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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Reunionskammern; Reunionsklage; Reus; Reusch; Reusche; Reuschle; Reuse; Reuß

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Reunionskammern - Reuß.

Weim. 1805) Maillard, Note sur l'île de la R. (das. 1863); v. Drasche, Die Insel R., geologische Studie (Wien 1877); Pajot, Simples renseignements sur l'île Bourbon (St.-Denis auf R. 1878); Roussin, L'île de la R. (2. Aufl. 1882 ff., 4 Bde.); Keller, Natur- und Volksleben der Insel R. (Basel 1888); Brunet, Histoire de l'association générale des francs créoles de l'île Bourbon (St.-Denis auf R. 1885).

Reunionskammern, die Kammern, welche Ludwig XIV. von Frankreich 1679 und 1680 in Metz, Breisach, Doornik (Tournai) und Besançon einsetzte, um die Ansprüche, welche der König auf eine Anzahl Herrschaften, Gebietsteile, Territorien und Ortschaften des Deutschen Reichs und der spanischen Niederlande als Pertinenz- und Dependenzstücke und Lehen der in den Friedensschlüssen von Münster und Nimwegen an Frankreich abgetretene Landschaften, Städte und Diözesen erhob, zu untersuchen. Auf Grund der Entscheidung derselben wurden viele Ortschaften mit Frankreich reuniert und zahlreiche Fürsten und Grafen, 1681 auch Straßburg und 1684 Luxemburg gezwungen, sich der französischen Krone zu unterwerfen. Bei der Schwäche Spaniens und des Deutschen Reichs behauptete Ludwig XIV. die meisten Reunionen zuerst im Regensburger Waffenstillstand (1684), dann in den Friedensschlüssen von Ryswyk (1697) und Baden (1714).

Reunionsklage, die Eigentumsklage, welche da, wo Dismembrationsverbote bestehen (s. Dismembration), von dem Anerben nach gesetzwidriger Veräußerung eines Teils von einem unteilbaren Bauerngut gegen den unrechtmäßigen Besitzer erhoben werden kann. Die R. geht auf die Herausgabe des zur Ungebühr veräußerten Teils jenes Bauernguts.

Reus (lat.), der Angeklagte.

Reus (spr. re-us), Bezirksstadt in der span. Provinz Tarragona, an der Eisenbahn Tarragona-Lerida, eine der bedeutendsten Fabrikstädte Kataloniens, zu Anfang dieses Jahrhunderts noch ein Dorf, zerfällt in die Alt- und Neustadt, hat mehrere Kirchen (darunter die schöne gotische Peterskirche), ein großes Theater, zahlreiche Baumwollmanufakturen, Fabrikation von Seiden-, Band- und Posamentierwaren, Seife, Leder etc., lebhaften Handel mit Wein, Branntwein, Früchten, Gerbstoffen etc. und (1878) 27,505 Einw. Von R. führte der General Prim den Titel Graf von R.

Reusch, Franz Heinrich, altkathol. Theolog, geb. 4. Dez. 1825 zu Brilon in Westfalen, war nach empfangener Priesterweihe (1849) einige Jahre Kaplan zu St. Alban in Köln, habilitierte sich 1854 an der Universität zu Bonn und ist daselbst seit 1861 ordentlicher Professor der alttestamentlichen Exegese und Theologie. Er schrieb: "Das Buch Tobias, übersetzt und erklärt" (Freiburg 1857); "Erklärung des Buches Baruch" (das. 1853); "Lehrbuch der Einleitung in das Alte Testament" (4. Aufl., das. 1870); "Bibel und Natur" (4. Aufl., Bonn 1876); "Luis de Leon und die spanische Inquisition" (das. 1873); "Der Prozeß Galileis" (das. 1879); "Die deutschen Bischöfe und der Aberglaube" (das. 1879); "Der Index der verbotenen Bücher" (das. 1883-85, 2 Bde.). Insonderheit hatte er sich durch das 1866-77 von ihm herausgegebene "Theologische Litteraturblatt" einen geachteten Namen erworben, als das vatikanische Konzil und seine Beschlüsse ihn mit in den Vordergrund der durch diese heraufbeschwornen oppositionellen Bewegung zogen. Er verweigerte die Anerkennung der vatikanischen Dekrete, was seine Exkommunikation (im März 1872) zur Folge hatte, nachdem schon im November 1870 den katholischen Theologen der Besuch seiner Vorlesungen untersagt worden war. In den ersten Jahren (bis 1878) der alkoholischen Bewegung hat er als Pfarrer zu Bonn und als Generalvikar des Bischofs auf Versammlungen sowie als Schriftsteller eine eifrige Wirksamkeit für dieselbe entfaltet. Mit Döllinger gab er Bellarmins "Selbstbiographie" (Bonn 1887) und die "Geschichte der Moralstreitigkeiten in der römisch-katholischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert" (Nördling. 1888, 2 Bde.) heraus.

