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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Puffbohne; Puffer; Puffert; Pugatschew; Puget; Pugetsund; Pughe; Pugilatio; Pugillāres; Pugillus; Pugĭo; Puglia; Pugnani

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Puffbohne - Pugnani.

(ein Band) auf einem solchen Dreieck, so hat der Stein des Spielers auf seinem Platze zu verharren. Im Fall ein Spieler einen Pasch wirft, werden nicht nur die Augen von diesem, sondern auch die auf der entgegengesetzten Seite des Würfels befindlichen Zahlen gesetzt; bei jedem folgenden Pasch, den er wirft, darf er dies sogar zweimal ausführen und hat zudem das Recht zu einem neuen Wurf. Von verschiedenen durch besondere Regeln bedingten Variationen abgesehen, hat man zwei Hauptarten des Puffs zu unterscheiden: den langen P., bei welchem beide Spieler in demselben Feld einsetzen, in das zweite Brett übergehen und schließlich aus dem andern Felde des ersten Brettes ihren Ausgang nehmen, und den konträren P., bei welchem die Spieler in den beiden gegenüberliegenden Feldern desselben Brettes einsetzen, sich im andern Brett begegnen und ihre Steine aus den entgegengesetzten Feldern des ersten Brettes herausnehmen.

Puffbohne, s. v. w. Vicia Faba.

Puffer (Buffer), federnde, mit Anschlagplatten versehene Maschinenteile, welche da angebracht werden, wo der Stoß eines bewegten Körpers aufgefangen und unschädlich gemacht werden soll, wie z. B. an Eisenbahnwagen, an Hammerwerken etc. Als federnde Körper dienen Spiral- oder Schraubenfedern, Cylinder aus Kautschukringen mit Metallzwischenlagen oder eingeschlossene Luft, indem man einen Kolben in einem auf einer Seite verschlossenen, starkwandigen Cylinder beweglich macht. Die zwischen dem Cylinder und Kolben eingeschlossene Luft bildet dann ein elastisches Kissen. - P. ist auch s. v. w. Taschenpistol.

Puffert (Puffer), westfäl. Topfkuchen aus Buchweizenmehl oder Kartoffeln mit Rosinen; auch ein Eierkuchen aus rohen Kartoffeln.

Pugatschew, Jemeljan, russ. Kronprätendent, geboren um 1720 als Sohn eines gemeinen Kosaken am Don, diente in der Armee und machte den Krieg gegen die Türkei mit, nahm 1770 seinen Abschied und begab sich nach Polen, wo er sich den Raskolniken anschloß. Hierauf in die Heimat zurückgekehrt, stellte er sich 1773, indem er sich für den ermordeten Gemahl der Kaiserin Katharina, Zar Peter III., mit dem er große Ähnlichkeit hatte, ausgab, an die Spitze eines Aufstandes, um die Kaiserin zu stürzen. Er gewann durch das Versprechen der Befreiung von der Adelsherrschaft viele der leibeignen Bauern für sich, eroberte einige russische Festungen am Ural und Don, und bald trat auch der größere Teil der Stämme der Baschkiren, Wotjäken, Permjäken und Tataren auf seine Seite. Doch vergeudete er kostbare Zeit mit der Belagerung von Orenburg und der Errichtung eines Hofstaats. Von den Generalen Galizyn und Panin, insbesondere aber von Michelson wiederholt besiegt, ward er endlich von seinen eignen Leuten, welche der auf ihn gesetzte Preis verlockte, ausgeliefert und 10. Jan. 1775 in Moskau hingerichtet. Gutzkow hat die Geschichte Pugatschews zum Stoff eines Trauerspiels benutzt. Vgl. Puschkin, Geschichte des Pugatschewschen Aufstandes (deutsch, Stuttg. 1840); Dubrowin, P. und seine Genossen (russ., Petersb. 1884, 3 Bde.).

