Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

155

Pointage - Poitiers.

Pointage (spr. pŏängtahsch), franz. Börsenausdruck, die kurz vor der Hauptliquidation durch die Kommis der Börsenagenten vorgenommene Kollationierung der Abschlußzettel.

Point Barrow, s. Barrowspitze.

Point d'argent, point de Suisse, franz. Sprichwort: "Kein Geld, kein Schweizer", d. h. kein Geld, keine Ware, schreibt sich aus der Zeit her, wo die Schweizer im Ausland gesuchte Soldtruppen waren.

Point de Galle (Galla), Stadt auf dem südlichen Ende der Westküste der Insel Ceylon, südöstlich von Kolombo, in ungesunder Lage, hat einen geräumigen, sichern Hafen, ein Fort, bedeutenden Handel und (1871) 47,954 Einw. Der Ort war früher Knotenpunkt für die Dampfschifflinien von Kalkutta nach Australien und von Suez nach Singapur, in neuester Zeit ist aber Kolombo an seine Stelle getreten. P. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Point de vue (frz., spr. pŏäng döwuh), Gesichtspunkt.

Point d'honneur (franz., spr. pŏäng donnör), Ehrenpunkt.

Pointe (franz., spr. pŏängt'), Spitze; Vorgebirge; Bollwerksspitze (Pünte); Spitze eines Witzwortes etc.

Pointe à Pitre (spr. pŏängt a pihtr), Stadt auf der französisch-westind. Insel Guadeloupe, auf der Südwestküste von Grande Terre, an der Mündung des Salzflusses (des die beiden Inseln trennenden Meeresarms), ist der Hauptverkehrsort der Insel, hat einen guten, befestigten Hafen, Gerichtshof, eine Börse, Zuckersiederei und 15,000 Einw. Die Stadt wurde 9. Febr. 1843 durch ein Erdbeben fast gänzlich zerstört und litt auch 1845 und 1851 durch Erdbeben.

Pointer (engl., spr. peun-), Deuter, Zeiger; auch der glatthaarige englische Vorstehhund.

Pointeur (franz., spr. pŏängtör), Artillerist, der die Kanone richtet; im Hasardspiel der Gegner des Bankhalters (statt franz. Ponte).

Pointieren (franz., spr. pŏängt-), punktieren, mit Punkten bezeichnen; zuspitzen, mit einer Pointe (s. d.) versehen; ein Geschütz oder Fernrohr auf einen Punkt richten; im Hasardspiel (eigentlich: pontieren) s. v. w. gegen den Bankhalter spielen.

Points (franz., spr. pŏäng), genähte Spitzen; die Augen auf Karten und Würfeln; in der franz. Börsensprache auch s. v. w. Prozente. Vgl. auch Viehzucht.

Points noirs (franz., spr. pŏäng nŏahr), schwarze Punkte (nämlich am politischen Himmel), ein durch eine 1867 in Lille gehaltene Rede Napoleons III. zum geflügelten Wort gewordener Ausdruck.

Poir., bei botanischen Namen Abkürzung für J. L. M. ^[Jean Louis Marie] Poiret (spr. pŏarä), geb. 1755 zu St.-Quentin, gest. 1834 in Paris. Pflanzen der Berberei. Schrieb "Voyage en Barbarie" (1789, 2 Bde.).

Poischwitz (Ober- und Niederpoischwitz), zwei Dörfer im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Jauer, mit (1885) 1315 und 694 Einw.; hier 4. Juni 1813 Waffenstillstand zwischen den Preußen und Russen einer- und den Franzosen anderseits.

Poi segue (ital., spr. ssēghwe), "sodann folgt", in Musikstücken vorkommend, z. B.: Scherzo D. C. e p. s. la Coda (Anweisung am Schluß eines Trios, zuerst das Scherzo zu wiederholen und sodann mit Überspringung des Trios die Coda zu spielen).

