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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pugnazität - Püllna.

Pugnazität (lat.), Kampflust, Streitsucht.

Puhahn, der zweite Meistersknecht (Stellvertreter des Schiffbaumeisters) auf Schiffszimmerwerften.

Puinipet, Insel, s. Ponape.

Puisaye (spr. püisäh), Joseph, Graf von, royalist. Parteigänger zur Zeit der französischen Revolution, geb. 1754 zu Mortagne sur Huisne, trat als Offizier in die Schweizergarde und ward von dem Adel der Normandie 1789 als Abgeordneter zu den Generalstaaten geschickt, wo er sich der konstitutionellen Staatsform geneigt erwies. Seit den radikalen und blutigen Ausschreitungen der Revolution suchte er derselben entgegenzuwirken. 1793 schloß er sich einer royalistischen Erhebung in der Normandie an und stellte sich dann an die Spitze des Aufstandes der Chouans in der Bretagne. Im September 1794 begab er sich nach London, erhielt hier von den Prinzen unumschränkte Vollmachten und bewog das britische Ministerium zur Ausrüstung der sogen. Expedition von Quiberon (s. d.), die aber infolge der Uneinigkeit der Führer völlig scheiterte. Da P., den Girondisten befreundet, durch versöhnliches Verhalten die Parteien gewinnen und vereinigen wollte, so erregte er bei den strengen Royalisten Verdacht und mußte im Sommer 1797 nach London flüchten, von wo er sich auf ein ihm von der britischen Regierung überlassenes Landgut in Kanada begab. 1801 kehrte er nach London zurück und veröffentlichte hier: "Mémoires du comte de P." (Lond. 1805-1806 u. öfter, 6 Bde.), welche eine heftige Polemik hervorriefen. Er starb 13. Sept. 1827 unweit Hammersmith.

Pukkanz (ungar. Bakabánya), Bergstadt im ungar. Komitat Hont, am gleichnamigen Nebenfluß der Gran, mit (1881) 3222 Einw. (meist Slowaken). Ehemals war der Bergbau auf Gold und Silber in den benachbarten Bergen sehr ergiebig.

Pul (pers.), pers. Kupfermünze; 20 P. = 1 Kran, 200 P. = 1 Tuman; meist zackige, schuppenähnliche Plättchen mit schwer lesbarer Inschrift.

Pulasbaum (Palas), s. Butea

Pulawy, russ. Ort, s. Nowa Alexandria.

Pulcherĭa, Älia Augusta, Tochter des oström. Kaisers Arcadius und der Eudoxia, geb. 399 n. Chr., übernahm, 15 Jahre alt, 415 im Namen ihres jüngern Bruders, Theodosius II., die Regierung des oströmischen Reichs, mußte 449 infolge eines Zerwürfnisses mit ihrem Bruder, veranlaßt durch die kirchlichen (monophysitischen) Streitigkeiten, den Hof verlassen, kehrte aber schon 450 zurück, wurde in demselben Jahr nach Theodosius' Tod zur Kaiserin ausgerufen und vermählte sich mit Marcianus. Sie starb 453 und ward kanonisiert; ihr Gedächtnistag ist der 10. Sept.

Pulci (spr. -tschi), Luigi, ital. Dichter, geb. 3. Dez. 1432 zu Florenz, ein Freund Lorenzos de' Medici und Polizianos; starb 1487. Sonst ist von seinem Leben nichts bekannt. Sein Hauptwerk ist das romantisch-komische Epos "Il Morgante maggiore" (zuerst Vened. 1481, am besten Flor. 1732, Mail. 1806 u. öfter), in 28 Gesängen, die er, wie er sie vollendete, nach und nach an Lorenzos Tafel vorgelesen haben soll. Den Inhalt, den P. nach neuern Untersuchungen einem ältern Gedicht von unbekanntem Verfasser entnahm, aber mit großem Geschick und wirklicher poetischer Kraft verarbeitete, bilden die Abenteuer Rolands und des Riesen Morgante. Bezüglich der Sprache gehört das Gedicht zu den klassischen Werken der italienischen Litteratur und ist eine der reichsten Fundgruben des echt toscanischen Ausdrucks. Außerdem hat man von P. noch eine mit unerschöpflicher Laune ausgeführte Novelle, worin er die Einfalt der Sanesen lächerlich macht (abgedruckt in den "Classici italiani", Mail. 1804), und eine Anzahl scherzhafter Sonette, welche gewöhnlich mit denen von Niccolò Franco (s. d. 2) zusammengedruckt sind (am besten o. O. 1759). - Auch Pulcis Brüder Bernardo, geboren um 1430, und Luca P., geb. 1431, machten sich als Dichter bekannt, ersterer besonders durch seine Übersetzung der "Bucolica" Vergils (Flor. 1481), letzterer durch sein Rittergedicht "Ciriffo Calvaneo", sein Pastorale "Driadeo d'Amore" und sein Gedicht zu Ehren eines von Lorenzo de' Medici im Turnier davongetragenen Siegs: "Giostra di L. di M." Auch hat er unter dem Titel: "Epistole eroiche" die ältesten Heroiden in italienischer Sprache geschrieben (Flor. 1481).

