Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Polnisch-Krone; Polnisch-Wartenberg; Polo; Polock; Polonäse; Polonskij; Pólozk; Polrock; Polster; Poltáwa

201

Polnisch-Krone - Poltawa.

die Einführung des französischen Rechts in einem großen Teil von Polen zur Folge. Vgl. Bandtke, Historya prawa polskiego (Warsch. 1850).

Polnisch-Krone, Stadt, s. Krone 1).

Polnisch-Wartenberg, s. Wartenberg 2).

Polo, ein dem englischen Football ähnliches Spiel, in welchem zwei Parteien zu Pferde sich bemühen, mittels Pritschen von entsprechender Länge einen Ball nach einem bestimmten Ziel hinzutreiben, während sie zugleich den Gegner an Erreichung seines Ziels zu hindern suchen. Das Spiel stammt aus Innerasien; Anfang der 60er Jahre machten es englische Offiziere in Indien zum Sport, von wo es bald nach Großbritannien verpflanzt ward. Da das Spiel meist in Tierquälerei ausartet, wurde der Versuch, dasselbe auch in Deutschland einzuführen, unterdrückt.

Polo, Marco, ital. Reisender, der erste Europäer, der das innere und das östliche Asien durchforschte, geboren um 1256 zu Venedig, begleitete 1271 seinen Vater Niccolò P. und seinen Oheim Maffeo P., Kaufleute von Venedig, auf deren zweiter Reise zu dem Tatarenchan Kublai, der sie aufgefordert hatte, ihm beim Papste die Zusendung einiger christlicher Missionäre auszuwirken. Der junge Marco P. erwarb sich Kublais Wohlwollen und ward von demselben nicht nur zu einem seiner Ehrenbegleiter ernannt, sondern auch zu Missionen in die verschiedensten Gegenden seines weiten Reichs benutzt, die P. zugleich zur Einsammlung von Notizen über jene Länder und deren Bewohner benutzte. In kaiserlichen Diensten durchzog P. als Präfekt und Admiral alle Provinzen Chinas innerhalb der Mauer mit alleiniger Ausnahme von Kuangsi und Kuangtung. Nach einer 24jährigen Abwesenheit kehrten die drei Reisenden mit den erworbenen reichen Schätzen 1295 zur See über Kotschinchina, Sumatra und Ceylon nach Ormus und über Tebriz, Trapezunt und Konstantinopel nach Venedig zurück, wo Marco vom Reichtum seines Hauses den Namen "Masser Millioni" bekam und in ganz Italien sich großer Achtung erfreute. Als er bald darauf im Kriege gegen Genua, den er als Befehlshaber einer Galeere mitmachte, in der Schlacht bei Curzola (1298) in Gefangenschaft geriet, behandelten ihn die Genuesen sehr mild. Später freigegeben, starb er in Venedig 1323. Nach den Untersuchungen des Orientalisten Pauthier hat P. den ersten Bericht seiner Reisen, mit welchem für uns die Ära der modernen Geographie Asiens beginnt, 1298 während seiner Gefangenschaft zu Genua einem gewissen Rustigielo von Pisa diktiert, der ihn in französischer Sprache nachschrieb; sieben Jahre später (1307) veranstaltete P. eine neue, von ihm revidierte Niederschrift. Alle übrigen vorhandenen Redaktionen in lateinischer, venezianischer und toscanischer Sprache sind nur Kopien oder Auszüge des einen oder andern der genannten Quellberichte. Den Originaltext hat Pauthier mit Kommentar unter dem Titel: "Le livre de Marco P." (Par. 1865, 2 Bde.) herausgegeben. Kritische Ausgaben in italienische Sprache besorgten Baldelli Boni (Flor. 1827, 2 Bde.) und Bartoli (das. 1864). Eine deutsche Übersetzung gab Bürck (mit Zusätzen von Neumann, 2. Ausg., Leipz. 1855), eine englische Yule (Lond. 1875) heraus. Vgl. Zurla, Di Marco P. e degli altri viaggiatori veneziani etc. (Vened. 1818-19, 2 Bde.); Bianconi, Degli scritti di Marco P. (Bolog. 1862); Schumann, Marco P. (Berl. 1885).

