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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Plache - Plagiat.

doch enthält das Gesetz vom 7. Mai 1874 über die äußern Rechtsverhältnisse der katholischen Kirche die Vorschrift, daß die Erlasse der Bischöfe gleichzeitig mit ihrer Veröffentlichung der Staatsbehörde zur Kenntnisnahme mitzuteilen sind. In Württemberg und Baden ist das P. nur für solche kirchliche Verordnungen beibehalten, welche sich auf bürgerliche und staatsbürgerliche, nicht auf geistliche Gegenstände beziehen. Die protestantische Kirche hat das landesherrliche P. nie bekämpft, und ein Streit darüber kann hier schon um deswillen kaum entstehen, weil in protestantischen Ländern regelmäßig dem Landesherrn das höchste Kirchenregiment sowie die Genehmigung und Verkündigung der Kirchengesetze zusteht. Vgl. Friedberg, Die Grenzen zwischen Staat und Kirche (Tübing. 1872).

Plache, geschwefelte, schwer schmelzbare unedle Metalle.

Plachmal, Schwefelsilber, welches sich bei der Behandlung von güldischem Silber mit Schwefel und Bleiglätte oder mit Schwefelantimon bildet.

Placidia Galla, Tochter des Kaisers Theodosius d. Gr. und der Galla, Schwester des Kaisers Honorius, geriet 410 bei der Eroberung Roms in die Gefangenschaft Alarichs. Seit 414 mit dem Gotenkönig Ataulf vermählt, wurde sie nach dessen Ermordung 415 vom König Sigerich schimpflich behandelt und nach dessen Tod nach Italien zurückgeschickt. 417 heiratete sie den Konsul Constantius, den nachmaligen Mitregenten des Honorius, von dem sie Mutter der Honoria und Valentinians III. wurde. Von 425 bis 445 regierte sie für ihren minderjährigen Sohn Valentinian III. den Occident; starb 27. Nov. 450 in Rom.

Placĭdo (ital., spr. plahtsch-), ruhig, friedlich.

Placĭdus, St., 1) Römer aus patriz. Geschlecht, Schüler Benedikts von Nursia, ward 541 Abt eines Klosters bei Messina und 546 von Seeräubern erschlagen. Sein Tag ist der 11. Juli. Ihm zu Ehren stiftete Nicolas de Panzon 1618 die Kongregation der Benediktiner des heil. P., die 1795 aufgehoben wurde. - 2) Heiliger, s. Eustachius.

Placieren (franz., spr. plaß-), einen Platz, eine Stelle anweisen; anstellen; Placement (spr. -mang), Placierung, Stellung, Anstellung; Anlegung von Kapitalien.

Placilla (spr. -ssillja), Hauptort des Silberminengebiets Caracoles, im chilen. Departement Antofagasta in der Atacamawüste, am westlichen Fuß der Kordilleren, 2980 m ü. M. gelegen, mit 2000 Einw.

Placĭtum (lat.), Willensmeinung, besonders Gutachten; P. imperii, Reichsgutachten.

Plackwerk (Plackage), Bekleidung von Erdwällen und Brustwehren mit bindefähiger (lehmhaltiger) Gartenerde (Plackerde), die man lagenweise an den Böschungen aufschichtet und, wo die Böschung längere Zeit stehen soll, mit Quecken bepflanzt und mit Gras besamt.

Placōdus, s. Reptilien.

Plafond (franz., spr. -fóng), die Decke des Innenraums eines Gebäudes, besonders eine durch Stukkatur oder Malerei verzierte Decke. Zur Verzierung der Decke eines solchen Innenraums führte schon die einfache oder gekreuzte Balkenlage, bei welcher Felder entstehen, die zur Ausschmückung mit Kassetten, Rosetten etc. einladen. Die künstlerische Ausstattung eines Plafonds erfordert, daß keine schwerfälligen Verzierungen, dagegen eine mehr oder minder breite Einfassung und meist eine Markierung des Mittelpunktes angebracht werde. Breite Einfassungen und kleine Mittelstücke lassen einen Innenraum kleiner und höher, schmale Einfassungen und große Mittelstücke lassen ihn größer und niedriger erscheinen. Die Farben des Plafonds sollen leicht, stets bedeutend heller als diejenigen der Wände sein und mit denen der letztern in Harmonie stehen.