Pulcinella (franz. Polichinelle), eine der Masken des italienischen Theaters, auch bei allen Volksfesten in Neapel, besonders beim Karneval, die lustige Person spielend. Seine Kleidung besteht in weiten weißwollenen Unterhosen, einem Oberkleid von demselben Stoff mit weiten Ärmeln, umgürtet mit einem schwarzen Ledergürtel. Um den Hals trägt er eine Leinwandkrause, auf dem Kopf eine weißwollene Mütze mit rotem Büschel, hinten und vorn einen Höcker. Drei Viertel des Gesichts sind mit einer schwarzen Maske bedeckt.

Pulex, Floh; Pulicina (Flöhe), Familie aus der Ordnung der Zweiflügler, s. Flöhe.

Pulgāda, der span. Zoll, = 1/12 Pié = 2,33 cm.

Pulicarĭa Gärtn. (Flöhkraut), Gattung aus der Familie der Kompositen, ausdauernde und einjährige Kräuter, etwa 24 meist im Mittelmeergebiet vertretene Arten, von denen P. dysenterica Gärtn. (Ruhralant, Ruhrkraut, Berufkraut, gelbe Minze, Dummrian), mit herzförmig-stengelumfassenden Blättern, doldentraubig gestellten Blütenkörben und goldgelben Randblüten, ausdauernd an feuchten und sumpfigen Stellen in Europa und Mittelasien wächst, scharf, dabei schwach gewürzhaft schmeckt und, wie die einjährige P. vulgaris Gärtn. (Christinenkraut), mit länglichen, spitzen, wellig gebogenen Blättern und kleinen, rispig angeordneten Blütenkörbchen, in Mitteleuropa und Mittelasien, früher offizinell war.

Pulicat, Stadt, s. Palikat.

Puli-Khatun, Ort an der Einmündung des Keschef in den Heri Rud, wichtig, weil sich hier der letztere Fluß, die Grenzscheide zwischen der persischen Provinz Chorasan und dem russ. Turkmenien, bequem überschreiten läßt.

Pulk (Polk, russ.), eine Abteilung Truppen, s. v. w. Regiment; Pulkownik, s. v. w. Oberst.

Pulkówa, Bergrücken südlich bei Petersburg, auf welchem die berühmte, 1833-39 erbaute Zentralsternwarte Rußlands (Sternwarte von P., auch Petersburger Sternwarte genannt) steht, unter 59° 46' 19'' nördl. Br. und 30° 19' 40'' östl. L. v. Gr.; am Fuß desselben ziehen sich die Pulkowaschen Dörfer hin. Vgl. v. Struve, Description de l'observatoire de P. (Petersb. 1845).

Pullarĭi (lat.), bei den alten Römern die Pfleger der heiligen Hühner, aus deren Fressen oder Nichtfressen geweissagt wurde (Pullomantie).

Pullen (engl. to pull, heftig ziehen), ein Pferd im Rennen auf einen Moment zurückhalten, um es zu Atem kommen zu lassen. Ein Pferd pullt, indem es schneller läuft, als der Reiter für gut hält.

Püllna, Dorf in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Brüx, mit (1880) 234 Einw. und bekannten Bitterwasserquellen, die unter 100 Teilen 3½ Teile