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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pays d'Enhaut; Pays de Vand; Payta; Paz; Paz, Principe de la; Pazmány; Paznann; Pazzi; Pb; Pd; ; Peabody

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Pays d'Enhaut - Peabody.

Pays d'Enhaut (spr. pe-ih dang-oh, "Oberland"), die zweitoberste Thalstufe der Saane, ein schweizer. Alpenthal, welches, zwischen die Kantone Bern und Freiburg eingeklemmt, zum Kanton Waadt gehört und in den drei Gemeinden Château d'Oex (Ösch), Rossinières und Rougemont 4750 Einw. französischer Zunge und protestantische Konfession enthält. Thalaufwärts hat das P. eine Straßenverbindung nach dem bernischen Saanen, thalab nach dem Greyerzer Land, aus dessen oberm Teil, von Montbovon aus, ein Bergpfad über den Col de Jaman nach Montreux führt. Nach dem Val d'Ormonds führt seit 1835 eine Paßstraße, die zwei durch das Hongrintobel getrennte Bergsättel (1545 und 1809 m) überschreitet.

Pays de Vand (spr. pe-ih d'woh), s. Waadt.

Payta, Hafenstadt im nordwestlichen Peru, Departement Piura, an der gleichnamigen Bai des Stillen Ozeans, in völlig vegetationsloser Umgebung, mit Hafendamm und Zollhaus und (1876) 2396 Einw. Die Ausfuhr besteht namentlich aus Orseille, Salz, Baumwolle, Häuten, Strohhüten und Kochenille.

Paz (La P.), Departement der südamerikan. Republik Bolivia, 111,500 qkm (2025 QM.) groß mit (1882) 364,722 Einw., ohne die auf 2500 geschätzten wilden Indianer, liegt meistens auf der Hochebene Bolivias. Der östliche Teil umfaßt die höchsten Teile der Binnenkordillere Südamerikas (Sorata 6544 m) und die östlichen Abhänge derselben bis in das Tiefland herab, so daß P. die verschiedensten Klimate enthält. Während die Hochebene häufig dürr und mangelhaft bewässert ist, gehören die Ostabhänge des Gebirges zu den wasserreichsten und fruchtbarsten Teilen Bolivias. Koka wird im großen angebaut; Schafe, Vicunnas und Alpakos werden gezüchtet, die Wälder liefern Fieberrinde, die Minen namentlich Kupfer, aber auch Gold und Silber. - Die Hauptstadt La P. de Ayacucho liegt in tiefem Thal, angesichts des Illimani und 3648 m ü. M. Sie hat eine Kathedrale aus weißem Marmor, eine Universität, ein bischöfliches Seminar, eine medizinische Schule, eine Gewerbeschule, ein Museum, 2 Hospitäler, ein Theater und 60,000 Einw., die meist alle Aymaráindianer oder Mestizen sind. Die Stadt treibt lebhaften Handel, namentlich mit Kupfer, Fieberrinde und Alpakowolle, und steht seit 1872 durch eine Eisenbahn mit Chililayo am Titicacasee in Verbindung. Sie ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Paz (La P.), 1) Stadt in der Provinz Entre Rios der Argentinischen Republik, am Paraná, in wald- und weidereicher Gegend, 1836 gegründet, mit Zollhaus und (1882) 6000 Einw. -

2) (La P., ursprünglich Bahia de Santa Cruz) Hauptstadt des mexikan. Territoriums Niederkalifornien, hat einen durch Inseln geschützten Hafen, eine höhere Schule, Perlfischerei und etwa 4000 Einw. Cortez landete hier 1535.

Paz, Principe de la (Friedensfürst), s. Godoy.

Pazmány (spr. páhsmānj), Peter, Kardinal, ungar. Redner und Begründer der ungarischen Prosa, geb. 4. Okt. 1570 zu Großwardein als Sohn protestantischer Eltern, studierte in seinem Geburtsort, dann in Klausenburg, wo er in seinem 13. Jahr zur katholischen Kirche übertrat, als Novize des Jesuitenorden in Krakau, endlich in Wien und in Rom. Ein Mann von glänzender Beredsamkeit und glühendem Eifer im Interesse des katholischen Glaubens, führte er fast ganz allein Ungarn, dessen hoher Adel und große Volksmehrheit der protestantischen Bewegung gefolgt war, wieder zum Katholizismus zurück und ward 1616 zum Primas von Gran, 1629 vom Papst Urban VIII. zum Kardinal ernannt. Seine Schriften sind heute noch als Muster der ungarischen Prosa geschätzt. Er gründete in Tyrnau eine Universität (später nach Pest verlegt) und ein Konvikt für adlige Jünglinge sowie in Wien das "Pazmaneum" (Seminar für Kleriker aus ungarischen Diözesen) und förderte die katholische Volkserziehung durch Gründung vieler Schulen. Er starb 19. März 1637 in Preßburg.

