Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

400

Produce-Stakes - Profession.

Produce-Stakes (engl., spr. próddjus-stehks, Zuchtrennen), Rennen für dreijährige Pferde, die schon angemeldet werden, ehe sie überhaupt geboren sind; es werden also beispielsweise für ein 1884 abzuhaltendes Rennen Produkte von Stuten im J. 1881 schon genannt, obschon diese Stuten erst in diesem Jahr belegt worden sind. Der Tag der letzten Bedeckung wird bei der Nennung angegeben.

Productus, s. Brachiopoden.

Produit net (franz., spr. prodüih nä), Reinertrag, s. Physiokratisches System.

Produkt (lat.), im allgemeinen etwas Hervorgebrachtes, daher besonders ein Naturerzeugnis; in der Chemie ein durch Verbindung mehrerer Stoffe gewonnener neuer Stoff; in der Arithmetik das Ergebnis der Multiplikation. Im Handel versteht man unter Produkten oder Landesprodukten vorzugsweise die Erzeugnisse des Ackerbaues und der landwirtschaftlichen Nebengewerbe.

Produktenhandel (Landesproduktenhandel), Handel mit Erzeugnissen des eignen Landes, insbesondere mit Erzeugnissen der Landwirtschaft im Gegensatz zum Kolonial- und Manufakturwarenhandel.

Produktion (lat.), im allgemeinen das Produzieren oder Hervorbringen sowie das Hervorgebrachte, das Produkt selbst; im engern volkswirtschaftlichen Sinn s. v. w. Gütererzeugung, d. h. jede Thätigkeit, welche Werte schafft. Der Mensch kann keine Stoffe hervorbringen, sondern nur den von der Natur gebotenen Stoffen Formen geben, in denen sie eine erhöhte Brauchbarkeit für die Befriedigung von Bedürfnissen haben. Die Physiokraten faßten den Begriff der P. so eng auf, daß sie nur die Hervorbringung von Bodenerzeugnissen darunter verstanden. Später bezeichneten viele Nationalökonomen solche Thätigkeiten als "produktiv", durch welche Sachgüter hervorgebracht werden, während die persönliche Dienstleistungen, gelehrte Beschäftigungen etc. "unproduktiv" seien. Rau und Lotz machten dabei das Zugeständnis, daß Handel und Ortsveränderung mittelbar produktiv seien. Der ganze an diese Frage geknüpfte Streit ist ein leerer Wortstreit, da für ihn die Bestimmung der Begriffe Gut, Wert und Wirtschaft maßgebend ist. Von ganz andrer Bedeutung ist die Frage, ob eine Thätigkeit dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit entspricht. Dies ist der Fall, sobald der Erfolg das gebrachte Opfer genügend lohnt. Wer das Gesamtwohl durch seine Thätigkeit um so viel erhöht, daß für die von ihm vermehrten Güter der höchstmögliche Ersatz geleistet wird, der hat jenem Grundsatz genügt.

Produktionskosten, alle Aufwendungen für Herstellung eines Gutes. Unter dieselben ist nicht allein der wirkliche Verbrauch zu rechnen (z. B. Aufzehrung von Kohlen, Verbrauch von Rohstoffen), sondern auch jede Auswertung, welche anderweit möglich gewesen wäre. Demgemäß sind auch die Zinsen der für die Produktion in Anspruch genommenen Kapitalien unter die P. zu stellen.

Produktionskrisis, diejenige Handelskrisis (s. d.), welche infolge allzu starker Ausdehnung der Produktion insbesondere dann eintritt, wenn mit derselben umfangreiche feste Anlagen von Kapitalien verbunden waren.

Produktionssteuern, s. Aufwandsteuern.

Produktionstermin (lat.), im frühern Beweisverfahren des gemeinen Prozesses der Termin, in welchem die Beweismittel beigebracht (produziert) wurden. Daher heißt der Beweisführer Produzent, die Partei, gegen welche Beweis geführt wird, Produkt, dagegen Reproduzent der Gegenbeweisführer, Reprodukt der Gegner desselben.

