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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rochau; Rochdale; Roche; Rochechouart; Rochefort

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Rochau - Rochefort.

Korps übertragen, das den Nordamerikanern zu Hilfe gesendet ward. Am 10. Aug. stieg R. mit seinem Korps zu Rhode-Island ans Land, konnte sich aber erst im August 1781 mit Washington vereinigen, mit dem er 19. Okt. die 8000 Mann starke englische Armee unter Cornwallis in Yorktown zur Kapitulation zwang. Nach seiner Rückkehr wurden ihm die Gouvernements von Artois und Picardie, 1788 das des Elsaß übertragen, und 1790 erhielt er den Marschallsstab und den Befehl über die Nordarmee. Da er sich jedoch bei Ausbruch des Kriegs 1792 gegen Dumouriez' Plan einer Offensive aussprach und der Angriff auf Belgien wirklich gänzlich mißlang, legte er 15. Juni 1792 sein Kommando nieder und zog sich auf sein Landgut bei Vendôme zurück. Nach dem Fall der Girondisten wurde er verhaftet und vor das Revolutionstribunal gestellt, und nur der Sturz der Schreckensherrschaft rettete ihn. Er starb 10. Mai 1807. Seine "Mémoires" (Par. 1809, 2 Bde.) gab de Lancival heraus.

2) Donatien Marie Joseph de Vimeur, Vicomte de, franz. General, Sohn des vorigen, geb. 1750, nahm teil an der Expedition nach Nordamerika unter dem Oberbefehl seines Vaters und erhielt im Juli 1792 das Kommando in den französisch-westindischen Kolonien. Er unterwarf auf San Domingo die empörten Neger, vertrieb auf Martinique die Royalisten samt den Engländern und befreite auch Guadeloupe und Ste.-Lucie, ward indes im März 1794 von den Engländern im Fort Royal zu einer Kapitulation genötigt. 1796 ward er von der Direktorialregierung abermals nach San Domingo zur Unterdrückung des Aufstandes entsendet, doch war seine Streitmacht für die Aufgabe zu gering. 1802 ging er mit Leclerc zum drittenmal nach San Domingo und übernahm nach dessen Tod im November 1803 den Oberbefehl. Vergebens suchte er durch die unerhörtesten Grausamkeiten die farbige Bevölkerung der Insel zu unterwerfen; das gelbe Fieber schwächte die französischen Streitkräfte bald so sehr, daß R. sich 30. Nov. dem britischen Admiral ergeben mußte. 1811 ausgewechselt, erhielt er im Feldzug von 1813 den Befehl über eine Division im Korps Lauristons und fiel in der Schlacht bei Leipzig 18. Okt. 1813.

Rochau, August Ludwig von, Geschichtschreiber, geb. 20. Aug. 1810 zu Wolfenbüttel, studierte in Göttingen die Rechte, nahm an den burschenschaftlichen Bestrebungen, auch am Sturm auf die Frankfurter Hauptwache 1833 teil, floh, zu 20jähriger Zuchthausstrafe verurteilt, nach Paris, kehrte 1848 nach Deutschland zurück, wo er bis 1851 journalistisch thätig war, und ließ sich dann in Heidelberg nieder, von wo er für die Sache der nationalen Einigung ununterbrochen und erfolgreich wirkte. Er redigierte eine Zeitlang die "Wochenschrift des Nationalvereins", ward 1871 in den deutschen Reichstag gewählt und starb 15. Okt. 1873 in Heidelberg. Er schrieb: "Italienisches Wanderbuch, 1850-51" (Leipz. 1852, 2 Bde.); "Die Moriskos in Spanien" (das. 1853); "Grundsätze der Realpolitik" (Stuttg. 1853-69, 2 Bde.); "Geschichte Frankreichs vom Sturz Napoleons bis zur Wiederherstellung des Kaisertums" (Leipz. 1858-59, 2 Bde.); "Geschichte des deutschen Landes und Volkes" (Berl. 1870-72, 2 Bde.).

