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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Poco curante - Podiebrad und Kunstatt.

1659, 2 Bde.); "Carmen Abu Ismaelis Tograi" (arab. u. lat., 1661) und "Abul Farajii historia dynastarum orientalium" (arab. u. lat., 1663, 2 Bde.); Kommentare über verschiedene Bücher des Alten Testaments etc. Auch hatte er bedeutenden Anteil an der Waltonschen Polyglotte.

2) Richard, engl. Gelehrter, geb. 1704 zu Southampton, erzogen auf dem Corpus Christi College zu Oxford, bereiste 1737-42 Ägypten, Arabien und Griechenland, wurde dann Archidiakonus von Dublin, 1756 Bischof von Ossory in Irland, 1765 Bischof von Meath und starb noch in demselben Jahr. Außer einer Sammlung griechischer und lateinischer Inschriften (1752) hat man von ihm die treffliche "Description of the East and some other countries" (mit 178 Kupfertafeln, Lond. 1743-45, 2 Bde.; 2. Aufl. 1774; deutsch, Erlang. 1771-73, 3 Bde.).

Poco curante (ital., "der sich um wenig Kümmernde"), s. v. w. Indifferentist.

Pocŭlum (lat.), Becher.

Podăgra (griech., "Fußgicht"), s. Gicht. - P. des Getreides, s. Grünauge.

Podarge (die "Schnellfüßige"), s. Harpyien.

Podbielski, Eugen Anton Theophil von, preuß. General, geb. 17. Okt. 1814 zu Köpenick; trat 1831 als Avantageur in das 1. Ulanenregiment, ward 1833 Sekondeleutnant, besuchte 1836-39 die Kriegsakademie, war dann 15 Jahre Adjutant und wurde 1855 unter Versetzung in den Generalstab Major. 1858 erhielt er das Kommando des 12. Husarenregiments, wurde 1859 Oberstleutnant u. 1861 Oberst. 1863 ward er zum Kommandeur der 16. Kavalleriebrigade und kurz darauf zum Oberquartiermeister der nach Schleswig-Holstein entsandten Armee ernannt. Vom dänischen Krieg bis 1866 war er Stabschef beim Oberkommando in den Elbherzogtümern; 1866 trat er als Generalmajor und Direktor des allgemeinen Kriegsdepartements in das Kriegsministerium und erhielt im österreichischen Feldzug die Stellung eines Generalquartiermeisters der Armee. Dieselbe hohe Stellung ward dem 1867 zum Generalleutnant avancierten verdienten Offizier im Krieg mit Frankreich 1870/71 anvertraut, und so ward sein Name zu einem der bekanntesten in Europa. P. erließ die durch ihre ungeschminkte Wahrheit und klare Kürze ("Nichts Neues vor Paris") so berühmten Siegesberichte während des Feldzugs. Im Februar 1872 wurde er Generalinspekteur der preußischen Artillerie und starb 31. Okt. 1879 in Berlin.

Podersam, Stadt in Böhmen, am Fichtelbach und der Pilsen-Priesener Eisenbahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit Spodiumfabrik, Getreide- und Hopfenmärkten und (1880) 2349 Einw.

Podést (ital., Pedest), der zwischen zwei oder mehrere Treppenarme einer gebrochenen oder geraden Treppe eingeschaltete Ruheplatz; s. Treppe.

Podestà (v. lat. potestas, "Macht, Obrigkeit"), in Italien die oberste Magistratsperson einer Stadtgemeinde, der Bürgermeister, zur Zeit der italienischen Republiken des Mittelalters, z. B. in Mailand, im Besitz der höchsten vollziehende Gewalt.

Podētĭum (lat., Gestell), ein Teil des Thallus gewisser Flechten (s. Flechten, S. 350).

Pōdex (lat.), Steiß, Gesäß.

