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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Polnische Sprache; Polnischer Bock; Polnischer Erbfolgekrieg; Polnischer Reichstag; Polnischer Thee

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Polnischer Bock - Polnische Sprache.

tury polskiéj" von K. Wl. Wojcicki (das. 1845-1846, 4 Bde.) ist mit Auszügen überladen. Ferner sind zu nennen: Leslaw Lukaszewicz ("Rys dziejów pism. polsk.", Krak. 1836; 10. Aufl., Pos. 1866), Majorkiewicz ("Liter. polska", Warsch. 1847), Julian Bartoszewicz ("Hist. liter. polsk.", das. 1861), Wlad. Nehring ("Kurs liter. polskiéj", Pos. 1866), Leon Rogalski ("Hist. liter. polsk.", Warsch. 1871), Karl Mecherzynski ("Hist. liter. polsk.", Krak. 1877), A. Kuliczkowski ("Zarys dziejów liter.", Lemb. 1880) und namentlich Zdanowicz-Sowinski ("Rys dziejów liter. polsk.", Wilna 1864-78, 5 Bde.) Karl Estreicher veröffentlichte eine monumentale polnische "Bibliographie des 19. Jahrh." (Krak. 1871-1880, 6 Bde.). Wichtigere litterarhistorische Beiträge lieferten: Malecki (über Slowacki, 2. Aufl., Lemb. 1880, 3 Bde.), Tarnowski (über Fredro u. a.), Cybulski ("Die p. L. des 19. Jahrhunderts", Pos. 1870; "Geschichte der polnischen Dichtkunst", das. 1880, 2 Bde.), Lewestam ("Roczniki krytyki literackiéj", Warsch. 1842), Odyniec ("Listy z podrózy"), Kantecki ("J. Korzeniowski, Felinski", Lemb. 1880, 2 Bde.), Przerowa ("Literatura poznanska", Krak. 1880), W. Zawadski ("Liter. w Galicyi", Lemb. 1878), Chmielowski ("A. Mickiewicz", 1886).

Vgl. Mickiewicz, Vorlesungen über slawische Litteratur (deutsch, neue Ausg., Leipz. 1849, 4 Bde.); Talvj, Geschichte der slawischen Sprachen und Litteratur (das. 1852); E. P., Geschichte der polnischen Litteratur (Bresl. 1868); Lipnicki, Geschichte der polnischen Nationallitteratur (Mainz 1873); Nitschmann, Der polnische Parnaß (4. Aufl., Leipz. 1875); Derselbe, Geschichte der polnischen Litteratur (2. Aufl., das. 1888); Pypin u. Spasowicč ^[sonst im Lexikon: Spasowicz], Geschichte der slawischen Litteraturen, Bd. 2 (deutsch, das. 1883). Gute Ausgaben polnischer Schriftsteller erscheinen in der Brockhausschen "Biblioteka pisarzy polskich" (Leipz. 1860 ff., bis jetzt 81 Bde.).

Polnischer Bock, eine Art Dudelsack.

Polnischer Erbfolgekrieg, 1733-38. Nach dem am 1. Febr. 1733 erfolgten Tode des Königs August II. von Polen spaltete sich die polnische Nation in zwei Parteien, von welchen die stärkere, von dem Primas Potocki geleitete 13. Sept. 1733 den früher schon von Karl XII. von Schweden eingesetzten, später durch August II. verdrängten Stanislaus Leszczynski, die andre 5. Okt. den Sohn Augusts II., Kurfürsten Friedrich August von Sachsen, als August III. zum König ausrief. Für letztern nahmen der Kaiser Karl VI. und die Kaiserin Anna von Rußland Partei, für Stanislaus aber dessen Schwiegersohn Ludwig XV. von Frankreich. Während nun ein russisches Heer unter Münnich in Polen einrückte und in Verbindung mit den kursächsischen Truppen Augusts III. Danzig, wo Stanislaus sich befand, belagerte, verband sich Frankreich mit Spanien und Sardinien gegen den Kaiser, und die drei Mächte erklärten diesem den Krieg, wobei es ihnen aber weniger um die polnische Thronfolge als um eine Schwächung Österreichs in Italien und um Eroberungen am Rhein zu thun war. Daher wurde auch Danzig von Frankreich aus nur schwach unterstützt; eine kleine im Mai 1734 vor der Stadt erscheinende Flotte setzte zwar ein Korps ans Land, dieses wurde aber von den Russen leicht überwältigt, und nachdem Stanislaus 27. Juni verkleidet nach Königsberg geflohen war, mußte die Stadt 6. Juli kapitulieren. Dagegen rückten drei französische Heere in Lothringen, am Rhein und in Italien vor; Kehl, Trier, Philippsburg und andre Plätze, in Italien Mailand, wurden erobert, Neapel und Sizilien von den Spaniern besetzt. Der alte Prinz Eugen, bedächtig und vorsichtig, richtete gegen die Franzosen am Rhein nichts aus. So schloß der Kaiser 3. Okt. 1735 mit Frankreich den Wiener Präliminarfrieden, welcher 18. Nov. 1738 durch den Beitritt der andern beteiligten Mächte in einen definitiven Frieden verwandelt wurde. Durch diesen Frieden wurde August III. als König von Polen bestätigt; Stanislaus wurde mit Lothringen und Bar entschädigt, welche Länder nach seinem Tod (1766) an Frankreich fallen sollten, während der Herzog Franz Stephan von Lothringen nach dem 1737 erfolgten Aussterben der Mediceer Toscana erhielt. Neapel und Sizilien trat der Kaiser als Sekundogenitur an den spanischen Infanten Don Karlos ab und erhielt dafür Parma und Piacenza; ferner wurde die Pragmatische Sanktion anerkannt. An das Deutsche Reich, welches in diesem Frieden Lothringen definitiv verlor, wurden die eroberten Plätze zurückgegeben.