Rochdale (spr. róttschdehl), Stadt in Lancashire (England), am Roch (über welchen drei Brücken führen), 15 km nördlich von Manchester, eine unansehnliche Stadt mit roten Backsteinhäusern, aber in reizender Umgebung gelegen, hat eine stattliche Hauptkirche aus dem 12. Jahrh., ein Rathaus, eine Lateinschule, Baumwoll- und Flanellweberei, Gießereien, Maschinenbau, eine Papiermühle, Baumwollspinnereien und (1881) 68,866 Einw. In der Umgegend sind Kohlengruben, Stein- und Schieferbrüche. Der Handel ist lebhaft. In neuerer Zeit ist R. namentlich durch den Erfolg bekannt geworden, den seine Genossenschaften (Rochdale Equitable Pioneers, s. Genossenschaften, S. 108) erzielt haben.

Roche (v. pers. roch oder ruch, franz. roc), früher Bezeichnung für den "Turm" im Schachspiel; daher rochieren (rockieren), die Rochade vornehmen, d. h. Turm und König zugleich ihre Stelle verändern lassen. Vgl. Schachspiel.

Roche (spr. rosch), 1) Gemeinde im schweizer. Kanton Waadt, an der Bahnlinie Villeneuve-Bex, mit 393 Einw. Hier lebte 1758-64 Albr. v. Haller als Direktor der Salzwerke von Bex und R. - 2) Stadt, s. Roche sur Yon.

Roche (spr. rosch), Jules, franz. Politiker, geb. 22. Mai 1841 zu Serrières (Ardèche), studierte in Paris die Rechte und ließ sich in Lyon als Advokat nieder. 1870 ward er Redakteur der Zeitung "L'Ardèche", in welcher er das Kaiserreich bekämpfte, und die Regierung der nationalen Verteidigung ernannte ihn nach dem 4. Sept. 1870 zum Generalsekretär des Departements Ardèche. Im Mai 1871 ward er in gleicher Eigenschaft nach dem Departement Var versetzt, 1872 aber entlassen. Er ward darauf wieder Zeitungsredakteur und siedelte 1876 nach Paris über, wo er sofort nach der Gründung des radikalen Blattes "La Justice" durch Clémenceau in deren Redaktion eintrat. 1879 wurde er in den Munizipalrat von Paris gewählt und that sich hier bald durch die entschiedensten Anträge gegen die Kirche hervor. 1881 ward er in die Deputiertenkammer gewählt, wo er sich anfangs der radikalen Partei, später den Opportunisten anschloß.

Rochechouart (spr. rosch-schuar), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Obervienne, auf einem Felsen an der Grenne, an der Eisenbahn Saillat-Bussière, mit gotischem Schloß, Porzellan- und Glasfabrikation und (1881) 1883 Einw. In der Nähe Kaolingruben.

Rochefort (spr. rosch'for), 1) (R. sur Mer) Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Niedercharente, an der Charente, 15 km von deren Mündung in den Atlantischen Ozean, und an den Eisenbahnen Nantes-Bordeaux und R.-Poitiers gelegen, ist eine Festung ersten Ranges und einer der fünf französischen Hauptkriegshäfen. Die Stadt ist modern und regelmäßig angelegt und von der Seeseite durch starke Forts gedeckt. Die Bevölkerung beträgt (1886) 26,534 Seelen. Die Industrie ist durch Schiffswerften, Getreidemühlen, Fabrikation von Schokolade, Seilerwaren, Segeltuch, Chronometern, holländischem Käse, Branntweinbrennerei u. a. vertreten. R. hat ferner ein ausgedehntes Arsenal mit Schiffswerften, Trockendocks, Magazinen etc. Außerhalb der Stadt befindet sich das 1783-88 erbaute Marinehospital (mit 1285 Betten). In demselben ist auch eine medizinische Lehranstalt mit naturhistorischem Kabinett, Bibliothek, anatomischem Museum etc. untergebracht. Der Hafen von R. ist Schiffen von jedem Tonnengehalt zugänglich und besteht aus dem Kriegs- und dem Handelshafen, welch letzterer zwei Bassins umfaßt. Einen Annex des Hafens von R. bildet der 7 km aufwärts an der Charente gelegene, für Schiffe von 600 Ton. zugängliche Hafen von Tonnay-Charente (s. d.). Die Schiffahrtsbewegung von R. war 1886: bei der internationalen Schiffahrt 171 beladen