Podewils, Heinrich, Graf von, preuß. Minister, geb. 4. Okt. 1695 in Pommern, ward 1719 Kammerherr am preußischen Hof, 1720 Gesandter in München, 1723 Geheimer Finanz-, Kriegs- und Domänenrat und 1724 wieder als Gesandter an den kurkölnischen Hof, 1728 nach Kopenhagen und 1729 nach Stockholm geschickt. 1730 ward er als Staatsminister nach Berlin zurückberufen und mit der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten beauftragt. In dieser Stellung leistete er besonders Friedrich II. 1740-60 wichtige und erfolgreiche Dienste. Er begleitete den König in den ersten und zweiten Schlesischen Krieg, ward über alle Fragen der auswärtigen Politik zu Rate gezogen, arbeitete zahlreiche Gutachten über dieselben aus und stand mit dem König in lebhafter Korrespondenz, in der er seine Meinungen mit ungeschminkter Offenheit darlegte und ungerechte Vorwürfe des herrischen Monarchen entschieden zurückwies. Er schloß 1742 den Breslauer, 1745 den Dresdener Frieden ab. Auch für des Königs historische Arbeiten, besonders die "Mémoires de Brandebourg", lieferte er Ausarbeitungen. 1741 in den Grafenstand erhoben, starb er während des Siebenjährigen Kriegs 29. Juli 1760. - Sein jüngerer Bruder, Graf Otto Christoph, geb. 16. April 1719, 1741 ebenfalls in den Grafenstand erhoben, ward erst Legationsrat in Petersburg, 1741 Gesandter im Haag, 1746 mit dem Rang eines Staatsministers Gesandter in Wien. 1751 zog er sich auf seine Besitzung Gusow zurück, wo er 12. März 1781 starb.

Podgoritza, Stadt in Montenegro, an der Ribnitza (Nebenfluß der Moratscha), nördlich vom See von Skutari, mit festem Schloß, 5 Moscheen und 4000 Einw. (zum Teil Mohammedaner). P. ist das antike Doklea und ward im Februar 1879 von den Montenegrinern, denen es im Vertrag von Berlin zugesprochen war, besetzt.

Podgorze (spr. poddgorsche), Stadt in Galizien, Bezirkshauptmannschaft Wieliczka, an der Weichsel, über welche die Franz Joseph-Brücke nach dem gegenüberliegenden Krakau führt, und an der Karl Ludwig-Bahn gelegen, von welcher hier die Staatsbahnlinie nach Oswiecim und Zwardon ausläuft, mit Bezirksgericht, Leder- und Spiritusfabrikation, Dampfmühle, Gipsbrüchen und (1880) 7672 Einw.

Podhajce, Stadt im östlichen Galizien, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat besuchte Jahr- und Wochenmärkte, Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen und (1880) 5943 Einw. (darunter 3912 Juden).

Podĭceps (lat.), Steißfuß.

Podiebrad (Poděbrad, spr. póddje-), Stadt in Böhmen, an der Elbe, über welche eine eiserne Brücke führt, u. der österreichischen Nordostbahnlinie Wien-Tetschen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft u. eines Bezirksgerichts, mit Propsteikirche, altem Schloß (Geburtsort Georgs von P.), Rathaus mit Turm, Badeanstalt (eisenhaltige Mineralquelle), Ölfabrik, Dampfmühle, Rübenzuckerfabrik, Bierbrauereien, Glasfabrik, starkem Getreidehandel und (1880) 4421 Einw.

Podiebrad und Kunstatt, Georg von, König von Böhmen, Sohn Herant Boczkos von Kunstatt und Podiebrad, geb. 6. April 1420 zu Podiebrad, verband sich, wie sein Vater einer gemäßigten hussitischen Denkweise huldigend, als 1438 die katholische Partei die Wahl Albrechts II. von Österreich zum König von Böhmen durchsetzte, mit den utraquistischen Ständen in Tabor, welche Kasimir von Polen als König von Böhmen proklamierten, und kämpfte 1438 bei Tabor gegen die Österreicher. Nach Ptatschek v. Pirksteins Tod 1444 trat er an die Spitze der utraquistischen Partei und erlangte bald durch Entschlossenheit, Einsicht, Gewandtheit und Schlauheit das höchste Ansehen in Böhmen. Er bemächtigte sich 1448 durch einen Handstreich der Hauptstadt Prag, ließ sich 1452 zum Landesverweser wählen, bezwang die wider-^[folgende Seite]