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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ritterakademie

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Ritter - Ritterakademie.

zum Zweck haben. Sein Leben beschrieben Kramer (nach Ritters handschriftlichem Nachlaß, 2. Aufl., Halle 1875) und Gage (Lond. 1867). Vgl. Marthe, Was bedeutet K. R. für die Geographie? (Berl. 1880).

2) Heinrich, Geschichtschreiber der Philosophie, geb. 21. Nov. 1791 zu Zerbst, studierte in Halle, Göttingen und Berlin Theologie und Philosophie, war seit 1817 Privatdozent, seit 1824 außerordentlicher Professor der Philosophie zu Berlin, seit 1833 ordentlicher Professor derselben in Kiel, von 1837 bis zu seinem Tod (3. Febr. 1869) zu Göttingen. R., der als Philosoph unter Schleiermachers Einfluß steht, hat sich besonders als Geschichtschreiber der Philosophie durch umfassende Gelehrsamkeit, streng historische Nüchternheit und objektive Beurteilung ausgezeichnet. Seine Hauptwerke sind: "Allgemeine Geschichte der Philosophie" (Hamb. 1829-55, 12 Bde.; Bd. 1-4, 2. Aufl. 1836-53), welche bis auf Kant herabreicht, u. "Die christliche Philosophie" (Götting. 1858 bis 1859, 2 Bde.). Eine Ergänzung des erstern Werks ist der "Versuch zur Verständigung über die neueste deutsche Philosophie seit Kant" (Braunschw. 1853). Außerdem sind zu nennen: "Abriß der philosophischen Logik" (Berl. 1824, 2. Aufl. 1829); "Die Halbkantianer und der Pantheismus" (das. 1827); "Über das Verhältnis der Philosophie zum wissenschaftlichen Leben überhaupt" (das. 1835); "Über die Erkenntnis Gottes in der Welt" (Hamb. 1836); die mit Preller herausgegebene "Historia philosophiae graeco-romanae" (das. 1835; 7. Aufl., Gotha 1888); "Über das Böse" (Kiel 1839); "Kleine philosophische Schriften" (das. 1839-40, 3 Bde.); "Prinzipien der Ästhetik" (das. 1840); "System der Logik und Metaphysik" (Götting. 1856, 2 Bde.); "Encyklopädie der philosophischen Wissenschaften" (das. 1862-64, 3 Bde.); "Unsterblichkeit" (2. Aufl., Leipz. 1866); "Ernst Renan, über die Naturwissenschaften und die Geschichte" (Gotha 1865); "Philosophische Paradoxa" (Lpz. 1867); "Über das Böse und seine Folgen" (Gotha 1869).

3) August Gottfried, berühmter Organist, geb. 23. Aug. 1811 zu Erfurt, bildete sich unter L. Berger, A. W. Bach und Rungenhagen in Berlin, wurde 1837 Organist und Lehrer zu Erfurt, 1844 Domorganist zu Merseburg und 1847 Domorganist zu Magdeburg, wo er 26. Aug. 1885 starb. Er ist besonders durch seine wiederholt aufgelegte "Kunst des Orgelspiels" (2 Bde.) bekannt geworden. Außerdem veröffentlichte er Orgelsonaten, zahlreiche Choral-Vor- und Nachspiele, Variationen, Fugen etc. für Orgel, auch ein Klavierkonzert, ein Streichquartett, Klaviersonaten, Männerchöre, Lieder etc., redigierte die vier ersten Jahrgänge (1844-47) der Orgelzeitung "Urania", beteiligte sich an der Herausgabe des "Orgelfreunds" (5 Bde.) und des "Orgelarchivs" und schrieb: "Geschichte des Orgelspiel im 14.-18. Jahrhundert" (Leipz. 1884, 2 Bde.).

4) Henry, amerikan. Maler, geb. 26. Mai 1816 zu Montreal in Kanada, machte seine Studien bei Gröger in Hamburg, dann drei Jahre bei Sohn in Düsseldorf und erhielt hierauf ein Atelier der Meisterklasse an der Akademie daselbst. Er starb 21. Dez. 1853. Seine von Jordan beeinflußten Genrebilder sind meist dem Seemanns- und Fischerleben entnommen und zeichnen sich durch naturwahre Charakteristik aus. Die bedeutendern sind: Schmuggler, von englischen Dragonern angegriffen (1839); der Aufschneider (1841); der Heiratsantrag in der Normandie (1841); der ertrunkene Sohn des Lotsen (1844); der Wilddieb (1847); Middys Predigt (1852, im Museum zu Köln).