Reusche, Theodor, Schauspieler, geb. 11. Jan. 1826 zu Hamburg, widmete sich dem Kaufmannsstand, ging aber aus Neigung zur Bühne, die er zuerst 1849 in Schleswig betrat. Nach fünfjährigem Wanderleben kam er 1854 zum Direktor Wallner nach Posen, mit dem er nach Berlin ging, wo sich R. am Wallner-Theater bis 1872 als Gesangskomiker neben Helmerding in der Gunst des Publikums behauptete. 1872 folgte er einem glänzenden Engagementsantrag an das neue Stadttheater in Wien und bewährte sich dort als Darsteller von komischen Charakterrollen mit solchem Glück; daß er 1875 für das erledigte Fach Beckmanns an das Hofburgtheater berufen wurde. Er starb 12. Aug. 1881 zu Mondsee in Oberösterreich infolge eines Sturzes.

Reuschle, Karl Gustav, Geograph, geb. 26. Dez. 1812 zu Mehrstetten im württembergischen Oberamt Münsingen, studierte in Tübingen, Paris und Berlin Mathematik und Naturwissenschaften und kam 1840 als Professor dieser Disziplinen an das Gymnasium zu Stuttgart, wo er 22. Mai 1875 starb. R. hat sich durch Arbeiten auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten hervorgethan, besonders aber auf dem der Geographie. Hierher gehören sein "Kosmos für Schule und Laien" (Stuttg. 1848); "Vollständiges Lehrbuch der Geographie" (das. 1851-52, 2 Bde.; 4. Aufl. 1872); "Illustrierte Geographie für Schule und Haus" (das. 1856); "Elementargeographie" (das. 1859, 4. Aufl. 1874); "Handbuch der Geographie" (das. 1859); "Beschreibung des Königreichs Württemberg" (das. 1863) u. a. Von seinen sonstigen Werken sind hervorzuheben: "Kepler und die Astronomie" (Frankf. 1871); "Philosophie und Naturwissenschaft" (Bonn 1874) und "Tafeln komplexer Primzahlen", sein mathematisches Hauptwerk, kurz vor seinem Tod von der Berliner Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.

Reuse (Korb), aus Binsen, Weiden- oder andern biegsamen Ruten geflochtenes Gerät für den Fischfang; s. Fischerei, S. 305.

Reuse (spr. röhs), Fluß, s. Travers, Val de.

Reuß, Nebenfluß der Aare in der Schweiz, entsteht aus der Vereinigung dreier hochalpiner Quellbäche. Von der Furka herab stürzt die Realper R., die als sanfter Bergstrom durch das hohe, aber freundlich grüne, mit Dörfern besäete, fast waldlose Ursern zieht und bei Hospenthal die Gotthard-R., den Abfluß des Lucendrosees, bei Andermatt den Thalbach, die Vereinigung der Bäche von Oberalp (s. d.) und Unteralp, aufnimmt. Die Thalsohle von Ursern liegt 1438-1542 m ü. M., während die Gotthardquelle ca. 2530, die Thalbachquelle 2028, die Furkaquelle ca. 2436 m Meereshöhe hat. Aus dem hohen Thalkessel bricht sich die R. Bahn durch die Querriegel des Gebirges, oft tief unten in enger, finsterer Spalte fließend, welche Straßenbauten fast unmöglich macht. Durch das Reußthal ging nämlich ein reger Verkehr, aber trotz der Sprengung des Urner Loches, eines Felstunnels von 66 m Länge (1707), und des Baues der Teufelsbrücke (s. d.) gab es bis 1820, wo die neue Gotthardstraße begonnen wurde (s. St. Gotthard), nur einen schlechten und gefährlichen