Poissy (spr. pŏassi), Stadt im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Versailles, nahe am Wald von St.-Germain, an der Seine (mit alter Brücke), an der Eisenbahn Paris-Havre und der Großen Pariser Gürtelbahn, hat eine teilweise aus dem 11. Jahrh. stammende, in neuester Zeit restaurierte Kirche mit 2 romanischen Türmen, Reste alter Mauern, ein großes Zuchthaus, ein Zivil- und Militärhospital, Fabrikation von Socken, Messerschmiedewaren und Pfropfen, Steinbrüche, Getreide- und Viehhandel und (1886) 4662 Einw. P. ist der Geburtsort Ludwigs des Heiligen. Hier wurde im September 1561 unter dem Vorsitz Karls IX. ein Religionsgespräch (Kolloquium von P.) abgehalten, der letzte friedliche Versuch zur Vereinigung der Reformierten und Katholiken.

Poitevin (franz., spr. pŏattwäng), Bewohner von Poitou; auch der Dialekt dieser Landschaft.

Poitevin (spr. pŏattwäng), Prosper, franz. Grammatiker, geboren um 1810, machte seine Studien in Paris und bekleidete später eine Zeitlang die Professur der Rhetorik am Collège Rollin. Er hat sich, abgesehen von einer Reihe belletristischer Schriften, besonders durch seine grammatischen und lexikalischen Arbeiten bekannt gemacht, ohne jedoch auf der Höhe der heutigen Sprachwissenschaft zu stehen. Wir nennen: "Dictionnaire universel de la langue française" (1854-60, 2 Bde.), das eine lebhafte Polemik zwischen P. und Bescherelle hervorrief; "Grammaire générale et historique de la langue française" (1856-57, 2 Bde.); "La grammaire, les écrivains et les typographes modernes" (1863); "Cours pratique de la littérature française" (1865, 2 Bde.); "Étude méthodique et raisonnée des homonymes et des paronymes français" (20. Aufl. 1886); "Illustrations littéraires de la France" (2. Aufl. 1874). P. starb 29. Okt. 1884.

Poitiers (spr. pŏattjeh), Hauptstadt des franz. Departements Vienne, wichtiger Punkt der alten historischen Straße vom Garonnebecken zu dem der mittlern Loire und Seine, weshalb sich in ihrer Umgebung wichtige Schlachtfelder (s. unten) befinden, liegt am Zusammenfluß des Clain und der Boivre und an der Eisenbahn von Tours nach Bordeaux, von der hier Linien nach Bersac, St.-Savin, Saumur und Parthenay abzweigen, auf einer nach drei Seiten abfallenden Anhöhe und ist von alten Mauern und Türmen umgeben, durch welche sechs Thore führen. Die Stadt trägt ganz altertümlichen Charakter und hat krumme, enge und düstere Straßen, teilweise verfallene Häuser, aber große öffentliche Plätze. Auch besitzt P. in dem Park von Blossac (mit Fontäne) eine schöne Promenade. Unter den meist gotischen Kirchen zeichnen sich besonders aus: die Kathedrale des heil. Petrus (1162 begonnen, im 14. Jahrh. vollendet), dreischiffig, mit drei Portalen und zwei unvollendeten Türmen; Notre Dame aus dem Ende des 12. Jahrh., mit phantastisch-barocker Fassade; die Kirche der heil. Radegunde, der Schutzpatronin der Stadt, mit einer unterirdischen Kapelle, darin das Grabmonument der Heiligen, das Ziel vieler Wallfahrten; die kleine Johanniskirche, eins der ältesten Kirchengebäude Frankreichs. Unter den weltlichen Gebäuden sind nur das alte Schloß der Grafen von Poitou (gegenwärtig Justizpalast), das moderne Präfekturgebäude und das Rathaus zu erwähnen. Über den Clain führen sechs Brücken, darunter zwei Eisenbahnbrücken; zwei andre Brücken führen über die Boivre. Zwischen den Thälern beider Flüsse ist die Verbindung durch einen 300 m langen Tunnel hergestellt. Die Zahl der Einwohner beträgt (1886) 29,874 (als Gemeinde 36,878). Die Industrie ist in P. durch Loh- und Weißgerberei, Zubereitung von Gänsebälgen zum Export nach Amerika, Bereitung von vorzüglichem Käse (Montbernage), Bierbrauerei, Fabrikation von Öl, Essig etc. vertreten. Auch wird Handel mit Sämereien und Wein etc. getrieben. In-^[folgende Seite]