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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Persische Sprache; Persischer Meerbusen; Persisches Insektenpulver

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Persischer Meerbusen - Persische Sprache.

welches Nachrichten über die altpersische Religion liefert (pers. von Olshausen, Par. 1829; deutsch von Vullers, Bonn 1831); "Dâbistân", eine Darstellung aller Religionen Asiens (Kalkutta 1809; engl. von Shea und Troyer, Par. 1843, 3 Bde.). In der Medizin, Pharmazie, Botanik, Physik hat die p. L. schätzbare Werke aufzuweisen, wovon wir hier nur das medizinische Werk "Tuhfat el Mûminîn" von Mohammed Mumin Hußeinî (um 1700) erwähnen. Die mathematischen Wissenschaften verdanken in der arabischen Litteratur einen großen Teil ihrer Ausbildung persischen Gelehrten. Der Seldschukkide Malek Schah veranlaßte 1072 die musterhafte Berechnung des Dschelâleddinschen Sonnenjahrs. Schon früh gab es persische Übersetzungen des Eukleides und Ptolemäos. Hauptsächlich förderte diese Studien Nasîr eddin, Direktor der von Hulagû (1259) zu Merâga erbauten Sternwarte und Verfasser eines noch vorhandenen Lehrbuches über Geometrie, Astronomie und Astrologie. Nach Merâga mußten die ausgezeichneten Gelehrten kommen, und aus den dort gemeinschaftlich angestellten Beobachtungen gingen die "ilchanischen Tafeln" hervor (vgl. Jourdain, Mémoire sur l'observatoire de Méragha, Par. 1810). Nicht minder berühmt sind die "kaiserlichen Tafeln", die der gelehrte Fürst Ulug Beg (in der ersten Hälfte des 15. Jahrh.), der die Sternwarte zu Samarkand anlegte, mit Ghiâs Dschemschîd gemeinschaftlich verfaßte (hrsg. von Hyde, Oxford 1665). Die Philosophie fand durch die Kenntnis der Werke der griechischen Philosophen früh bei den Persern Eingang, nur schrieben die persischen Gelehrten ihre hierher gehörigen Werke meist arabisch. Zu erwähnen sind einige ethische Schriften: "Kîmiâ-i-Saâdet" von Alghasâli (gest. 1111); "Achlâk-i-Nâçirî" von Nasîr eddin Tûßî (gest. 1273; lithographiert Bombay 1267 d. H. u. öfter); "Achlâk-i-Muhsinî" von dem Korankommentator Hußein Wâïs Kâschifî (gest. 1504; herausgegeben Kalkutta 1809, Hertford 1853 u. öfter); "Achlâk-i-Dschalâlî" (Kalkutta 1811; engl. von Thompson, Lond. 1839) u. a. Im Gebiet der Rhetorik sind zu erwähnen: "Hadâik-i-balâghat", d. h. die Lauben der Beredsamkeit, von Schems eddin (Kalkutta 1814) und "Nahr ul Façâhat", d. h. der Strom der Beredsamkeit, von Mirza Katîl (das. 1820). Außerdem haben die Perser auch zahlreiche Werke der altindischen Litteratur übersetzt, z. B. die epischen Gedichte: "Râmayâna" und "Mahâbhârata", einzelne Upanischads etc. Reichhaltige Verzeichnisse neupersischer Werke sind: Stewart, Catalogue of the oriental library of the late Tippoo Sultan of Mysore (Cambridge 1809); Ouseley, Catalogue of several hundred manuscript-works (Lond. 1831); Sprenger, Catalogue (s. oben); Morley, Descriptive catalogue (höchst wertvoll für die historische Litteratur der Perser, Lond. 1854); Flügel, Katalog der orientalischen Handschriften in der Wiener Hofbibliothek (Wien 1865-67, 3 Bde.); Rieu, Catalogue of the Persian manuscripts in the British Museum, (Lond. 1879, Bd. 1); Pertsch, Verzeichnis der persischen Handschriften der königl. Bibliothek zu Berlin (Berl. 1888); die orientalische Kataloge von München, St. Petersburg, Kopenhagen, Leiden, Gotha etc.

