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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pestessig - Petavius.

Kräfte des menschlichen Geistes", sich ein unsterbliches Verdienst um die Pädagogik erworben. Am 12. Jan. 1846 ward Pestalozzis 100jähriger Geburtstag an vielen Orten festlich begangen und seitdem mehrere durch Privatbeiträge gestiftete und unterhaltene Erziehungs-, Bildungs- und Besserungsanstalten, namentlich für die ärmern Klassen, Pestalozzi-Stiftungen genannt. Vor allen bekannt ist die von Diesterweg begründete Deutsche Pestalozzi-Stiftung zu Berlin, die in Pankow zwei Erziehungshäuser für Lehrerwaisen (zusammen ca. 40 Zöglinge) unterhält. Auch Pestalozzi-Vereine bestehen fast in allen Ländern und Provinzen deutscher Zunge, welche die Unterstützung dürftiger Lehrerwitwen und Lehrerwaisen sich zur Aufgabe stellen. Pestalozzis "Sämtliche Schriften" erschienen Stuttgart und Tübingen 1819-26, 15 Bde.; "Sämtliche Werke", mit erläuternden Einleitungen von Seyffarth, neue Ausg., Berl. 1881, 18 Bde. Vgl. Biber, Beitrag zur Biographie H. Pestalozzis (St. Gallen 1827); Blochmann, H. Pestalozzi, Züge aus dem Bild seines Lebens und Wirkens (Leipz. 1846); Christoffel, Pestalozzis Leben und Ansichten aus Pestalozzis Schriften (Zürich 1846); Morf, Zur Biographie Pestalozzis (das. 1864-85, 3 Bde.); Seyffarth, Joh. Heinr. P. (6. Aufl., Leipz. 1876); Krüsi, P., his life, Work and influence (New York 1875); Frau Zehnder-Stadlin, Pestalozzis Idee und Macht der menschlichen Entwickelung (Gotha 1875, Bd. 1); Pompée, Études sur la vie et les travaux de J. H. P. (2. Aufl., Par. 1878); Hunziker, Geschichte der schweizerischen Volksschule, Bd. 2 (Zürich 1881-82); Derselbe, P. und Fellenberg (Langensalza 1879); Derselbe, Rousseau und P. (Bas. 1885); Guillaume, P. (in Buissons "Dictionnaire de pédagogie", Par. 1887); v. Raumer, Geschichte der Pädagogik, Bd. 2 (5. Aufl., Gütersl. 1879); Vogel, Systematische Darstellung der Pädagogik Pestalozzis (Hannov. 1886); Guimps, Histoire de P. (2. Aufl., Lausanne 1888).

Pestessig, s. Essige, aromatische.

Pestfahne, s. Fahne, S. 1017.

Pestĭfer (lat.), die Pest bringend, gleich der Pest ansteckend; an Pflanzen s. v. w. giftig.

Pestilentiarĭus (lat.), jetzt selten gewordener Titel für den Geistlichen, welcher in Pestzeiten mit Besuchen der Pestkranken eigens beauftragt war.

Pestilénz (lat. pestilentia), s. v. w. Seuche, Pest.

Pestilénzkraut, s. Galega.

Pestilénzwurz, s. v. w. Pestwurz, s. Petasites.

Pestvogel, s. v. w. Seidenschwanz.

Pestwurz, Pflanzengattungen, s. Petasites und Cacalia.

Petalīt (Kastor), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Augitreihe), kristallisiert monoklinisch, meist nur in zackigen, sehr monströs ausgebildeten Kristallen, findet sich auch derb in körnigen Aggregaten; er ist farblos, rötlich, stark glasglänzend, durchsichtig oder durchscheinend, Härte 6,5, spez. Gew. 2,40, besteht aus Lithiumaluminiumsilikat 3Li2Si2O5 ^[3Li_{2}Si_{2}O_{5}], 4Al2Si6O15 ^[4Al_{2}Si_{6}O_{15}], enthält auch Natrium und findet sich im Gneis von Utöen, im Granit von Elba und im Marmor von Bolton in Massachusetts.

