Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rhetōrik; Rhetren; Rhēum

786

Rhetorik - Rheum.

kles' Zeiten zuerst an, die Redekunst zum Gegenstand eines besondern Studiums zu machen, und zwar warfen sich insbesondere die Sophisten, namentlich Gorgias, zu Lehrern derselben auf. Nach ihnen übten den bedeutendsten Einfluß auf die Entwickelung der Redekunst Isokrates, dessen Haus gleichsam eine Schule für ganz Griechenland ward, und Aristoteles aus: ersterer ist wenn auch nicht Schöpfer, so doch Vollender der eigentlich oratorischen Periode in ihrem kunstmäßigen Bau, letzterm verdankt die Rhetorik ihre eigentliche wissenschaftliche Gestaltung. Als ein Niederschlag dessen, was in der voraristotelischen Rhetorik gang und gäbe war, läßt sich die "Rhetorik an Alexander" betitelte Schrift des Anaximenes von Lampsakos betrachten. Isokrates wie Aristoteles hatten einen sehr bedeutenden Anhang, und so schieden sich in der voraristotelischen Rhetorik eine Isokratische, mehr auf das Stilistische, formell Sprachliche und Oratorische sehende, und eine Aristotelische, mehr wissenschaftliche Richtung. Hauptlehrstätten der Rhetorik waren Athen und Rhodos. Die eigentliche Theorie der Beredsamkeit lag bis Ende des 2. Jahrh. v. Chr. fast ausschließlich in den Händen der Philosophen, namentlich der Peripatetiker und Stoiker; seitdem wandten sich die Redner und Lehrer der Beredsamkeit mit Eifer den theoretischen Studien zu und suchten mit eklektischer Benutzung der Arbeiten der Aristotelischen und Isokratischen Schule die Rhetorik in Systeme mit schulmäßiger Terminologie zu bringen. Der bedeutendste rhetorische Schriftsteller der Zeit war Hermagoras von Temnos (um 120 v. Chr.). Einen mächtigen Aufschwung nahm die praktische und theoretische Rhetorik in der römischen Zeit, ganz besonders seit dem Wiederaufleben der Sophistik (s. Griechische Litteratur, S. 728). Die Römer lernten die eigentliche kunstgemäße Beredsamkeit von den Griechen kennen; aber anfangs hegte man gegen den Unterricht der griechischen R. ein so ungünstiges Vorurteil, daß man dieselben 161 v. Chr. durch einen Senatsbeschluß aus Rom verbannte, und als Anfang des 1. Jahrh. v. Chr. die ersten lateinischen R. auftraten und großen Zulauf fanden, schritten die Zensoren 92 gegen "die der Sitte und Gewohnheit der Vorfahren widerstreitende Neuerung" ein. Doch war dieser Versuch, sich gegen die Strömung der Zeitrichtung zu stemmen, ebenso vergeblich wie der erste; vielmehr fand der rhetorische Unterricht in immer weitern Kreisen Anklang, und seit der Augustischen Zeit erteilten ihn sogar Freigeborne ohne Anstoß, während er sich früher ausschließlich in den Händen von Freigelassenen befunden hatte. Außerdem besuchten die römischen Jünglinge griechische Städte, um dort die berühmten griechischen Redner zu hören. Über die rhetorische Litteratur der Römer s. Römische Litteratur. Bis in die Kaiserzeit erteilten die Lehrer der Rhetorik nur Privatunterricht; seit Vespasian erhielten sie von Staats wegen Besoldung wie die Grammatiker (s. d.). Der Theorie der Alten zufolge zerfielen die Reden dem Stoff nach in Staatsreden, Gerichtsreden und Prunkreden. Nach dem Stil unterschied man eine attische, asianische und rhodische Beredsamkeit; letztere hielt die Mitte zwischen der trocknen und nüchternen Behandlung der sogen. Attiker und dem schwülstigen, blumenreichen Pomp der Asiaten (Asiani). Sammlungen der griechischen R. veröffentlichten Walz (Stuttg. 1833-36, 9 Bde.) und Spengel (Leipz. 1853-56, 3 Bde.), der lateinischen Halm (das. 1863). Vgl. Blaß, Die attische Beredsamkeit (Leipz. 1868-80, 3 Bde.); Derselbe, Die griechische Beredsamkeit von Alexander bis auf Augustus (Berl. 1865); Westermann, Geschichte der Beredsamkeit in Griechenland und Rom (Leipz. 1833 bis 1835, 2 Bde.); Ellendt, Eloquentiae romanae usque ad Caesares historia (vor seiner Ausgabe von Ciceros "Brutus"); Berger, Histoire de l'éloquence latine jusqu'à Cicéron (Par. 1872, 2 Bde.).

