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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pocillator; Pocken; Poecile

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Poecile - Pocken.

Setzmaschinen zu reinigen, ist der Trog mit Holzstücken ausgesetzt, auf welche noch eine gußeiserne Pochsohle zu liegen kommt. Die zu zerstampfenden Erze schüttet man in einen Behälter (Pochrolle), aus welchem sie durch einen Blechtrichter und eine Rinne auf die Sohle geführt werden, oder man schaufelt die Erze sowohl beim Trocken- als auch beim Naßpochen unter die Stempel. Man betreibt die P. durch Wasser-, Windräder und Dampfmaschinen. Unter dem Namen Pochwerk begreift man auch das Gebäude, in welchem sich neben dem Stampfwerk die andern Aufbereitungsmaschinen befinden (s. Aufbereitung).

Poecile (Pökile), s. Poikile.

Pocillator (lat.), Mundschenk, bei den Alten meist ein jugendlicher, hübscher Sklave.

Pocken (Blattern, Menschenpocken, Variola), ansteckende schwere Konstitutionserkrankung, in deren Verlauf sich ein eigentümlicher Hautausschlag entwickelt. Die P. treten als Epidemien auf, ihre Entstehung wird in das 6. Jahrh., von andern sogar weit in die Anfänge der geschichtlichen Zeitrechnung verlegt. Erst vom 10. Jahrh. an hat die Seuche in wiederholten verheerenden Zügen Mitteleuropa heimgesucht; sie wurde im 16. Jahrh. nach Schweden, später auch in die neuentdeckten Länder Asiens, Amerikas und Afrikas verschleppt. Seitdem Ende vorigen Jahrhunderts durch Jenner die Schutzimpfung eingeführt ist, hat sich die Sterblichkeit ganz erstaunlich verringert, so daß eigentliche Völkerseuchen nicht mehr aufgetreten, auch wohl in Zukunft nicht mehr zu befürchten sind. Die Übertragung geschieht nur durch Berührung (Kontagion) mit Lymphe aus Pockenpusteln. Diese enthält als Ansteckungsstoff Spaltpilze, welche durch ihr Wachstum die Krankheit hervorrufen. Diese Pilze sind wahrscheinlich in Bezug auf ihre Lebensenergie verschiedenartig, man unterscheidet eine mehr harmlose Spezies, welche leichte Formen (Variolois) hervorbringt, etwas heftiger wirkende Kuhpockenpilze (Vaccina) und schließlich eine bösartige Abart, welche die eigentlichen Menschenpocken (Variola) erzeugen. Die nahe Verwandtschaft der drei Krankheitserreger zeigt sich einmal darin, daß Ansteckung mit dem einen Gifte dieselben Erscheinungen einleiten kann, welche eigentlich dem andern zukommen (Variolois-Ansteckung kann z. B. Variola erzeugen), und zweitens darin, daß ein Organismus, welcher eine dieser Ansteckungskrankheiten durchgemacht hat, gegen erneute Berührung mit einem jeden derselben unempfänglich geworden ist.