Puget (spr. pü-schä), Pierre, franz. Maler und Bildhauer, geb. 1622 zu Château-Follet bei Marseille, wurde Bildschnitzer und begab sich über Florenz nach Rom, wo er sich bei P. da Cortona auch der Malerei widmete. 1643 ging er nach Toulon, wo er für den Schiffbau thätig war. Er führte ein sehr unstetes Leben, arbeitete nacheinander in Rom, Marseille, Paris und Genua und ging 1669 wieder nach Toulon, wo er Direktor der Schiffsverzierungen wurde. Er. starb 1694 in Marseille. Seine künstlerische Bedeutung liegt in seinen plastischen Werken, welche in der Bewegung kühn und leidenschaftlich, aber durchaus malerisch angelegt und in der übertriebenen, manierierten Art des Bernini behandelt sind. Seine Hauptwerke (die Gruppen: Milon mit den Löwen kämpfend und Perseus befreit die Andromeda, der ruhende Herkules, das Hochrelief Alexander und Diogenes) befinden sich im Louvre zu Paris.

Pugetsund (spr. pöddschet-), tiefe, vielfach verzweigte Bucht des Stillen Ozeans an der Nordwestküste des Territoriums Washington in Nordamerika, bildet die südöstliche Fortsetzung der Juan de Fuca-Straße, mit welcher sie durch den Admiralitätskanal zusammenhängt. Sie ist von hohen, dicht bewaldeten Bergen umgeben. Der Hauptort Seattle Olympia und andre Orte an ihr sind noch in der Kindheit begriffen. Die Ausfuhr des gleichnamigen Zollbezirks belief sich 1887 auf 1,769,209 Doll. (meist Bauholz und Fische), die Einfuhr auf 347,818 Doll.

Pughe (spr. pjuhk), William Owen, um die wallisische Sprache und Litteratur verdienter Gelehrter, geb. 7. Aug. 1759 zu Tyn y Bryn in Wales, gest. 1835, gab unter anderm die "Myvyrian archaeology" (Lond. 1801-1807, 3 Bde.), ein wallisisch-englisches Wörterbuch und mehrere ältere wallisische Litteraturdenkmäler, z. B. die "Ancient laws and institutes of Wales" (das. 1841), heraus.

Pugilatio (Pugilatus, lat.), Faustkampf.

Pugillāres (sc. tabulae, von pugillus, "Faust"), bei den alten Römern bald größere, bald kleinere, mit Wachs überzogene Holztafeln, welche zum Briefschreiben, zum Vermerk von Notizen, zum Rechnen und zum Schulgebrauch dienten. Waren 2, 3 oder mehrere derselben zu einer Buchform vereinigt, wobei dann die erhabenen Holzränder vor dem Verwischen der Schrift schützten, so hießen sie duplices (griech. Diptyche), triplices (Triptyche), multiplices. Die P., deren noch eine große Menge, namentlich in Bergwerken in Siebenbürgen, aufgefunden sind, wurden bei steigendem Luxus oft mit Gold und Elfenbein geziert und dienten häufig als kleine Geschenke. Um die Buchstaben in den Wachsüberzug einzuritzen, bediente man sich eines Griffels (stilus), der an dem einen Ende zugespitzt, an dem andern aber abgeplattet war, um fehlerhafte Stellen oder zu erneutem Gebrauch die ganze Tafel wieder glatten zu können.

Pugillus (lat.), eine Handvoll (auf Rezepten).

Pugĭo (lat.), bei den alten Römern kurze Stichwaffe, Dolch; zur Zeit der Kaiser ein kurzes Schwert, das sie als Zeichen ihrer Gewalt über Leben und Tod trugen. P. plumbeus (bleierner Dolch), sprichwörtlich s. v. w. schwacher Beweis.

Puglia (ital., spr. púlja), s. Apulien.

Pugnani (spr. punjani), Gaetano, Violinspieler und Komponist, geb. 1727 zu Turin, erhielt seine Ausbildung daselbst durch Somis, der ihn nach den Grundsätzen Corellis und Vivaldis unterrichtete, trat 1749 in die königliche Kapelle ein, machte von 1754 bis 1770 erfolgreiche Kunstreisen durch ganz Europa und wurde nach der Rückkehr in seine Vaterstadt in der genannten Kapelle als erster Violinist angestellt. In demselben Jahr (1770) eröffnete er eine Schule, aus der außer vielen andern berühmt gewordenen Geigern auch J. B. Viotti hervorgegangen ist. P. starb 15. Juli 1798 in Turin. Als Komponist zählt er zu den bedeutendsten Meistern seiner Zeit, wiewohl er hinsichts der Tiefe seiner Gedanken hinter seinen Vorgängern Tartini und Vivaldi zurücksteht.