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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Payer; Payerne; Payerspitze; Payk.; Payne; Paynesieren; Pays de Cocagne; Pays, Le; Paysage; Paysandú

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Payer - Pays de Cocagne.

Chevreul und Thénard Chemie, übernahm 1814 die Leitung einer Runkelrübenzuckerfabrik in Vaugirard und ward 1836 Professor der industrielle Chemie am Conservatoire des arts et métiers in Paris. Er starb 1871 in Paris. Von seinen Werken sind hervorzuheben: "Traité de la fabrikation et du raffinage des sucres" (Par. 1830); "Précis de chimie industrielle" (das. 1849, 6. Aufl. 1877; deutsch von Stohmann, Stuttg. 1870-74); "Cours de chimie appliquée" (Par. 1847); "Les maladies des pommes de terre, des betteraves, des blés et des vignes" (das. 1853); "Précis théorique et pratique des substances alimentaires" (4. Aufl., das. 1865) und "Traité complet de la distillation" (5. Aufl., das. 1866; deutsch, 3. Aufl., Berl. 1869).

Payer, Julius von, Nordpolfahrer, geb. 1. Sept. 1842 zu Teplitz, erhielt seine Ausbildung auf der Militärakademie zu Wiener-Neustadt und trat 1859 als Offizier in die österreichische Armee. In Norditalien stationiert, that er sich als kühner Alpensteiger namentlich in Erforschung der Ortleralpen (s. d.) hervor und legte die Resultate seiner Alpenforschungen in "Petermanns Mitteilungen" (Ergänzungshefte 17, 18, 23, 27 u. 31) nieder. 1869 schloß P. sich der zweiten deutschen Nordpolexpedition unter Koldewey an und überwinterte unter 76° nördl. Br. Im März und April 1870 machte er Schlittenreisen nach N. längs der grönländischen Küste und drang bis 77° vor. Die Entdeckung und Erforschung des Kaiser Franz Joseph-Fjords an der Ostküste Grönlands war das Hauptresultat dieser Expedition, von der er im September d. J. nach Deutschland zurückkehrte. 1871 unternahm er mit Weyprecht eine Rekognoszierungsfahrt von Tromsö aus und nahm die Route zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja; die Reisenden drangen bis zum 79.° nördl. Br. vor und fanden überall offenes, eisfreies Meer. Hierauf bauend, rüsteten P. und Weyprecht jene österreichische Polarexpedition aus, die im Tegetthoff von Bremerhaven aus 13. Juni 1872 in See stach und den 76.° 30' nördl. Br. erreichte, wo der Tegetthoff, im N. von Nowaja Semlja vom Eis eingeschlossen, nach N. getrieben wurde. Die Versuche, durch Zersägen und Zersprengen des Eises das Schiff im Sommer 1873 aus seiner Lage zu befreien, waren fruchtlos. Im Herbste d. J. näherten sie sich aber einem unbekannten Gebirgsland, 200 Seemeilen nördlich von Nowaja Semlja. Die zweite Überwinterung wurde hafenlos unter 79° 51' nördl. Br. und 59° östl. L. v. Gr. zugebracht. Im Frühjahr 1874 unternahm P. vom Schiff aus eine Schlittenreise und konnte das Land bis 79° 54' aufnehmen, während dasselbe bis 83° nördl. Br. abgepeilt wurde. Die größte erreichte Breite war 82° 5'; der nördlichste Punkt unter diesen Breiten wurde Kap Wien genannt. Im Mai 1874 kehrte P. wieder an Bord zurück; doch mußte der Tegetthoff verlassen werden, und 20. Mai trat die Mannschaft mit Booten und Schlitten den Rückzug an. 96 Tage dauerte diese abenteuerliche Reise, und unter 77° 40' erreichte man wieder freies Meer. Die Küste Nowaja Semljas hinabfahrend, wurde die Mannschaft 24. Aug. vom russischen Schiffer Feodor Woronin in seinem Schoner Nikolaj aufgenommen und erreichte nach neuntägiger Fahrt den schwedischen Hafen Vardöe. Das von der Expedition entdeckte Land erhielt den Namen Franz Joseph-Land. Im Herbst 1874 kehrte P. mit der Expedition über Hamburg nach Wien zurück. P. nahm bald darauf seinen Abschied als Offizier und lebte dann in Frankfurt a. M. als Privatmann. Nachdem er seit 1882 in München als Maler Studien gemacht, trat er als solcher mit einem Cyklus von Bildern auf, in welchem die einzelnen Episoden der Franklin-Expedition behandelt wurden. Außer zahlreichen Monographie in "Petermanns Mitteilungen" und in den "Mitteilungen der Wiener Geographischen Gesellschaft" hat P. veröffentlicht: "Die österreichisch-ungarische Nordpolexpedition 1872-74" (Wien 1876), der auch eine Skizze der zweiten deutschen Nordpolexpedition 1869-70 und der Polarexpedition von 1871 beigefügt ist.

