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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Peristerium - Perkussion.

Peristerĭum (griech., "Taubenschlag"), ein metallener (goldener oder silberner) Behälter in Gestalt einer Taube, welcher in mittelalterlichen Kirchen zur Aufbewahrung des heil. Brots diente. Dasselbe befand sich in einer Pyxis, welche durch eine Klappe im Rücken der Taube in den Körper derselben hineingelegt werden konnte. Die Zahl der noch vorhandenen Peristerien beläuft sich auf etwa 15 (s. Abbild.). Vgl. auch Ciborium.

^[Abb.: Peristerium (Hostiengefäß).]

Peristōm (griech.), in der Botanik besonders der Mundbesatz am Rande der geöffneten Laubmooskapsel; s. Moose, S. 791.

Peristrŏphe (griech.), in der Rhetorik die "Umkehrung" eines vom Gegner gebrauchten Beweisgrundes gegen diesen selbst.

Peristylium (lat.), der mit Säulen geschmückte und von einer Mauer umgebene Hof des altröm. Hauses, welcher hinter dem Tablinum lag und durch die Fauces mit dem Atrium in Verbindung stand.

Peristylos (griech.), ein Tempel, der ringsum von Säulen oder einer Galerie umgeben ist.

Perithecĭen (griech., Kernfrüchte), eine Art der Fruchtkörper bei den Pilzen (s. d.).

Peritonaeum (griech.), das Bauchfell (s. d.).

Peritoneālflüssigkeit, s. Seröse Flüssigkeiten.

Peritonītis (griech.), s. Bauchfellentzündung.

Perityphlītis (griech.), Entzündung des Blinddarms und seiner Umgebung.

Perjámos, Dorf im ungar. Komitat Torontál, an der Österreichisch-Ungarischen Staatsbahnlinie Valkány-P. und der Mündung der Aranka in die Maros, mit Holzhandel, Pferdezucht, Fischerei, Mühlenbetrieb und (1881) 5496 deutschen Einwohnern.

Perjanik (Plural Perjanici), wörtlich "Federbuschträger", Name der vom Wladika Peter II. 1833 errichteten berittenen Leibgarde des Fürsten von Montenegro; gegenwärtig 100 Mann.

Perjuration (Perjurium, lat.), die wesentliche Verletzung des Eides, s. Meineid.

Perkāl (franz. percale), ursprünglich ein ostind. glattes, feines, dichtes, weißes Baumwollgewebe, dem europäischen Kambrik nahekommend, aber seiner, ist gegenwärtig vollständig durch gleichwertig europäische Ware gleiches Namens verdrängt. Die stärkern, für den Druck bestimmten Sorten (Drukperkals) gleichen ganz den Kalikos; die feinsten sind immer noch dichter als Musselin und gehen auch unter dem Namen Batistmusselin.

Perkan, Zeug, s. Berkan.

Perkontieren (lat.), erkundigen, erforschen.

Perkūnos, der oberste Gott bei den alten heidnischen Litauern, Letten und Preußen, in heiligen Hainen verehrt. Berühmt war namentlich seine Kultusstätte zu Romove bei Schippenbeil in Ostpreußen (vereint mit der des Potrimpos und Pikullos) an einer heiligen Eiche, bei der ihm ein ewiges Feuer von den Waidelotten oder Kriwen (Priestern) unterhalten wurde. Seine Bildsäule, roh aus Stein oder Holz gemeißelt, trug die Züge eines zornentbrannten Mannes; das Gesicht war feuerrot und das wirre Haar mit Feuerflammen gekrönt. Er gebot über das Wetter; der Donner war seine Sprache (welche der Waidelotte deutete). Den vom Blitz Getroffenen sollte er zu sich genommen haben, daher hielt man es für ein großes Glück. P. wurde wie die beiden andern Götter mit allerhand Gaben verehrt; als das angenehmste Opfer galt das Blut der Feinde. P. (slaw. Perun) wird mit dem indischen Pardschanja, dem Gott der Gewitterregen, identifiziert.

Perkussion (lat., "Erschütterung"), im allgemeinen die Entzündung eines Knallpräparats durch schnelle Verdichtung mittels eines Stoßes oder Schlags. In der Medizin ist P. das Beklopfen des menschlichen Körpers, einer der wichtigsten Akte der physikalischen Untersuchung, wird entweder mit den bloßen Fingern oder mittels besonderer Instrumente ausgeführt. Übt man die P. mit den bloßen Fingern aus, so legt man den Mittelfinger der linken Hand auf die zu beklopfende Stelle und schlägt dann mit der Spitze des rechten Mittelfingers gegen den vordern Teil der Rückenfläche des aufgelegten linken Fingers. Die Instrumente, deren man sich zur P. bedient, sind das Plessimeter und der Perkussionshammer (Wintrichscher Hammer, s. Fig.). Ersteres ist eine rundliche oder ovale Elfenbeinplatte von 2-4 cm im Durchmesser, welche einen etwa ½ cm hohen, senkrecht zur Platte stehenden Rand besitzt, um das Instrument bequem fassen zu können. Dasselbe wird, den Rand nach aufwärts, flach auf die zu beklopfende Stelle aufgelegt. Der Perkussionshammer hat einen langen, platten Griff, an welchem ein eiserner Arm unter rechtem Winkel befestigt ist; der Arm trägt an seinem freien Ende eine rundliche, aus Gummi bestehende Anschwellung von 6 mm Durchmesser. Den Hammer benutzt man zum Klopfen, doch kann man auch mit dem Finger direkt gegen das mit der linken Hand aufgelegte Plessimeter schlagen. Beim Beklopfen eines Körperteils läßt sich an der Art des Schalles, welcher erzeugt wird, erkennen, ob der perkutierte Teil Luft enthält oder nicht. Ist letzteres der Fall, dann können wir durch die P. nicht weiter ergründen, ob der beklopfte Teil ein fester oder flüssiger und von welcher Beschaffenheit er ist. Da aber die festen, luftleeren Organe der Brust- und Bauchhöhle meist zwischen lufthaltigen liegen (das Herz zwischen beiden Lungen und dem Magen, die Leber und Milz zwischen Lunge und Darm), so läßt sich durch die P. die Lage und Größe der erstern und

^[Abb.: Perkussionshammer. Plessimeter.]