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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Posaunenfest; Poscharewatz; Poschechon; Poschega; Poscherau; Poschiavo; Pose; Poseidēon; Poseidippos; Poseidon

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Posaunenfest - Poseidon.

Bruhns, Nabich u. a. - In der Orgel ist P. die größte und am stärksten intonierte Zungenstimme (16 und 32 Fuß im Pedal, auch wohl 8 Fuß im Manual).

Posaunenfest, ungebräuchliche Bezeichnung für das israelitische Neujahr (s. Feste, S. 171).

Poscharewatz (falsch Passarowitz), Stadt und Hauptort eines Kreises im Königreich Serbien, zwischen der Morawa und Mlawa, mit (1884) 9394 Einw., hat eine hübsche Kirche, ein Kreisgericht, ein Untergymnasium, eine land- und forstwirtschaftliche Lehranstalt und ein großes Staatsgefängnis. Etwa 2 km südwestlich liegt das 1860 errichtete fürstlich serbische Gestüt Ljubitschewo. Ob P. das alte Margum in Obermösien ist, wie manche behaupten, läßt sich nicht beweisen. In der Ebene bei P. erfocht 285 der Kaiser Diokletian einen Sieg über den Kaiser Carinus. Besonders merkwürdig ist aber P. durch den daselbst 21. Juli 1718 von Venedig und dem Kaiser Karl VI. mit der Pforte abgeschlossenen Frieden, in welchem diese Serbien an Österreich abtrat. Der Kreis P. umfaßt 3639 qkm (66,1 QM.) mit (1886) 191,178 Einw.

Poschechon, Kreisstadt im russ. Gouvernement Jaroslaw, an der Sogoscha, einem Nebenfluß der Scheksna, hat viele Gerbereien, etwas Handel und (1885) 6034 Einw.

Poschega, Stadt, s. Požega.

Poscherau, Dorf bei Tauroggen (s. d.).

Poschiavo, Val di (spr. poskjāwo, deutsch Puschlav), Alpenthal im schweizer. Kanton Graubünden, von der Straße über den Bernina und dem Fluß Poschiavino durchzogen, dessen Hauptquelle auf der Höhe des Berninapasses im Lago Bianco entspringt (2230 m u. M.). Nachdem sich der Bergstrom durch einen Thalhals in die offene Stufe von P. hinabgestürzt hat, bildet er den Lago di P., 962 m ü. M., 1,60 qkm groß, 88 m tief, und mündet bei Tirano (460 m) in die Adda. Das Thal beherbergt eine italienische Bevölkerung von 4151 Seelen (darunter 878 Protestanten) in zwei Gemeinden, P. und Brusio. Der gleichnamige Flecken, oberhalb des Sees, hat eine reformierte und eine kath. Kirche, ein Rathaus mit altem Turm, lebhaften Handel (besonders mit Veltliner Weinen) und (1880) 2981 Einw. P. ist wegen seines milden Klimas und seiner schönen Umgebung (St. Peter-Kirchlein, Ruine Castello etc.) ein vielbenutzter Sommeraufenthalt. Vgl. Leonhardi, Das Poschiavinothal (Leipz. (1859).

Pose (franz.), Stellung (auch soziale).

Poseidēon, der sechste Monat des attischen Kalenders, der zweiten Hälfte unsers Dezembers und der ersten des Januars entsprechend, an dessen erstem Tag das Fest des Poseidon gefeiert ward.

Poseidippos, griech. Dramatiker, aus Kassandra in Makedonien gebürtig, trat 265 v. Chr. zuerst auf und ist einer der vorzüglichsten Vertreter der sogen. neuern Komödie. Von seinen auf 40 angegebenen Stücken sind nur Bruchstücke vorhanden; nach einem derselben sind vermutlich die "Menächmen" des Plautus gedichtet. Im Vatikan zu Rom befindet sich eine vorzüglich gearbeitete Statue des Dichters.

