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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rheinzabern; Rhenānus; Rheneia; Rhenen; Rhens; Rhēnus; Rheobathomēter; Rheokórd

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Rheinzabern - Rheokord.

schen verkauft, sie zeichnen sich durch höchst angenehmen Geruch und Geschmack, gewürzhafte Süße, Konsistenz und Stärke aus und gehen in alle zivilisierten Länder der Welt. Auch unter dem Dorf-Johannisberger finden sich sehr edle Sorten. Der Steinberger, ebenfalls einer der feinsten, boukettreichsten und stärksten Weine, übertrifft in guten Jahrgängen den Johannisberger an Feuer, wenn er ihm auch an Boukett nachsteht, und der Steinberger Kabinettswein erzielt ziemlich dieselben Preise wie der Johannisberger. Der Rauenthaler, erst in neuester Zeit durch verbesserte Kultur zu hohem Rang erhoben, heißt seit dem Fürstenkongreß von 1863 Fürstenwein, weil damals die Stadt Frankfurt ihre Gäste mit diesem Wein bewirtete. Der Markobrunner ist sehr duftig und besonders im Alter kräftig; er wächst in den Gemarkungen Erbach und Hattenheim. Der Gräfenberger wächst bei Kiedrich und ist dem Johannisberger sehr ähnlich. Rüdesheim liefert in seiner großen Gemarkung kräftige, boukettreiche Weine ersten Ranges, ebenso Geisenheim. Der rote Aßmannshäuser zeichnet sich durch Mandelgeschmack und geistigen Gehalt aus und besitzt oft überraschende Ähnlichkeit mit dem Chambertin-Burgunder, ohne seinen Rheinweincharakter einzubüßen; er ist der beste Rotwein Deutschlands. Der Hochheimer wächst auf den südlichen Abhängen des Taunusgebirges in dem Winkel, welchen die Vereinigung des Mains mit dem Rhein bildet, und ist von alters her so berühmt, daß in einem großen Teil der Welt unter seinem Namen (Hock der Engländer) alle deutschen Weine gehen. Der edle Hochheimer übertrifft beinahe alle übrigen Weine durch seinen ausgesprochen höchst aromatischen Wohlgeruch und seine vorzügliche Zartheit; er besitzt viel Körper, Milde und Feuer, ist ungemein haltbar und gewinnt ausnehmend durch Lagern. Der moussierende Hochheimer, der als Sparkling Hock außerordentlichen Absatz nach England findet, gehört zu den gelungensten Nachahmungen des Champagners. Dem Hochheimer zunächst steht der Wein von Kostheim, im Mündungswinkel von Rhein und Main; er tritt in den zweiten Rang und kommt nur als Hochheimer in den Handel. Ein ausgezeichnetes Produkt liefert ferner der Neroberg bei Wiesbaden, und auch Wickert erzeugt treffliche, gehaltvolle Weine. Vgl. Litteratur bei Rheingau.

Rheinzabern (Tabernae rhenanae), Flecken im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Germersheim, am Erlenbach und an der Linie Germersheim-Lauterburg der Pfälzischen Maximiliansbahn, hat Bierbrauerei, Malzfabrikation, Tabaksbau und (1885) 1831 fast nur kath. Einwohner. R. gehörte früher zum Bistum Speier und ist Fundort römischer Altertümer.