5) Paul, Maler und Radierer, geb. 4. März 1829 zu Nürnberg, wurde im vierten Lebensjahr taubstumm, bildete sich bei Karl Heideloff im Zeichnen, Radieren und Architekturmalen aus und erweiterte dann seine Kenntnisse durch Studienreisen in Frankreich, Österreich und Italien. Anfangs nur als Zeichner und Radierer für architektonische Werke thätig, kultivierte er seit dem Anfang der 70er Jahre auch die Ölmalerei und schuf eine Reihe von Innenansichten und Straßenarchitekturen, meist nach Motiven aus Nürnberg, welche er mit reicher Staffage, oft geschichtlichen Inhalts, ausstattete. Seine Hauptwerke sind: Inneres der Lorenzkirche (1874), Hof des Pellerschen Hauses (1876), der Schöne Brunnen (1880), die alte Schranne mit der Sebalduskirche 1632 (1886), der Rathaushof und der Marktplatz in Nürnberg (1888).

6) Lorenz, Maler und Radierer, Bruder des vorigen, geb. 27. Nov. 1832 zu Nürnberg, war ebenfalls ein Schüler von Heideloff und ist zumeist als Architekturzeichner für illustriert Werke thätig. Auch hat er eine Anzahl von Aquarellen für den Großherzog von Mecklenburg-Schwerin (Ansichten aus Nürnberg) und für den Grafen von Hunolstein (Burgen und Besitzungen der Familie) gemalt. Er gab heraus: "Malerische Ansichten aus Nürnberg" (25 Radierungen mit Text von Dohme, Berl. 1876).

7) Moritz, Historiker, geb. 16. Jan. 1840 zu Bonn als Sohn des Professors der Philologie Franz R., studierte 1857-62 in Bonn, Berlin und München Geschichte, promovierte 1862 in Bonn, trat dann bei der Historischen Kommission in München als Mitarbeiter bei der Herausgabe der Wittelsbachischen Korrespondenz ein, von der er "Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs" (Münch. 1870 bis 1878, Bd. 1-3) herausgab, habilitierte sich 1867 als Dozent der Geschichte in München, wurde 1870 außerordentliches Mitglied der Akademie daselbst und 1873 ordentlicher Professor in Bonn. Er schrieb ferner: "De Diocletiano novarum in republica institutionum auctore" (Bonn 1862); "Geschichte der deutschen Union" (Schaffh. 1867-73, Bd. 1 u. 2); "Sachsen und der Jülicher Erbfolgestreit" (Münch. 1873); "Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegenreformation" (Stuttg. 1886 ff.) u. a.

Ritterakademie, Erziehungsanstalt für junge Adlige, auf der diese zum Besuch der Universität, für den Offizierstand etc. ausgebildet werden, ist meist ebenso eingerichtet wie ein mit Alumnat verbundenes Gymnasium. Erziehungs- und Unterrichtsanstalten, die besonders der adligen Jugend eine standesgemäße Bildung geben sollten, entstanden einzeln schon im 16. Jahrh., wie das Collegium illustre zu Tübingen (1589) und das Collegium Mauritianum zu Kassel (1599). Die Mehrzahl dieser Anstalten jedoch gehört dem Jahrhundert von 1650 bis 1750 an, wo ihrer Aufnahme vor allem Leibniz' Einfluß günstig war. Mit der strengern Regelung des Unterrichts- und namentlich des Prüfungswesens ist die Stellung der Ritterakademien immer schwieriger geworden. Nur wenige haben sich bis heute und auch diese nicht in der alten Ausschließlichkeit erhalten. In Preußen gibt es Ritterakademien zu Brandenburg (seit 1704), Liegnitz (seit 1708) und Bedburg (seit 1842). In Österreich ist berühmt das 1746 von der Kaiserin Maria Theresia gestiftete Theresianum, welches, seit 1883 mit der 1754 zur Heranbildung diplomatischer Beamten gegründeten "orientalischen Akademie" vereinigt, jetzt auch Nichtadlige aufnimmt. Vgl. Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts (Leipz. 1885).