Poseidon (bei den Römern Neptunus), in der griech. Mythologie ursprünglich der Gott des Wassers im allgemeinen und der befruchtenden Feuchtigkeit insbesondere, war ein Sohn des Kronos und der Rhea und erhielt bei der Weltteilung die Herrschaft über das Meer, in dessen Tiefen er seinen Palast hatte. Hier befanden sich seine Rosse, mit denen er in seinem Wagen über die Meerflut fuhr. Auf seine Eigenschaft als Meergott weist auch hin das uralte Attribut und Symbol seiner Macht, der Dreizack, womit er Gebirge spaltet, daß die Erde erbebt (daher die Beinamen Enosigaios, Enosichthon und Seisichthon, "Erderschütterer"), und Quellen aus Felsen hervorlockt. Alle Untergötter der See sind ihm unterthan. Auch jede Art von menschlichem Verkehr auf und an der See, Schiffahrt, Hafenanlagen, See- und Inselstädte, Fischfang etc., war seinem Schutz unterstellt. Alle seefahrenden Stämme und Geschlechter griechischen Ursprungs pflegten ihren Stammbaum an P. anzuknüpfen, aber auch fremde Völker, die an der See wohnten, galten für seine Abkömmlinge. Die Phäaken waren seine besondern Lieblinge. Von ihm kommen Stürme, Wogen und Schiffbruch, aber auch günstige Winde. Daher wurde er auch als Soter, als hilfreicher Gott des Meers, verehrt, und weil man sich das Meer nicht allein als die allgemeine Umgebung der Erde, sondern auch als deren Halt und Stütze dachte, führte er den Namen Gaieochos ("Erdhalter"). Auch in den Flüssen waltete er, und an den Quellen und Brunnen ward er als Nymphagetes verehrt. Endlich galt er für den Schöpfer und Bändiger des Rosses (Hippios), welches ursprünglich wohl Bild der Woge war, und wurde somit Obwalter der Wettkämpfe. Am Trojanischen Krieg nahm er zu gunsten der Hellenen den lebhaftesten Anteil. Er und Apollon hatten nämlich im Dienste des Laomedon die Mauer der Burg zu Troja gebaut. Als sie für das Weiden der königlichen Herden daselbst den vorher bedungenen Lohn nicht erhalten hatten, war von P. ein Meerungeheuer gesandt worden, welchem Laomedons Tochter Hesione (s. d.) zur Beute bestimmt ward, das aber Herakles erlegte. Seine Gemahlin war die Nereide Amphitrite, die ihm unter andern den Triton gebar. Außerdem hatte er eine zahlreiche anderweitige Nachkommenschaft. Vielfach beschäftigt sich die Poesie und Kunst mit der Sage von Poseidons Liebe zur Danaide Amymone, die der Vater aus der wasserarmen Küste von Argolis nach Quellwasser ausschickt, wobei sie ein Satyr überrascht, von dem P. sie befreit. Von der Bändigung des Rosses durch P. berichtete vorzüglich die korinthische Fabel. Nach Herodot soll der Poseidonkultus aus Libyen zu den Griechen gekommen sein; indes ist derselbe zu genau mit dem hellenischen Nationalbewußtsein verwachsen, als daß man ihn von dem Ausland ableiten durfte. Besonders alt ist der Dienst des P. bei den äolischen und ionischen Völkerschaften. Einer der wichtigsten Mittelpunkte für den griechischen Poseidonkultus war der Isthmus bei Korinth, und die ihm geweihten isthmischen Heiligtümer und Spiele galten schon sehr früh den Hellenen als Nationalsache. Man opferte ihm schwarze und weiße Stiere, auch Eber und Widder. Auch in Ägä hatte er einen besonders berühmten Dienst. Um Attika kämpfte er mit Athene und schenkte dem Lande das Roß und eine Quelle auf der Burg. Außer dem Dreizack waren noch der Delphin und das Pferd sowie der Stier Attribute und Symbole seiner Macht. Die Römer identifizierten den italischen Gott Neptunus mit dem griechischen P. In der bildenden Kunst ist P., obgleich ursprünglich der Wassergott schlechthin, doch nur als der Meerbeherrscher dargestellt worden. Wie das Meer, ist P. leidenschaftlich erregbar, deshalb mit gefurchten Zügen, ältlicher als Zeus, doch diesem ähnlich, oft auch mit feuchtem, niederhängendem, etwas wirrem Haar, mit derberer Muskulatur aufgefaßt worden. So zeigt den Kopftypus am besten eine Büste im Museo Chiaramonti des Vatikan. Sein Wesen kommt in verschiedenen, für ihn charakteristi-^[folgende Seite]