Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Penn.; Penna; Pennabilli; Pennāl; Pennalismus; Penne; Pennīn

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Penn. - Pennin.

stoßen, begann P. in den Gassen von London zu predigen. 1668 wegen der Schrift "The sandy foundation shaken" in den Tower gesetzt, schrieb er hier während seiner siebenmonatlichen Gefangenschaft das Werk "No cross, no crown" (Lond. 1669; deutsch u. d. T.: "Ohne Kreuz keine Krone", Pyrmont 1825) und eine Rechtfertigungsschrift: "Innocency with her open face". Durch seines Vaters Tod 1670 erbte er 1500 Pfd. Sterl. jährliche Renten und eine Forderung von 16,000 Pfd. Sterl. an den Staat für vorgeschossene Kriegskosten. Um zunächst die eignen Glaubensgenossen fortgesetzten Verfolgungen zu entziehen, stellte er 1680 an die Regierung den Antrag, ihm gegen seine Schuldforderung ein Gebiet in Nordamerika zuzuteilen. Durch Patent vom 4. März 1681 erhielt er für sich und seine Erben einen Landstrich am westlichen Ufer des Delaware von 40-43° nördl. Br. mit fast unumschränkten Hoheitsrechten. Derselbe erhielt auf des Königs Wunsch den Namen Pennsylvanien (Penns Waldrevier). P. berief 1682 die Kolonisten zu einer Generalversammlung und sanktionierte die schon vorher entworfenen 24 Konstitutionsartikel, welche späterhin (1776) dem Verfassungsentwurf der Vereinigten Staaten zu Grunde gelegt wurden. Außerdem trat P. mit den Indianern in freundschaftliche Verbindung, kaufte ihnen große Ländereien ab und gründete 1683 die Stadt Philadelphia. 1684 kehrte er nach England zurück und suchte für seine Glaubensgenossen Duldung auszuwirken. Da er dabei den allgemeinen Grundsatz der Gleichberechtigung aller Konfessionen und der unbedingten Gewissensfreiheit aufstellte und die ausschließliche Herrschaft der Hochkirche und der Uniformitätsakte bekämpfte, gewann er das besondere Vertrauen König Jakobs II., der Penns Idealismus benutzte, um dem Katholizismus in England freie Bewegung zu verschaffen und die katholische Reaktion vorzubereiten, was P. den Haß der Whigs zuzog. Erst unter Wilhelm III. erlangte er für seine Glaubensgenossen Duldung. Durch zu große Freigebigkeit in seinen Vermögensumständen sehr zurückgekommen, verkaufte er 1712 sein Eigentumsrecht an Pennsylvanien für 280,000 Pfd. Sterl. an die Krone und lebte zurückgezogen auf seinem Landgut Rushamb in Buckinghamshire, wo er 30. Mai 1718 starb. P. war der Typus der praktisch-idealen Weltanschauung des Quäkertums. Penns gesammelte Schriften erschienen London 1726 und 1782 in 4 Bänden, mit einer Biographie. Vgl. die Biographien von Marsillac (Par. 1791, 2 Bde.; deutsch, Straßb. 1793), Clarkson (Lond. 1813, 2 Bde.), Janney (mit Auswahl aus Penns Briefwechsel, 2. Aufl., Philad. 1856), Dixon (neue Ausg., Lond. 1872), Stoughton (das. 1882) und "W. P. und die Zustände Englands 1644 bis 1718" (a. d. Engl. von E. Bunsen, Leipz. 1854).

Penn., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Thomas Pennant, geb. 14. Juni 1726, gest. 16. Dez. 1798 als Friedensrichter auf seinem Landsitz Downing in Flintshire. Hauptwerke: "British zoology" (Lond. 1766-76 u. 1812, 4 Bde.); "History of quadrupeds" (1791; 3. Aufl. 1793, 2 Bde.); "Arctic zoology" (1784-87, 3 Bde.).

Penna (lat.), die Feder.

Pennabilli, Städtchen in der ital. Provinz Pesaro e Urbino, Kreis Urbino, unweit der Marecchia, am Berg Carpegna, ist Bischofsitz, hat ein Seminar mit Bibliothek, etwas Handel (als Hauptort der kleinen Gebirgslandschaft Montefeltre) und (1881) 692 Einw.