Rhetōrik (griech.), Redekunst, im ursprünglichen engern Sinn die Theorie der Beredsamkeit oder der Inbegriff der Grundsätze und Regeln für den rednerischen oder oratorischen Vortrag (s. Rede); im weitern Sinn die Theorie der Redekunst im allgemeinen oder der Inbegriff der Grundsätze und Regeln für die sprachliche Darstellung in Prosa überhaupt, im Gegensatz zur Poetik (s. d.), welche die Gesetze der dichterischen Darstellung erörtert. Die R. im leitern Sinn bezieht sich daher nicht nur auf die Abfassung eigentliche Reden, sondern auch auf die erzählende Prosa, auf Abhandlungen und Lehrbücher, Briefe und Gespräche etc.; dazu gibt sie stilistische Anweisungen in Bezug auf Richtigkeit und Schönheit des Ausdrucks, auf Periodenbau, wohllautende Gliederung der Worte, Ausschmückung durch uneigentliche und bildliche Wendungen (Figuren und Tropen) etc., die sie zum größten Teil wieder mit der Poetik gemein hat. Begründer der R. als Wissenschaft ist Aristoteles; in der Folge haben sie besonders Cicero und Quintilian sowie die spätern griechischen und römischen Rhetoren (s. d.) mit vielem Scharfsinn weiter entwickelt. Das verbreitetste Unterrichtsbuch für R. waren lange Zeit Ernestis "Initia rhetorica" (Leipz. 1750 u. öfter). Vgl. Blair, Lectures on rhetoric and helles letters (1783, neue Ausg. 1874; deutsch, Liegn. 1785, 4 Bde.); Maaß, Grundriß der allgemeinen und besondern reinen R. (5. Aufl., Leipz. 1835); Schott, Theorie der Beredsamkeit (2. Aufl., das. 1828-49, 4 Tle.); Falkmann, Praktische R. (Hannov. 1835-39, 3 Tle.); Volkmann, Hermagoras oder Elemente der R. (Stett. 1865); Derselbe, Die R. der Griechen und Römer, in systematische Übersicht dargestellt (2. Aufl., Leipz. 1885); W. Wackernagel, Poetik, R. und Stilistik (2. Aufl., Halle 1888); Ortloff, Lehrbuch der gerichtlichen Redekunst (Neuw. 1886-87, 2 Bde.); Chaignet, La rhétorique et son histoire (Par. 1888). Kürzere Abrisse der R. lieferten Richter (5. Aufl., Leipz. 1853), Benedix (3. Aufl., das. 1881), Gerlach (Dess. 1877), Calmberg (Zürich 1884).

Rhetren (griech., "Sprüche"), im alten Sparta die geschriebenen Verordnungen und Gesetze des Lykurgos, die gleich Orakelsprüchen geachtet wurden.

Rhēum L. (Rhabarber), Gattung der Polygonaceen, robuste, ausdauernde Kräuter mit dickem, holzigem, häufig mehrköpfigem Rhizom, dicken, einjährigen, hohlen Stengeln, zum Teil grundständigen, sehr großen, langgestielten, ganzrandigen, buchtig gezahnten oder handförmig gelappten, am Rand oft welligen Blättern, häutigen, verwelkenden Tuten, in Rispen, seltener in Ähren stehenden Blüten und dreikantiger, dreiflügelige Frucht. Etwa 20 Arten im südlichen Sibirien, Zentralasien, dem Himalaja und Südrußland. R. officinale Baillon (s. Tafel "Arzneipflanzen I"), bis 2 m hoch, mit 15-20 cm über den Boden hervorragendem, mehrköpfigem Rhizom, sehr großen, aus herzförmigem Grund eiförmigen, zugespitzten, handförmig, großfünf- oder siebenlappigen Blättern mit gelappten und gezahnten Abschnitten und dichten, traubigen, zu großen, terminalen Rispen vereinigten Blütenständen, wurde 1867 von Dabry im südöstlichen Tibet entdeckt, wird dort auch kultiviert und findet sich außerdem wahrscheinlich im westlichen und nordwestlichen China. Diese Pflanze lie-^[folgende Seite]