Plafondmalerei (Deckenmalerei), die Verzierung der Decke eines Raums mit Gemälden. Die gewöhnlichste und einfachste Art der P. besteht darin, daß von den Enden und dem Gesims der Seitenwände bis zur Decke hinan eine Hohlkehle gemacht und, wo diese aufhört, die Decke mit einigen Gliedern eingefaßt wird. Soll der innere Raum der Decke ebenfalls verziert werden, so wird er entweder in Felder abgeteilt, oder mit Laubwerk, Blumengewinden und Arabesken ausgeschmückt. Viel weiter und in Berücksichtigung der Gesetze naturgemäß Betrachtung vielleicht zu weit ging man, indem man den Plafond mit wirklichen Gemälden (Deckenstücken oder Deckengemälden im eigentlichen Sinn) verzierte. Die ältern Maler, und noch Raffael und Michelangelo, behandelten diese Deckengemälde gleich an der Decke befestigten Teppichen, so daß die Figuren darauf wie in einem gewöhnlichen Gemälde erschienen und die Gemälde im eigentlichen Sinne nur Ausschmückungen der Deckenfelder waren. Schon Melozzo da Forli und Mantegna aber komponierten die Deckengemälde als Vorgänge an der Decke, wobei die Figuren in Verkürzung, als von unten gesehen, erscheinen mußten, um die Illusion eines natürlichen Vorganges zu erreichen. Noch weiter gingen Correggio, der in seinen Kuppelgemälden die Kuppel geöffnet zeigte und das Auge im freien Himmel schwebende, aufwärts gerichtete Gestalten erblicken ließ, Giulio Romano im Palazzo del Te zu Mantua, dann die Venezianer (Paul Veronese, Tintoretto u. a.), welche Riesendecken mit einem Gewirr von perspektivisch geordneten Figuren bedeckten. Im 17. und 18. Jahrh. erreichte die Kunstfertigkeit, Plafonds in Kirchen und Palästen, namentlich in Vorhallen, Treppenhäusern, Kuppeln etc., mit scheinbaren architektonischen Durchsichten zu bemalen, ihren Gipfelpunkt. Der Venezianer Tiepolo war der Meister dieser Gattung. In neuester Zeit ist man nach dem Vorgang des Cornelius in der Münchener Glyptothek und Ludwigskirche zu der Weise Raffaels und der ältern Künstler zurückgekehrt. Gegenwärtig ist die P. ein Zweig der dekorativen Malerei, welche sich der konstruktiven Gestaltung und der plastischen Ornamentierung des Raums anschließt, ohne eine selbständige Bedeutung wie früher zu beanspruchen.

Plagālische Töne, s. Kirchentöne.

Plagālschluß, in der Musik der Schluß vom Unterdominantakkord zum ionischen Akkord. Die Unterscheidung des authentischen und plagalen Schlusses stammt aus der mittelalterlichen Lehre der Kirchentöne; man sah nämlich in den plagalen Tönen die Quarte, in den authentischen die Quinte als den neben den Grenztönen der Skala wichtigsten Ton an, z. B. in d e f g a h c' d' (authentisch) das a, in A H c d e f g a (plagal) dagegen das d.

Plaggen, die mittels der Plaggenhaue abgeschälten Streifen von Rasen oder Heide, welche man in Form länglich viereckiger Stücke zerschneiden um diese schräg gegeneinander gestellt in langen Reihen (Plaggenmieten) abtrocknen zu lassen und dann behufs Düngung zu verbrennen (s. Bodenbearbeitung).

Plagiārius (lat.), eigentlich s. v. w. Menschenräuber, Seelenverkäufer; dann derjenige, der einen litterarischen Diebstahl begeht (s. Plagiat).

Plagiāt (Plagium, lat.), litterar. Diebstahl, welcher dann vorliegt, wenn ein Schriftsteller oder Künst-^[folgende Seite]