Produktiv (lat.), erzeugend, hervorbringen, schöpferisch; in volkswirtschaftlichem Sinn s. v. w. Wert schaffend (s. Produktion), daher Produktivkapital im Gegensatz zum Gebrauchskapital die für Zwecke der Produktion (nicht für den persönliche Gebrauch) bestimmten Güter. Ebenso spricht man von Produktivkräften, Produktivkredit (vgl. Kredit) etc. Produktivität, das Produktivsein, insbesondere das Maß wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, gemessen nach den hergestellten oder herstellbaren Erzeugnissen.

Produktivgenossenschaften, Genossenschaften (s. d.), welche sich die Vorteile des Großbetriebs durch gemeinschaftliche Produktion verschaffen. Unter dieselben werden bisweilen auch die Rohstoff-, Werk- und Magazingenossenschaften gerechnet. Wenn Innungen solche P. gründen, so haften den Gläubigern derselben nicht die einzelnen Innungsmitglieder, sondern nur das Vermögen der Innung.

Produzieren (lat.), vorführen, vorbringen (z. B. Beweismittel, vgl. Produktionstermin); dann insbesondere (Güter) hervorbringen, erzeugen.

Proëdrie (griech., "Vorsitz"), in Athen das Ehrenrecht, in den Schauspielen den vornehmsten Platz, aus den ersten (untersten) Bänken zunächst der Orchestra, einnehmen zu dürfen. Man ehrte auf diese Weise Feldherren, Priester, fremde Gesandte, überhaupt alle, welche der Staat für ihre Verdienste besonders auszeichnen wollte, ebenso die Waisen der im Kriege gefallenen Bürger.

Proeminenz (lat.), Hervorragung, Auszeichnung.

Pro et contra (lat.), für und wider, von Gründen, die als Beweis und Gegenbeweis aufgestellt werden können.

Profan (lat.), bei den alten Römern ursprünglich das, was außerhalb eines heiligen Bezirks lag, sowie überhaupt alles, was keinem Gott geweiht war, auch jedes Individuum, welches nicht in gewisse Mysterien eingeweiht war; dann als Gegensatz von geistlich s. v. w. unheilig, gemein, weltlich; daher Profanation, Entweihung, Entheiligung; Profanautoren (Profanskribenten), die Schriftsteller des griechischen und römischen Heidentums im Gegensatz zu den biblischen und kirchlichen; Profangeschichte, die weltliche Geschichte im Gegensatz zur biblischen Geschichte; Profanarchitektur, die nicht kirchliche Architektur, welche sich mit allen Gebäuden befaßt, die nicht zu gottesdienstlichen Zwecken dienen und deshalb auch in ihrer äußern Erscheinung von den Formen der Tempel und Kirchen abweichen; profanieren, entheiligen, entweihen.

Proferieren (lat.), hervorbringen; hinausschieben.

Profeß (neulat.), das Ordensgelübde, welches Klostergeistliche abzulegen haben; daher P. thun, das Ordensgelübde ablegen (s. Kloster).

Professen (neulat.), diejenigen Mitglieder des Jesuitenordens, die in alle Ordensgeheimnisse eingeweiht, ordiniert und im Besitz der höchsten Ämter sind. Sie wohnen in besondern Profeßhäusern.

Professeur (franz., spr. -ssör), Lehrer (p. im Sinn des deutschen "Professor" als versehener Titel ist in Frankreich unbekannt).

Profession (lat.), im allgemeinen jeder Beruf, zu dem man "sich bekennt", gleichviel ob er sich auf körperliche oder geistige Thätigkeit bezieht (daher früher auch s. v. w. Professur); vorzugsweise aber ein Gewerbe oder Handwerk; daher Professionist, s. v. w. Handwerker. P. von etwas machen, etwas zu seinem Hauptgeschäft oder Erwerbsmittel machen.