Petalodīe, die durch vor- oder rückschreitende Metamorphose bewirkte Umbildung eines Blattes oder Blütenteils in ein Blumenblatt.

Petălum (lat.), Blumenblatt (s. Blüte, S. 64); petaloidisch, blumenblattähnlich.

Petaluma, wichtigste Stadt der Grafschaft Sonoma im nordamerikan. Staat Kalifornien, am gleichnamigen schiffbaren Fluß, der südlich in die San Pablobai fließt, hat große Kornspeicher und (1880) 3326 Einwohner.

Petáncz (spr. -tānz), Ort im ungar. Komitat Eisenburg, mit einem vorzüglichen alkalischen Säuerling, welcher unweit der Quelle des steirischen Radein entspringt und unter dem Namen Széchényi-Quelle in den Handel kommt.

Petarde, kleiner Mörser mit Zündloch im Boden, der mit Pulver gefüllt, vermöge einiger Ansätze an seiner Mündung auf dem viereckigen Madrillbrett befestigt und mittels desselben an Thore, Mauern, Palissadierungen, auch auf Ankerketten (Kettenpetarden) etc. gehängt wurde, um in diesen durch die Explosion der Ladungen eine Öffnung herzustellen. Die P. soll zuerst um 1570 in Frankreich in Anwendung gekommen sein, ist jetzt aber außer Gebrauch. Petarden heißen auch die Knallsignale der Eisenbahnen, welche auf die Schienen gelegt, durch die Lokomotive mit starkem Knall zur Explosion gebracht werden, um als Haltesignal für den Lokomotivführer zu dienen.

Petare, Hauptstadt der Sektion Bolivar des Staats Guzmán Blanco der Bundesrepublik Venezuela, 10 km südöstlich von Carácas, am Guaire, mit (1873) 5621 Einw.

Petasītes Tourn. (Pestwurz), Gattung aus der Familie der Kompositen, ausdauernde, an feuchten Stellen wachsende, mehr oder minder weißfilzige Kräuter mit großen, herz- oder nierenförmigen, grundständigen, nach der Blütezeit erscheinenden Blättern und mittelgroßem zu Trauben, Rispen oder Doldenrispen gruppierten Blütenköpfchen. 12 Arten in Europa, Asien und Nordamerika. P. officinalis Mnch. (Tussilago P. L., Giftwurz, Roßpappel), in Deutschland, an Ufern und feuchten Orten, mit braunrötlichen Blüten und großen, tief herzförmigen, ungleich gezahnten, unten filzigen, übelriechenden Blättern. Die Wurzel (Neunkraftwurzel, Schweißwurzel), scharf gewürzhaft bitter schmeckend und frisch eigentümlich süßlich riechend, stand früher als Arzneimittel besonders bei der Pest in großem Ruf und gilt auch jetzt noch beim Volk als heilkräftig.

Petăsos (griech.), bei den alten Griechen ein flacher Filzhut mit breiter, runder Krempe, die oft auch mit vier bogenförmigen Einschnitten versehen erscheint (s. Abbildung). Er stammte aus Thessalien und diente mit der Chlamys als Tracht der Epheben. Mit dem geflügelten P. wird gewöhnlich Hermes dargestellt. Die Römer trugen ähnliche Hüte auf dem Land und auf Reisen, in der Stadt meist nur im Theater zum Schutz gegen die Sonne.

^[Abb.: Petasos.]

Petaud (spr. -toh), nach einem altfranz. Märchen Name eines Königs, der nichts zu sagen hat; daher sprichwörtlich: da geht's her wie am Hof des Königs P. (wo jeder Herr sein will).

Petaurist (griech.), Seiltänzer, Luftspringer, von dem Petaurum, einer bei ihren Produktionen gebrauchten Vorrichtung zum Schwingen, so genannt.

Petaurus, Flugbeutler.

Petavĭus, Dionysius (eigentlich Denis Pétau), berühmter Chronolog, geb. 21. Aug. 1583 zu Orléans, erhielt nach beendigten Universitätsstudien eine Lehrstelle der philosophischen Fakultät zu Bourges, gab dieselbe aber nach zwei Jahren wieder auf und trat 1605 zu Paris in den Jesuitenorden. Er lehrte an