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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pegu; Pehlewân; Pehlewi

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Pegu - Pehlewi.

als der wahren Unschuldswelt, Häufung von schmückenden Beiwörtern, Malerei durch Sprache und gekünstelte Strophenformen etc.) und wirkten hierdurch wie durch geistlose Nachäfferei der Italiener und Spanier nur zum Verfall der deutschen Poesie, die sie zu heben beabsichtigten. Die anfangs in Privatgärten gehaltenen Versammlungen des Ordens wurden 1681 in einen Wald bei Kraftshof verlegt, wo durch zierliche Anlagen ein "Irrhain" geschaffen und in diesem eine Anzahl von Denkmälern verewigter Mitglieder (deren jedes einen Hirtennamen und als Sinnbild eine Blume führte) errichtet wurde. 1794 fand eine Umgestaltung des Ordens statt, der als einfache litterarische Gesellschaft noch heute besteht. Vgl. Tittmann, Die Nürnberger Dichterschule. Harsdörfer, Klaj, Birken (Götting. 1847).

Pegu, Regierungsbezirk (Division) der Provinz Britisch-Birma im englisch-ind. Kaiserreich, begrenzt im N. vom ehemaligen Reich Birma, im O. von der Division Tenasserim, im S. vom Golf von Martaban, im W. vom Irawadi, gegen welchen der gleichnamige Fluß die Grenze bildet, umfaßt 23,721 qkm (431 QM.) mit (1881) 1,262,393 Einw., davon 91 Proz. Buddhisten und 19,815 Christen. Der Nationalität nach sind weitaus die meisten Birmanen, dann Karen, Taleng u. a.; von Europäern zählte man 11,860, darunter 339 Deutsche. Den ganzen östlichen Teil durchzieht eine von N. nach S. streichende bewaldete Bergkette, welche die Grenze gegen Tenasserim bildet und nach S. in niedrige Hügel ausläuft; durch das flache Gelände zwischen dieser Kette und dem Irawadi zieht die Eisenbahn von Rangun nach Prome. Von Flüssen sind außer dem schon genannten Irawadi im südöstlichen Teil der eine ansehnliche Strecke aufwärts schiffbare Pegufluß zu nennen; im äußersten Südosten mündet der Silang. Das Klima ist sehr feucht (bis 6 m Regen im Jahr); die Jahrestemperatur erreicht im Flußdelta 27° C. Von dem Gesamtareal sind 10,287 qkm kulturfähig und 5291 qkm bebaut. In erster Linie wird Reis gebaut, dann Ölsaaten, Tabak, Baumwolle; sehr bedeutend ist die Kultur von Fruchtbäumen. Auf den Flüssen leben in 4638 Booten 23,851 Personen. Der Handel ist sehr bedeutend und wird durch ein vielverzweigtes Netz schiffbarer, vom Irawadi und Sitang ausgehender Flußarme gefördert; neben der genannten Eisenbahn ist eine zweite Linie von Rangun nach Tounghu am obern Silang projektiert. Der schiffbare Lauf der Flüsse hat eine Länge von 1146, der der Kanäle eine solche von 60 km. Für Verwaltungszwecke zerfällt P. in vier Distrikte: Rangun Stadt, Hanthawadi, Tharrawadi und Prome. Sitz der Verwaltung ist Rangun. Die Volksbildung ist verhältnismäßig nicht gering; die Zahl der Staatsschulen war 1883: 2030 mit 53,047 Schülern; außerdem waren des Lesens und Schreibens kundig 251,817 Personen männlichen und 10,684 weiblichen Geschlechts. - Die Stadt P., am gleichnamigen Fluß im Hanthawadidistrikt, war vor ihrer Zerstörung durch Alompra (1757) eine große und reiche Stadt und die Hauptstadt des Königreichs Taleng, zählte aber 1881 nur 5891 Einw. Portugiesen erlangten hier 1540 Zutritt und hatten noch im Beginn des 17. Jahrh. Einfluß. 1569 besuchte ein Venezianer, 1586 der erste Engländer die Hauptstadt. Sie wurde im ersten birmanischen Krieg von den Engländern genommen, doch gleich darauf von den Birmanen zurückerobert, 1852 aber endgültig von England besetzt. Vgl. Phayre, On the history of P. (im "Journal of the Asiatic society of Bengal". Kalkutta 1873).