Anatomisch beginnt der Ausbruch der P. mit der Bildung roter Flecke und Knötchen, denen dann ein Bläschen mit anfangs klarem, dann eiterigem Inhalt folgt. Die Bläschen wandeln sich so allmählich in Pusteln um. Endlich zerreißen die Pusteln an ihrer Spitze, ihr Inhalt fließt aus, und es bilden sich an ihrer Stelle kleine offene Geschwüre, welche mit Zurücklassung netzförmiger, vertiefter Narben verheilen. Diese Veränderungen beobachtet man jedoch nur bei den schwerern Pockenfällen. Bei den leichtern Fällen kommt es entweder gar nicht oder nur in geringerm Grad zur Eiterbildung und zur nur oberflächlichen Zerstörung der Haut, und die zurückbleibende Narben sind unbedeutend und kaum wahrnehmbar. An andern P. kommt es gar nicht bis zur Eiterbildung, die Entzündung des Hautgewebes zerteilt sich wieder, es entsteht kein Substanzverlust, es bleiben also auch keine Narben zurück. Im letztern Fall durchbricht der Inhalt der Pockenpusteln gewöhnlich nicht die Decke derselben, sondern vertrocknet zu dunkelbraunen runden Schorfen. Diese fallen ab und hinterlassen noch für einige Zeit rote, etwas hervorragende Flecke, die sich aber auch bald entfärben und abschwellen. Die einzelnen Hautpocken stehen bald in größerer Entfernung voneinander, bald stehen mehrere gesonderte Pockenpusteln auf einem gemeinsamen geröteten Hof, bald fließen mehrere Pusteln miteinander zusammen. Mischt sich der eiterige Inhalt der Pockenpusteln mit Blut, welches aus den freien Gefäßen des geröteten Mutterbodens austritt, so entstehen die gefürchteten schwarzen P. In sehr seltenen Fällen tritt Brand der Haut zu den P., und die Bläschen füllen sich mit einem mißfarbigen jauchigen Inhalt (Variolae gangraenosae). Aber nicht bloß die äußere Haut, sondern auch die Schleimhaut werden der Sitz von Pockeneruptionen. Am häufigsten treten die P. auf der Bindehaut des Auges, der Schleimhaut des Mundes, des Schlund- und Kehlkopfs, der Luftröhre und ihrer größern Äste, der Genitalien und der Harnröhre aus. Bei Knaben kommen häufig derbe, durch die Haut durchzufühlende Entzündungsknoten in den Hoden vor, welche mit Schwund des erkrankten Drüsengewebes heilen.

In schweren Fällen der Pockenkrankheit stellt sich etwa am 9.-12. Tag nach erfolgter Ansteckung, während welcher Zeit gewöhnlich gar keine Symptome der Infektion vorhanden sind, noch vor Ausbruch der P. ein anhaltendes, abends sich steigerndes Fieber ein, welches etwa 3 Tage lang, meist mit steigender Heftigkeit, andauert. Der Beginn des Fiebers tritt oft mit Schüttelfrost, mit Erbrechen, ziehenden Schmerzen im Rücken, in den Schultern und Extremitäten, Muskelzuckungen, Aufschrecken aus dem Schlaf, Irrereden oder ungewöhnlicher Mattigkeit auf. Nun findet etwa am 4. Tag nach Beginn des Fiebers der Ausbruch der P. statt unter Augenschmerzen und reichlichem Thränenfluß, unter Brennen und Anschwellen der Haut, besonders am Kopf, unter Halsschmerzen, Schling- und Harnbeschwerden. Diese Symptome rühren teils von der Entzündung der äußern Haut, teils von der variolösen Affektion der verschiedenen Schleimhäute her. Der Ausbruch der P. über den Körper geschieht von oben nach unten. In 3 Tagen ist meist der Ausbruch vollendet, und das früher vorhandene Fieber hört ganz auf oder läßt doch bedeutend nach. Der Kranke fühlt sich, wenn die Pockeneruption nicht zu reichlich ist, verhältnismäßig wohl. Etwa am 6. Tag nach dem ersten Ausbruch der P. und am 9. Tag nach Eintreten der ersten Fiebererscheinungen entwickelt sich in den P. die Eiterung, welche in derselben örtlichen Aufeinanderfolge wie der Ausbruch der P. eintritt. Die Rötung und Schwellung der betreffenden Hautpartien und die Schmerzen daselbst nehmen beträchtlich zu. Das Fieber, welches gemäßigt oder selbst geschwunden war, steigert sich wieder oder stellt sich mit wiederholtem Frösteln von neuem ein (Eiterungsfieber) und wird für viele Pockenkranke dadurch gefährlich, daß die Körpertemperatur eine Höhe erreicht, bei welcher das Leben nicht fortbestehen kann. Hierzu kommen nicht selten Blutaustritte in den Pockenbläschen, zuweilen übermäßiges Nasenbluten, Bluthusten und Blutflüsse aus andern Organen, namentlich aus den Nieren in Form des Blutharnens. Die Gefahr ist zu dieser Zeit außerordentlich groß. Übersteht der Kranke das Fieber, so lassen allmählich die Beschwerden nach, die P. verschorfen, fallen ab, und nach 4-6 Wochen ist die Heilung vollendet.

Bei den leichtern Pockenfällen (Variolois) bieten die Symptome nur gradweise Verschiedenheit von denen der Variola dar. Das Fieber, welches dem