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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Peter

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Peter (Oldenburg, Ostrom, Portugal, Rußland).

Beziehungen zu seiner Geliebten, Donna Maria Padilla, deren Brüder und Verwandten sich im Besitz der höchsten Staatsämter befanden, aufzugeben. Dieser Umstand rief einen Aufstand hervor, an dessen Spitze Heinrich von Trastamara, einer seiner Halbbrüder, und Alvaro Perez de Castro standen. Dieselben lockten den König in eine Art Gefangenschaft und vermochten ihn zu dem Verbrechen, die Padilla zu verstoßen. P. entfloh jedoch und erhielt von den Reichsständen Unterstützung, ließ Blanka einkerkern und nahm an seinen Gegnern blutige Rache. Als er 1362 den eben mit Aragonien geschlossenen Frieden wieder brach, verbündeten sich alle seine Feinde gegen ihn; Heinrich von Trastamara drang in Kastilien ein und nahm den Königstitel an. P. gewann jedoch den Prinzen Eduard von Wales, den sogen. Schwarzen Prinzen, durch glänzende Versprechungen für sich und trug 3. April 1367 in der Ebene bei Najera in der Provinz Burgos einen entscheidenden Sieg über Heinrich davon, worauf er mit unerhörter Grausamkeit gegen alle, auch die entferntesten Anhänger seines Rivalen wütete. Inzwischen hatte Heinrich mit Hilfe des Königs Karl V. von Frankreich ein kleines Heer gesammelt und dasselbe in Kastilien bedeutend verstärkt. P. rief die Sarazenen von Granada zu Hilfe und zerstörte die Städte Jaen und Ubeda, die sich für Heinrich erhoben, ward aber 14. März 1369 in der Ebene von Montiel in der Provinz La Mancha geschlagen und 23. März gefangen, worauf ihm Heinrich nach einem heftigen Wortstreit den Dolch ins Herz stieß. Wegen seiner Bemühungen um Verbesserung der Rechtspflege erhielt P. den Beinamen el Justiciero (Rechtsprecher). Seine Geschichte schrieben Nuñez de Cunha (Lissab. 1666), Dillon (Lond. 1788, 2 Bde.) und Mérimée (deutsch, Leipz. 1865).

[Oldenburg.] 8) P. Nikolaus Friedrich, Großherzog von Oldenburg, Sohn des Großherzogs August Paul Friedrich und der Prinzessin Ida von Anhalt-Bernburg-Schaumburg, geb. 8. Juli 1827, folgte seinem Vater 27. Febr. 1853 in der Regierung. 1864 erhob er, nachdem der Kaiser von Rußland alle gottorpschen Erbrechte auf ihn übertragen, Ansprüche auf Schleswig-Holstein, schloß aber 27. Okt. 1866 einen Vertrag mit Preußen, durch den er gegen seinen Verzicht Ahrensböck als Entschädigung erhielt. 1866 trat er auf seiten Preußens, ließ seine Truppen zur Mainarmee stoßen, trat in den Norddeutschen Bund und schloß eine Militärkonvention mit Preußen. Vermählt ist der Großherzog seit 10. Febr. 1852 mit Elisabeth, geb. 26. März 1826, Tochter des Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg, die ihm 16. Nov. 1852 den Erbgroßherzog Friedrich August und 27. Juni 1855 den Prinzen Georg Ludwig gebar.

9) P. Konstantin Friedrich, Herzog von Oldenburg, russ. Staatsmann, Sohn des Prinzen Peter Friedrich Georg von Oldenburg (geb. 9. Mai 1784, gest. 27. Dez. 1812) und der Prinzessin Katharina Paulowna (geb. 1788, gest. 1819), Tochter des Kaisers Paul von Rußland und nachmals vermählt mit König Wilhelm von Württemberg, geb. 26. Aug. 1812 zu Petersburg, hatte frühzeitig intime Beziehungen zu seinem Oheim, dem Kaiser Nikolaus, wurde 1832 Generalmajor, 1834 Generalleutnant, 1841 General der Infanterie. Er genoß auch eine gute juristische Ausbildung, wurde Doktor der Rechte, ging bald in den Zivildienst über und war Chef der vierten Abteilung der eignen Kanzlei des Kaisers, Senator und Präsident des Departements des Reichsrats für Zivil- und kirchliche Angelegenheiten. Ende 1880 feierte der Prinz sein 50jähriges Dienstjubiläum. Er starb 14. Mai 1881. Seine älteste Tochter, Alexandra, geb. 2. Juni 1838, ist seit 1856 mit dem Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch vermählt.