Rhenānus, Beatus (eigentlich Bilde von Rheinau im Elsaß), einer der bedeutendern deutschen Humanisten, geboren um 1485 zu Schlettstadt, wurde daselbst gebildet und durch einen längern Aufenthalt in Paris (seit 1503) gefördert, begab sich um 1511 nach Basel, wo er bald mit dem berühmten Erasmus in Freundschaft trat und in den Offizinen Joh. Frobens, später Amerbachs als Korrektor wirkte. Durch die Pest und die kirchlichen Streitigkeiten von dort vertrieben, siedelte er um 1527 nach seiner Vaterstadt über, wo er fortfuhr, mit den bedeutendsten Gelehrten und Kirchenlehrern seiner Zeit Fühlung zu behalten, und starb auf der Rückkehr von einer Badereise 18. Mai 1547. R. war ein ebenso wahrhaft frommer wie bescheidener Gelehrter, bedächtig und zurückhaltend in religiösen und kirchlichen, gewissenhaft und umsichtig in wissenschaftlichen Fragen. Von seinen Werken nennen wir die Ausgaben von "Plinii epistolae" (Straßb. 1514), "Senecae ludus de morte Claudii" (Basel 1515), der Panegyriker (das. 1520), des Tertullian (das. 1521), Vellejus Paterculus (das. 1522, 2 Bde.; erste Veröffentlichung dieses von R. entdeckten Schriftstellers), der "Auctores historiae ecclesiasticae" (das. 1523), des Tacitus (das. 1533, 1544), Livius (das. 1535, 1595), Origenes (das. 1536); außerdem "Vita Geileri" (Straßb. 1510), "In C. Plinium emendationes" (Basel um 1526), "Rerum germanicarum libri III" (das. um 1531). Auch hat R. mehrere Schriften des Erasmus veröffentlicht. Der "Briefwechsel des Beatus R." wurde von Horawitz und Hartfelder herausgegeben (Leipz. 1886). Vgl. Mähly, Beatus R. von Schlettstadt (Mülh. 1857); Horawitz, Beatus R. (Wien 1872); Derselbe, Des B. R. litterarische Thätigkeit (das. 1872-73, 2 Tle.).

Rheneia (neugriech. Megali Dilos, "Groß-Delos"), Insel, s. Delos.

Rhenen (Renen), Stadt in der niederländ. Provinz Utrecht, Bezirk Amersfoort, am Nordufer des Rheins, hat ein Kantonalgericht, eine schöne reformierte Kirche, Tabaks- und Getreidebau, Viehmärkte und (1886) 4773 Einw. In der Nähe der Heymen- oder Tafelberg mit umfangreicher Aussicht.

Rhens (Rheins, Rhense, Rense), Flecken im preuß. Regierungsbezirk und Kreis Koblenz, links am Rhein und an der Linie Kalscheuren-Bingerbrück der Preußischen Staatsbahn, hat Wein- und bedeutenden Obstbau und (1885) 1534 Einw. Unterhalb des Ortes, nahe am Rhein, steht der Königsstuhl (s. d. 1). Der Ort R. gehörte, obwohl in der Diözese Trier gelegen, zum Erzstift Köln, ward 1370 mit Mauern versehen, war 1445-1625 an Hessen verpfändet und kam zuletzt in den Besitz der Abtei Romersdorf, bis er vom Kurfürsten Klemens August von Köln 1729 wieder eingelöst ward. Berühmt ist der Kurverein zu R. von 1338 zur Sicherung des freien Wahlrechts der Kurfürsten.

Rhēnus, latein. Name des Rheins.

Rheobathomēter (griech., "Stromtiefenmesser"), von Stahlberger, dient dazu, Richtung und Stärke unterseeischer Strömungen zu messen. Der Apparat besteht aus einem hohlen, gebogenen Messingring, der wie eine bestimmte Art der Manometer (s. d.) wirkt, durch ein Gewicht unterzusinken gezwungen wird, in einer vorher einstellbaren Tiefe aber sich auslöst und wieder an die Oberfläche steigt. Indem man nun im Moment des Untersinkens des Rheobathometers einen andern auf der Oberfläche schwimmenden Gegenstand sich selbst überläßt, kann man beim Wiederauftauchen des Rheobathometers aus seiner Entfernung und Richtung von jenem schwimmenden Gegenstand den Unterschied der Oberflächen- und Tiefenströmung (wenn erstere bekannt, die letztere allein) bestimmen.

Rheokórd (griech.), physikal. Instrument, welches wie der Rheostat (s. d.) gebraucht wird u. aus zwei Platindrähten a, b (s. Figur, S. 785) besteht, die auf einem horizontalen Brett so ausgespannt sind, daß zwischen ihnen nur durch einen kleinen Kasten k, welcher mit Quecksilber gefüllt ist, und durch welchen die Platindrähte hindurchgehen, eine leitende Verbindung besteht. Der durch das metallene Lager c eintretende galvanische Strom gelangt auf dem Weg ckd zu dem andern Lager d, indem er durch das Quecksilber von dem einen Draht auf den andern übergeht. Der kleine Kasten kann verschoben werden und schließt mithin bald kürzere, bald längere Enden der Drähte für die