Pehlewân (pers.), in der Heldensage der Perser s. v. w. Krieger, Kampfesheld; dann Bezeichnung für Gaukler, welche als Fechter, Ringer, Seiltänzer, Diskoswerfer etc. ihre körperliche Kraft und Geschicklichkeit zeigen.

Pehlewi (Mittelpersisch), die Sprache Irans zur Zeit der Sassaniden (3.-7. Jahrh. n. Chr. und früher) eine höchst merkwürdige, künstlich zusammengesetzte Mischsprache, deren vollständige Entzifferung erst in neuester Zeit, namentlich durch die Forschungen von Haug, Mordtmann und West bewerkstelligt werden konnte. Man unterscheidet gewöhnlich zwischen dem P. der Bücher und dem P. der Inschriften, das auch auf Münzen und auf geschnittenen Steinen vorliegt. Der Name P. scheint "Sprache der Parther" (Pahlava) zu bedeuten, die nach dem Sturz des persischen Reichs durch Alexander d. Gr. über ein Jahrhundert lang (bis zur Gründung des Sassanidenreichs 226 n. Chr.) in Iran herrschten. Aus dieser Periode stammen die ältesten Pehlewimünzen, die nach Levy dem 4. Jahrh. v. Chr. angehören; wahrscheinlich reicht aber die Entstehung des P. in eine noch frühere Periode hinauf, nämlich entweder in die Zeit der assyrischen Herrschaft über Iran, die schon im 8. Jahrh. v. Chr. ihr Ende erreichte, oder wenigstens in die Zeit der Herrschaft der syrischen Kultur in Vorderasien. Aus dieser assyrischen oder syrischen Einwirkung erklärt sich der aramäische Charakter, den das P. sowohl in betreff seiner Schriftzüge (so namentlich in dem ältern, dem Westen Irans angehörigen Chaldäopehlewi der ältesten Münzen) als in betreff seiner sprachliche Eigentümlichkeiten zeigt. Es ist, wenigstens was seine semitischen Bestandteile betrifft, eine Tochter der schon in assyrischen Inschriften des 8. Jahrh. v. Chr. auftretende aramäischen Dialekte (s. Aramäische Sprachen). Neben dem Aramäischen hatten sich aber die einheimischen indogermanischen Dialekte Irans, die aus dem Zend und Altpersischen hervorgingen, im Volk fortwährend behauptet und mußten zur Zeit der Sassaniden, welche die altnationale Religion Zoroasters und das nationale Wesen neu aufrichteten, wieder entschieden hervortreten. So entstand das P. der Sassaniden, das als Schriftsprache einen vorherrschend semitischen (aramäischen) Charakter hatte, in der Aussprache aber rein indogermanisch war, indem man nämlich anstatt der semitischen Wörter und Formen nationalpersische Wörter und Formen von gleicher Bedeutung auszusprechen pflegte. Die Schriftsprache heißt auch Huzwaresch; sie enthält über 500 aramäische Wörter und Formen, und namentlich sind die Pronomina, die gebräuchlicheren Präpositionen und überhaupt die gewöhnlichste Bezeichnungen dem Aramäischen entnommen. Aber noch jetzt werden von den Parsenpriestern bei lautem Lesen die betreffenden Wörter nicht nach ihrem wahren Lautwert ausgesprochen, sondern sie bedienen sich gleichbedeutender persischer Vokabeln. Das Parsi, eine jüngere Nebenform des P., und das Neupersische haben dagegen die aramäischen Elemente auch in der Schrift beseitigt. - Die Pehlewilitteratur ist fast ausschließlich religiösen Inhalts und von großer Bedeutung für die Erforschung der durch ihr hohes Alter und ihre reine Moral so interessanten zoroastrischen Religion. Besonders wichtig ist die Pehlewiübersetzung des Zendavesta, die vielleicht schon in die Zeit der assyrischen Herrschaft über Iran zurückreicht (Haug), in ihrer jetzigen Gestalt aber wohl nicht älter als das 7. Jahrh. n. Chr. ist; sie ist größtenteils herausgegeben von Spiegel in seiner