Polock, Stadt, s. v. w. Polozk.

Polonäse (franz., ital. polacca), poln. Nationaltanz im ¾-Takt von mäßiger Bewegung und feierlichem, chevalereskem Charakter, besteht gewöhnlich aus 2 Teilen von meist 8, auch 10 und 12 Takten und einem Trio. Charakteristisch für die P. sind der Anfang auf den vollen Takt mit starkem Accent, der begleitende Rhythmus: ^[img] und der Schluß auf dem dritten Viertel: ^[img] Die P. hat in einer Defilierkour ^[richtig: Defiliertour] des polnischen Adels bei der Thronbesteigung Heinrichs III. von Anjou zu Krakau (1574) ihren Ursprung und war bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrh. sowohl als Tanz wie als selbständiges Musikstück auch in Deutschland sehr beliebt; dann geriet sie in Vergessenheit, kam aber mit Anfang dieses Jahrhunderts wieder in Aufnahme und dient bei den heutigen Bällen allgemein als Einleitungstanz, wobei die Gesellschaft den Saal rundum und in Schlangenwindungen durchzieht, auch Touren bildet. Unter den eigentlichen Polonäsen sind besonders die Kompositionen des Grafen Oginski und die sogen. Kosciuszko-P, ("Auf, zur Rach', ihr Brüder") berühmt. Ausgezeichnete Konzertpolonäsen komponierten F. Schubert und Chopin.

Polonskij, Jakow Petrowitsch, russ. Lyriker und Belletrist, geb. 6. (18.) Dez. 1820 zu Rjäsan, erregte schon auf der Schule durch seine poetischen Anlagen die öffentliche Aufmerksamkeit, studierte in Moskau Rechtswissenschaft, erhielt nach Vollendung des akademischen Kursus eine Anstellung im Kaukasus, gab dieselbe aber schon 1852 auf und begab sich auf Reisen nach dem Ausland. Seit 1860 bekleidet er einen Posten bei der auswärtigen Zensur in Petersburg. P. hat mehrere Bände Gedichte veröffentlicht, die sich durch Glut der Empfindung und ein gewisses schwärmerisch-phantastisches Kolorit auszeichnen und in Rußland in verdienter Anerkennung stehen. Weniger hervorragend sind seine Erzählungen und Romane. Seine Werke erschienen 1869 in 3 Bänden. Später folgte noch ein Band Gedichte: "Osimy" (1876).

Pólozk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Witebsk, an der Mündung der Polota in die Düna und an der Eisenbahn Dünaburg-Witebsk, mit altem Schloß, Kathedrale, Kadettenhaus u. (1885) 19,134 Einw. (darunter sehr viele Juden). - P. bestand schon zu Ruriks Zeiten und hatte Warägerfürsten zu Herren. In der Folge war die Stadt Residenz selbständiger russischer Fürsten von P., die im 13. Jahrh. mit den Schwertrittern häufig im Kampf lagen, bis sie die Ansprüche auf das südliche Livland dem Orden abtreten mußten. 1230 kam P. unter die Herrschaft der Litauer, und obgleich Iwan der Schreckliche die Stadt 1563 eroberte, so mußte er sie doch bald darauf dem König Stephan Báthori abtreten, welcher in P. Befestigungen aufführte, von denen sich noch Überreste erhalten haben. Bei der ersten Teilung Polens (1772) kam P. an Rußland und wurde der Hauptsitz der Glieder des aufgelösten Jesuitenordens.

Polrock, der schwarze, schnurbesetzte Waffenrock der braunschweigischen Infanterie und Artillerie; 1885 durch den preußischen Waffenrock ersetzt.

Polster (lat. Pulvinaria), die am ionischen Kapitäl zu beiden Seiten des Echinus (s. d.) herabhängenden Seitenrollen, welche in der Mitte zusammengeheftet sind und vorn die Voluten (s. d.) bilden.

Poltáwa (unrichtig Pultawa), russ. Gouvernement, zur Ukraine gehörig, umfaßt einen Teil des alten Großfürstentums Kiew (das Fürstentum Perejasslawl), grenzt im N. an das Gouvernement Tschernigow, im O. an Kursk und Charkow, im S. an Jekaterinoslaw und Cherson, im W. an Kiew und