Polnischer Reichstag, bildlich jede Versammlung, in der es stürmisch zugeht und zu keinem Beschluß kommt. Die Bezeichnung hat ihren Ursprung in der sprichwörtlich gewordenen Regellosigkeit und Leidenschaftlichkeit der Verhandlungen auf den polnischen Reichstagen, wo es keine Geschäftsordnung gab und das Liberum veto der Landboten jeden Beschluß unmöglich machen konnte, dadurch aber die Mehrheit zu stürmischer Entrüstung aufreizte (vgl. Polen, S. 172 u. 177). Eine glänzende Darstellung einer solchen Verhandlung enthält Schillers "Demetrius".

Polnischer Thee, eine Art Warmbier mit Weißwein und Maraschino.

Polnische Sprache, einer der ausgebreiteten Zweige des slawischen Sprachstammes und die wichtigste Sprache der westslawischen Abteilung (s. Slawische Sprachen). Sie wird in ganz Polen, dann in Westpreußen, Posen und den an Polen grenzenden Gegenden von Schlesien (hier aber größtenteils nur auf dem Land mehr oder minder verderbt: Wasserpolnisch) gesprochen. Das polnische Alphabet besteht aus folgenden 44 Zeichen: a, ą, b, b', c, ć, d, dz, dź, dž, e (é, ie), ę, f, g, h, ch, i, j, k, l, ł, m, ^, n, ń, o, ó, p, ^, r, rz, s, ś, sz, t, u, ^, x, y, z, ż, ź, die jedoch nicht alle mehr gebräuchlich sind. Der Gebrauch der lateinischen Schrift im Gegensatz zu dem aus den griechischen Buchstaben gebildeten Alphabet der Russen und andrer slawischer Völker hängt damit zusammen, daß die Polen das Christentum nach abendländischen Ritus annahmen. Doch sahen sie sich genötigt, durch Beifügung von Accenten, Punkten und Strichen nachzuhelfen, um eine Reihe der der polnischen Sprache eigentümlichen Laute auszudrücken. ą und ę sind Nasalvokale und wie das französische on, in zu sprechen (die p. S. hat diese Laute noch mit dem Altslawischen gemein, während sie in allen übrigen slawischen Sprachen verschwunden sind); y entspricht ungefähr dem deutschen ü, doch so, daß dabei die Lippen wie bei der Aussprache des i geöffnet sind. Die Vokale y, a, u werden harte, i, e, o weiche Vokale genannt, und auf dieser Unterscheidung beruht auch die Einteilung der Konsonanten in harte und weiche. Weiche Konsonanten sind solche, die vor weichen Vokalen stehen und mit einem nachklingenden j gesprochen werden; hierzu gehören namentlich alle mit einem Accent bezeichneten Konsonanten, dann sz etc.; die übrigen heißen harte. Zwischen weichen und harten Konsonanten findet in denselben Wörtern ein regelmäßiger Wechsel statt, indem z. B. aus mucha (Fliege) im Lokativ musze (spr. musche), aus ręka (Hand) ręce, aus mróz (Frost) mroźny (frostig)