; namentlich finden seine Verdienste um die Verbreitung der klassischen Musik allgemeine Anerkennung. Seine Kompositionen, besonders die für sein Instrument, zeichnen sich durch Stilreinheit und gediegene Arbeit aus, und nicht minder bekunden die von ihm veranstalteten Ausgaben älterer Klaviermusik den ernsten, fein gebildeten Künstler. In den letzten Jahren erweiterte er seinen Wirkungskreis noch durch Vorlesungen über die Geschichte des Klaviers sowie durch schriftstellerische Beiträge zu dem Groveschen "Dictionary of music" und selbständige musikwissenschaftliche Arbeiten, darunter "Musical forms" (Lond. 1878). Seine frühere Wirksamkeit als Lehrer an der königlichen Musikakademie hat er neuerdings mit der gleichen an Sullivans Musikschule vertauscht.

Pauillac (Pouillac, spr. po- oder pujack), Stadt im franz. Departement Gironde, Arrondissement Lesparre, an der Gironde und der Eisenbahn Bordeaux-Verdon, ist Verschiffungsstation für die Médocweine nach Bordeaux (1885 sind aus dem Hafen 1757 Schiffe mit 45,728 Ton. ausgelaufen) und hat (1881) 2217 Einw. Die Umgegend baut die besten Médocweine (Château-Laffitte ^[richtig: Château-Lafitte], Château-Latour, Banne etc.). Auch werden hier treffliche Bausteine gebrochen.

Paukánt, in der Studentensprache s. v. w. Duellant.

Pauken (ital. Timpani, franz. Timbales, engl. Kettle-drums, "Kesselpauken"), die musikalisch wertvollsten der Schlaginstrumente, sind halbkugelige kupferne Kessel, mit gegerbten Fellen bespannt, die vermittelst am Rand befindlichen Schrauben nach Belieben verschieden straff angespannt werden, so daß die Tonhöhe des Klanges der Membran genau geregelt werden kann. P., bei denen das zeitraubende Anziehen der einzelnen Schrauben durch eine sogen. Maschine ersetzt ist, welche auf die ganze Peripherie gleichmäßig wirkt, heißen Maschinenpauken. Meistens werden im Orchester zwei P. nebeneinander gebraucht; in neuerer Zeit ist man zur Erhöhung der Zahl der P. im Orchester auf drei übergegangen. Man baut die P. in zweierlei Größe; die sogen. große Pauke hat einen Spielraum der Stimmung zwischen (groß) F und (klein) c, die kleine zwischen (groß) B und (klein) f. Früher, als man von den P. noch einen sehr spärlichen Gebrauch machte und sie regelmäßig auf Tonika-Dominante abstimmte, behandelte man sie in der Notierung als transponierende Instrumente, d. h. man schrieb zu Anfang der Stimmung vor: Timpani in Es B oder in DA, BF etc., notierte aber stets mit CG oder vielmehr cG. Dieser Gebrauch kam ab, als die Komponisten wagten, auch andre Töne zu fordern (Beethoven); heute schreibt man die Töne hin, die man haben will. Die Schlegel der P. haben entweder Holzköpfe, Lederköpfe oder Schwammköpfe; die erstern geben einen harten, die letztern einen sehr weichen Ton: es ist für besondere Effekte praktisch, vorzuschreiben, welche Art von Schlegeln zur Anwendung kommen sollen. Die gelernten Kunstpauker bedienen sich zahlreicher sogen. Schlagmanieren oder Kunstschläge (einfache Zunge, Doppelzunge, getragene Zunge [von den Blasinstrumenten entlehnte Ausdrücke], Doppelkreuzschläge, Wirbel etc.), in welche sie auch bei Aufzügen, Intraden und andern Stücken von glänzendem Charakter die nur einfach vorgeschriebenen Noten auflösen. Im 18. Jahrh. stand die Paukenvirtuosität in vollster Blüte, wie denn z. B. fürstliche Hofpauker auf 14 P. Konzerte gaben, wobei sie unter dem Schlagen noch die Klöppel in die Luft warfen und im Takt wieder auffingen. Dem Grundwesen nach ist die Pauke ein uraltes Instrument und von dem Toph oder Adufe der Hebräer bis auf die von Prätorius als "ungeheure Rumpelfässer" geschilderten Heerpauken des 16. und 17. Jahrh. und unsre Konzertpauke herab bei allen Völkerschaften in den verschiedenartigsten Gestalten und Formen zu finden. Von den Persern soll sie ins Abendland gekommen sein. Vgl. Pfundt, Die P. (2. Aufl., Leipz. 1880); Kastner, Méthode etc. des timbales (Par.).

Paukenfell, s. v. w. Trommelfell, s. Ohr.

Paukenhöhle, s. Ohr.

Paukensaite (Chorda tympani), ein feiner Nerv, welcher mitten durch die Paukenhöhle des Felsenbeins, zwischen Amboß und Hammer, hindurchgeht, aber mit dem Gehörorgan in keinem physiologischen Zusammenhang steht (vgl. Ohr), sondern zur Zunge und Unterkieferspeicheldrüse verläuft. S. Tafel "Ohr des Menschen", Fig. 2.

Paul (lat. Paulus, "gering, klein"), Name von fünf Päpsten: 1) P. I., aus Rom gebürtig, folgte seinem Bruder Stephan II. 757 auf dem päpstlichen Stuhl, schloß sich eng an den Frankenkönig Pippin an, dessen er sowohl gegen die Anfeindungen seitens der Langobarden als auch gegen die Ansprüche der griechischen Kaiser bedurfte. Er starb 28. Juni 767.

2) P. II., ein geborner Venezianer, vorher Pietro Barbo genannt, Neffe des Papstes Eugen IV., war zuerst Archidiakonus von Bologna, dann Bischof von Cervia, nachher Kardinal von San Marco und folgte als Papst 31. Aug. 1464 auf Pius II. Die vor seiner Wahl beschworne Wahlkapitulation in betreff der