[Oström. Reich.] 10) P. II. von Courtenay, latein. Kaiser, Sohn Peters I., folgte diesem in der Herrschaft über die Grafschaften Tonnerre und Nevers 1183, erwarb durch Heirat die Grafschaft Auxerre und das Erbrecht des flandrischen Grafenhauses auf den lateinischen Kaiserthron, den er nach dem Tode des Kaisers Heinrich I. (1216) einnehmen wollte. Jedoch bei dem Versuch, durch Illyrien und Makedonien nach Konstantinopel vorzudringen, wurde er 1217 von dem griechischen Fürsten von Epirus, Theodoros Angelos, gefangen genommen und getötet. Seine Gattin Jolanthe erreichte Konstantinopel und übernahm dort die Regierung, starb aber schon 1219. Seine Söhne Robert und Balduin trugen nacheinander die Kaiserkrone.

[Portugal.] 11) Könige von Portugal, s. Pedro.

[Rußland.] 12) Kaiser von Rußland: P. I., Alexejewitsch, der Große, Sohn des Kaisers Alexei und der Natalia Kirilowna Naryschkin, geb. 9. Juni (30. Mai) 1672 im Kreml zu Moskau, verlor 1676 in zartester Jugend seinen Vater, dem dessen ältester Sohn, Feodor Alexejewitsch, auf dem Thron folgte. Während dieser Regierung lebten P. und dessen Mutter in stiller Zurückgezogenheit. Als Feodor 1682 starb, ward P. mit Übergehung des ältern, halb blödsinnigen Iwan zum Zaren ausgerufen. Sophie jedoch, Iwans leibliche Schwester, gewann die Strelitzen für den Plan, daß Iwan und P. gemeinschaftlich Zaren sein, sie selbst aber das Reich verwesen solle. Iwan und P. wurden daher 23. Juli 1682 gekrönt; die thatsächliche Regierungsgewalt aber befand sich in den Händen Sophiens, welche 1687 sogar den Titel Selbstherrscherin annahm. Peters Unterricht beschränkte sich auf das Unentbehrlichste. Man ließ seinen Neigungen den freiesten Spielraum und umgab ihn dazu mit einer Schar von jungen Leuten, die sich Thorheiten und Ausschweifungen aller Art überließen. An seinem Hof auf dem Landhaus Preobraschenskoje übte der Fürst Boris Galizyn maßgebenden Einfluß. Vorwiegend beschäftigten Soldatenspiele den jungen Zaren. Bald nachdem sich P. 6. Febr. 1689 mit Eudoxia Feodorowna Lapuchin vermählt, kam es zu einem Konflikt zwischen P. und Sophie. Die letztere wurde eines Mordanschlags auf den jungen Zaren beschuldigt und in das Jungfrauenkloster bei Moskau verwiesen. Iwan überließ dem Bruder gern die Zügel der Regierung. Um die Macht der Strelitzen brechen zu können, vergrößerte P. Leforts Schar und zog eine große Zahl fremder Offiziere nach Rußland. Mit gleichem Eifer verfolgte er den Gedanken, seinem Reich eine Flotte zu schaffen. Nachdem er 1697 eine zu seiner Beseitigung angezettelt Verschwörung blutig unterdrückt und bestraft, die Regierungsgeschäfte einer Anzahl Großer übertragen, die Strelitzen an die Grenzen des Reichs verteilt hatte, trat er im März 1697 im Gefolge einer nach Holland bestimmten Gesandtschaft, an deren Spitze Lefort, Golowin und Wosnizyn standen, unter dem Namen P. Michailow eine Reise ins Ausland an. Er ging über Riga, Mitau, Königsberg und Berlin nach Holland und arbeitete in gemeiner Matrosentracht auf einer Schiffswerfte zu Amsterdam und Zaandam als Zimmermann, bis er sich den Meistertitel erworben. Anfang 1698 ging er nach England, wo er über 500 Handwerker und Techniker aller Art in seine Dienste nahm. Die Universität Oxford überreichte ihm das Doktordiplom. Von Holland,