Paznann, hoch gelegenes, 30 km langes Seitenthal des Oberinnthals in Tirol, Bezirkshauptmannschaft Landeck; wird durchströmt von der Trisanna, welche mit der Rosanna vereint unter dem Namen Sanna in den Inn fällt, rings umgeben von den hohen Bergen der Silvrettagruppe (Fluchthorn 3389 m). Hauptorte des durch seine Viehzucht ausgezeichneten Thals sind Ischgl mit 489 und Kappl mit 1114 Einw.

Pazzi, hervorragendes ghibellinisches Patriziergeschlecht zu Florenz, welches in einer gegen die Medici angezettelten Verschwörung seinen Untergang fand. Francesco P., früherer Freund Giulianos von Medici, dann aber eifersüchtig auf dessen steigendes Ansehen, ließ sich 1478 durch Papst Sixtus IV. für eine Verschwörung gegen die Medici gewinnen, der sich auch der Erzbischof von Pisa, Francesco Salviati, sowie Francescos Oheim Jacopo P., ein verständigen allgemein geachteter Mann, anschlossen. Mehrere Anschläge, die beiden Brüder Medici bei einem Gastmahl aus dem Weg zu räumen, wurden vereitelt, und man beschloß daher, sie 26. April 1478 in der Kirche beim zweiten Ertönen des Glöckchens, wenn der Priester die Hostie ergreifen würde, zu erdolchen. Giuliano Medici ward denn auch durch Francesco P. niedergestoßen, Lorenzo aber nur leicht am Hals verwundet. Francesco suchte darauf vergeblich das Volk aufzuwiegeln, und auch der Versuch Jacopos und des Erzbischofs, sich des Stadtpalastes zu bemächtigen, scheiterte. Mehrere Verschworne wurden ermordet, andre zu den Fenstern hinausgestürzt, der Erzbischof aufgeknüpft, ebenso Francesco, den das wütende Volk halb nackt aus seiner Wohnung durch die Straßen nach dem Stadtpalast geschleppt hatte. Jacopo P. entfloh nach den Apenninen, ward aber erkannt und nach Florenz ausgeliefert. Auch Renato P., der zwar um das Unternehmen seiner Verwandten gewußt, jede Teilnahme aber abgelehnt hatte, ward auf der Flucht ergriffen und nebst Jacopo nach einem förmlichen Inquisitionsprozeß vier Tage nach Giulianos Ermordung gehenkt. Von sämtlichen P. rettete sich bloß Guglielmo P. Die Geschichte der Verschwörung schrieb Angelo Poliziano (Flor. 1478).

Pb, in der Chemie Zeichen für Blei (Plumbum).

Pd, in der Chemie Zeichen für Palladium.

(portug.), s. v. w. Fuß; portugiesische und brasil. Längenmaß, = 0,33 m.

Peabody (spr. pihboddi, früher Danvers), Gemeinde im nordamerikan. Staat Massachusetts, 3 km von Salern, mit einem 1867 von G. Peabody (s. d.) gegründeten Kunstinstitut und (1885) 9530 Einw.

Peabody (spr. pihboddi), George, amerikan. Philanthrop, geb. 18. Febr. 1795 zu Danvers (jetzt Peabody) in Massachusetts, wurde Kaufmann und gründete 1837 ein Bankgeschäft in London, wo er seitdem lebte. Durch seine Thätigkeit in den Besitz eines ungeheuern Vermögens gelangt, verwandte er dieses in großartige Weile zu wohlthätigen Zwecken, besonders zur Hebung des Erziehungswesens. Zu diesem Zweck spendete er seinem Geburtsort nach und nach 270,000 Dollar, der Stadt Baltimore 1,4 Mill. Doll., zur Errichtung von Schulen in den Südstaaten für Zöglinge ohne Unterschied der Hautfarbe 3,5 Mill.