Payerne (spr. pajérn, Peterlingen, lat. Paterniacum), Bezirkshauptstadt im schweizer. Kanton Waadt, an der Broye, Knotenpunkt der Linien Lausanne-Lyß und Freiburg-Yverdon der Westbahn, mit Ringmauern und Türmen, im Mittelalter oft Residenz der burgundischen Könige, hat 2 Kirchen, eine Knabenerziehungsanstalt (in der ehemaligen Benediktinerabtei), Wollspinnerei, Tabaks-, Stärkemehl- und Strohhutfabrikation und (1880) 3599 Einw. Hier ruhen die im ganzen Waadtland verehrte, halb sagenhafte "Berthe la reine", die Stifterin der erwähnten Abtei, und ihr Gemahl Rudolf II. von Burgund, deren Särge 1817 wieder aufgefunden wurden. P. kam 1032 an das Deutsche Reich, 1536 an Bern.

Payerspitze, s. Kaiser Franz Joseph-Fjord.

Payk., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Gustav von Paykull, schwedischer Kanzleirat und Akademiker. Entomolog, schwedische Fauna.

Payne (spr. pehn), 1) John Howard, amerikan. Schriftsteller und Schauspieler, Verfasser des berühmten Liedes: "Home, sweet home", geb. 9. Juni 1792 zu New York, schrieb bereits als 13jähriger Knabe für Zeitschriften und machte sich mit dem 16. Jahr als Schauspieler des Parktheaters in New York zum Liebling des Publikums. 1812 eröffnete er am Drurylanetheater zu London ein erfolgreiches Gastspiel, gab später daselbst die dramatische Zeitschrift "Opera-glass" heraus und schrieb eine Reihe von Bühnenstücken, wie "Brutus", "Therese, or the orphan of Geneva", die Oper "Clari" (worin zum erstenmal das erwähnte Lied vorkommt), "Charles the second" u. a., die sämtlich großen Beifall fanden. Seit 1832 wieder in Amerika, wurde er 1841 zum Konsul der Vereinigten Staaten in Tunis ernannt, wo er 5. Juni 1852 starb. Vgl. Harrison, Life and writings of P. (Albany 1877).

2) Thomas, s. Paine.

Paynesieren, ein Verfahren, um das Holz zu konservieren; s. Holz, S. 673.

Pays, Le (spr. pe-ih, "das Land"), Pariser Zeitung, begründet 1849, deren anfänglicher Nebentitel: "Journal des volontés de la France" später in "Journal de l'Empire" geändert wurde. Unter der Redaktion von Paul de Cassagnac ist der P. noch heute der unermüdlichste Vorkämpfer des Bonapartismus.

Paysage (franz., spr. pe-isahsch), Landschaft; P. intime, Stimmungslandschaft; Paysagist, Landschaftsmaler.

Paysandú, Departement des südamerikan. Staats Uruguay, 12,085 qkm (219,5 QM.) groß mit 24,000 Einw., deren wichtigste Erwerbsquelle die Viehzucht ist. Kleinere Erwerbszweige sind Kalkbrennerei, künstliche Brütung von Hühnern, Schnecken- und Seidenwurmkultur. Die Hauptstadt P., am Uruguay, hat schöne öffentliche Gebäude, Schlächtereien (Saladeros) und 12,000 Einw. Sie wurde 1772 gegründet und 2. Jan. 1865 von den Brasiliern nach längerm Widerstand erobert.

Pays de Cocagne (franz., spr. pe-ih d'tokánnj), Schlaraffenland (vgl. Cocagna).