Pennāl (mittellat.), Federbüchse; in der ältern Studentensprache (etwa seit 1600) ein neuangekommener Student im Gegensatz zu den alten Studenten (vgl. Pennalismus); jetzt s. v. w. Schüler.

Pennalismus (neulat., Pennalwesen), Inbegriff der Neckereien und Unbilden, welchen neuangekommene Studenten, sogen. Pennale (vgl. Pennal), später Füchse genannt, auf den Universitäten von seiten der ältern Studenten früher ausgesetzt waren. Der P., in den Sitten und Unsitten der mittelalterlichen fahrenden Schüler wurzelnd, bildete sich um 1600 auf den protestantischen Universitäten Deutschlands zu einem systematischen Unwesen aus. Die alten Studenten hießen Schoristen, weil sie die jüngern schoren, d. h. foppten, verhöhnten. Die Pennale hießen auch Schützen, Neovisti (Neulinge), Vulpeculae (Füchse), Caeci (Blinde), Vituli (Mutterkälber, Säuglinge), Innocentes (Unschuldige), Imperfecti (als Gegensatz zu Absoluti), Galli domestici (Haushähne), Dominastri, Rapschnäbel, Bacchanten etc. Die Schoristen betrachteten den Pennal als ihren Diener oder Famulus, und diese Herrschaft bezog sich oft auf Person und Eigentum der Pennale. Sie waren zu den niedrigsten Dienstleistungen gezwungen und den gröbsten körperlichen Mißhandlungen ausgesetzt. Erst nach Ablauf eines Jahrs erfolgte die Deposition oder Enttölpelung unter allerhand plumpen, sinnbildlichen Handlungen. Die Schoristen der verschiedenen Universitäten standen in enger Verbindung und gewährten sich gegenseitig Sicherheit gegen die Verfolgungen der vorgesetzten Behörden. Die Versuche, diesem Unwesen ein Ziel zu setzen, waren lange vergeblich, da die Pennale sich gemeinschaftlich mit den Schoristen allen Anordnungen der Behörden widersetzten. Schon 1613 erschien auf der Universität zu Jena ein Edikt gegen den P., und ähnliche Edikte erließen Frankfurt, Rostock; Wittenberg etc. Doch erst später ergriff man strengere Maßregeln dagegen, so in Gießen 1656, in Leipzig 1660, in Jena 1661 und 1663. Dessenungeachtet erhielten sich Überreste des P. noch geraume Zeit. Gewisse unschuldige Erinnerungen an denselben bewahrt die Burschensitte der deutschen Universitäten noch heute. Auch in Gymnasien, namentlich in geschlossenen Pensionsanstalten, hat sich hier und da ein pennalistischer Komment eingeschlichen. Von andern Ständen haben namentlich die Buchdrucker das Pennalwesen nachgeahmt. Vgl. Schöttgen, Historie des ehedem auf Universitäten gebräuchlichen Pennalwesens (Dresd. 1747); v. Raumer, Geschichte der Pädagogik, Bd. 4 (4. Aufl., Gütersl. 1874).

Penne, in Berlin und andern Orten s. v. w. gemeine Nachtherberge, Gaunerkneipe; daher Pennbruder, s. v. w. Strolch.

Penne, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Teramo, am Fuß des Col d'Alterolo, Bischofsitz, hat eine Kathedrale mit ehernem Taufbecken, Reste von Mauern und Inschriften aus römischer Zeit, ein Seminar, Wein- und Ölbau, Fabrikation von Leder und künstlichen Blumen und (1881) 4228 Einw.

Pennīn, Mineral aus der Ordnung der Silikate (Chloritgruppe), kristallisiert rhomboedrisch, findet sich aufgewachsen und in Drusen, ist lauchgrün bis schwärzlichgrün, quer auf die Achse hyacinthrot bis braun durchscheinend, mit Perlmutterglanz, in dünnen Lamellen durchsichtig, Härte 2-3, spez. Gew. 2,61-2,77. Die chemische Zusammensetzung dürfte der Formel H2R5SiO12+H6Al2O6 ^[H_{2}R_{5}SiO_{12}+H_{6}Al_{2}O_{6}] entsprechen, wobei R vorwaltend Magnesium neben oxydulischem Eisen ist. Dieselben nähern Bestandteile in anderm Molekularverhältnis bilden auch den eisenreichern Chlorit, während Klinochlor mit P. übereinstimmt.