Persischer Meerbusen (Sinus Persicus, Golfo di Bassora), Meerbusen, welcher aus dem Arabischen Meer durch die Straße von Ormus in nordwestlicher Richtung zwischen Arabien und Persien in den asiatischen Kontinent eindringt und einen Flächenraum von 238,970 qkm (4340 QM.) einnimmt, wovon ungefähr 4100 qkm auf Inseln kommen. Die bedeutendsten der letztern sind: Kischm, Ormus, Bubian, unweit der Euphratmündung, und die wegen ihrer Perlenfischerei bekannten Bahreïninseln. Die Küsten des Meerbusens gehören größtenteils der Kalkformation an; an der arabischen Seite sind sie meist flach und sandig, an der persischen dagegen hoch und oft ohne jeden Küstensaum. Die mittlere Breite des Golfs beträgt 185, die größte 334 km; der Eingang zwischen Ras Mesandum und Kuren in Persien ist 55 km breit. Von Persien aus ergießen sich nur kleine Flüsse in den Meerbusen, aus der Türkei dagegen der mächtige Schatt el Arab. Die Schiffahrt ist im allgemeinen wegen der ziemlich gleichmäßigen bedeutenden Tiefe leicht und sicher; auch wird sie durch zahlreiche gute Ankerplätze und durch die regelmäßigen Strömungen begünstigt, welche vom Mai bis Oktober in den Golf ein- und vom Oktober bis Mai aus demselben ausströmen. Die leitende Macht im Persischen Golf, welche auch die Meerespolizei ausübt, ist England, welches durch Verträge mit den hauptsächlichsten Uferstaaten (Kueit, Bahreïn, Maskat, Persien) diese Machtstellung befestigt hat. Es unterhält einen Residenten in Abuschehr und Agenten in Bassidor, Lindscha und Bahreïn sowie ständig eine Korvette und vier Kanonenboote im Busen.

Persisches Insektenpulver, s. Insektenpulver.

Persische Sprache, die wichtigste Sprache der iranischen Familie des indogermanischen Sprachstammes. Aus dem sehr altertümlichen formenreichen Altpersischen, das in den Inschriften der Achämenidenkönige aus den Zeiten des alten Perserreichs vorliegt, entwickelte sich das Pehlewi oder Mittelpersische, die Reichssprache der Sassaniden im 3.-7. Jahrh., mit der jüngern Nebenform Pârsî (s. Iranische Sprachen), endlich, etwa 1000 n. Chr., das Neupersische, das meistens schlechtweg "Persisch" genannt wird. Das Neupersische hat seitdem keine wesentlichen Umwandlungen mehr durchgemacht, ausgenommen die Ersetzung vieler alter persischer Wörter und Wendungen durch arabische. Es herrscht in ganz Iran, wenn auch in einzelnen Distrikten neben ihm Türkisch, Kurdisch, Armenisch, Chaldäisch und Arabisch als Sprachen des Volkes auftreten; ja, als Schriftsprache reicht es durch ganz Turkistan über Belutschistan, Afghanistan und über einen großen Teil von Indien hin und hat auch das Türkische stark beeinflußt. Die p. S. besitzt drei Vokale: a, i, u, sowohl kurz als lang, und die aus der Kombination derselben entstehenden Diphthongen; kurzes a ist wie ä (engl. a in fat), langes a fast so dunkel wie unser o (engl. aw in paw), langes u teilweise wie o zu sprechen. Die Konsonanten entsprechen ungefähr den deutschen, ziemlich genau den slawischen; zwischen weichem und scharfem s und sch wird sorgfältig unterschieden, auch sind ein weicher und harter Gaumenlaut, tsch und dsch, und ein Überfluß an gutturalen Hauchlauten vorhanden. Das Alphabet ist im wesentlichen das arabische und, wie letzteres, eine Silbenschrift, welche vornehmlich die Konsonanten bezeichnet und für die Vokale keine besondern Charaktere besitzt, abgesehen von drei über oder unter die vorausgehenden Konsonanten gesetzten Unterscheidungszeichen, welche die drei kurzen Vokale ausdrücken. Es gibt 32 Konsonanten, von denen 20 dem Arabischen und Persischen gemeinsam, 4 dem Persischen eigentümlich, 8 fast nur in arabischen Wörtern üblich sind; 3 dieser Konsonanten, der spiritus lenis, das j und das h, werden zugleich zur Bezeichnung der langen Vokale und Diphthongen verwendet. Es gibt drei Schriftarten: das Talik, aus der arabischen