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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Saffi; Saffian; Safflor; Safflorrot; Saffron-Waldon; Safien; Saflor; Safran

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Saffi - Safran.

lagen; die S. behielten nun Seïstan, gingen aber in Kämpfen und Aufständen bald völlig zu Grunde.

Saffi (arab. Asfí, Asaffi), Stadt in Marokko, an der Küste des Atlantischen Ozeans, zwischen Kap Cantin und der Mündung des Tensyft, mit 9000 Einw. In dem wenig sichern Hafen gingen 1887: 140 Schiffe mit 62,727 Ton. ein, 133 mit 61,780 T. aus; die Einfuhr betrug 1,041,940, die Ausfuhr: 1,852,920 Mk. S. (im Altertum Sofia genannt) war lange Zeit der Mittelpunkt des europäischen Handels an dieser Küste und führte große Mengen feinen Leders aus; daher der Name Saffian.

Saffian (von der Stadt Saffi in Marokko, Maroquin), lohgares, aus Bock- und Ziegenfellen bereitetes, sehr feines und weiches, auf der Narbenseite gefärbtes Leder, welches vielfach ersetzt wird durch ähnlich zubereitetes Schaf- und Kalbleder (unechter S.) für Buchbinder- und Portefeuillearbeiten. Die Darstellung des echten Saffians erfordert eine sehr sorgfältige Vorbereitung der Felle, welche durch Kalk enthaart, mit dem Streicheisen behandelt, im Walkfaß gewalkt, durch umsichtiges Beizen und Schwellen vom Kalk befreit und dann in der Regel mit Sumach gegerbt werden. Dabei bringt man die Felle unter fortwährender Bewegung in immer stärkere Brühen oder näht sie zu Beuteln zusammen, füllt diese mit Sumachbrühe und bringt sie in einen Kessel, der mit solcher Brühe gefüllt ist. Das gare Leder wird dann gefärbt (nur das rote färbt man vor dem Gerben), nach dem Trocknen auf der Narbenseite mit etwas Leinöl eingerieben, auf der Glänzmaschine bearbeitet und schließlich mit künstlicher Narbe versehen. Die Fabrikation des Saffians war schon den alten Ägyptern bekannt, sie blieb auch lange Zeit eine dem Orient eigentümliche Gerbmethode, und noch jetzt werden in Marokko, in der Türkei, in Ägypten und Persien beträchtliche Mengen davon angefertigt. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die erste Saffianfabrik in Paris angelegt, und seitdem hat sich diese Industrie in England, Deutschland und Frankreich zu hoher Blüte entwickelt. Aus dem Orient wird nur noch gegerbtes Leder (Meschinleder) nach Europa gebracht, um hier gefärbt und appretiert zu werden. Für die europäische Fabrikation liefert namentlich die Schweiz gute Felle. Im Orient dient der S. hauptsächlich zu feinerm Schuhwerk.

Safflor (Kobaltsafflor), s. Kobalt und Kobaltoxydulsalze.

Safflor (Bastardsafran, falscher Safran), die getrockneten, dunkel rotgelben, röhrenförmigen Einzelblüten der Färberdistel (Carthamus tinctorius, s. d.), welche zur Gewinnung derselben in Ägypten, Persien, Ostindien, Mexiko, Kolumbien, Neusüdwales, auch in Spanien, Ungarn, Thüringen und in der Pfalz kultiviert wird. Der eingesammelte S. wird im Schatten getrocknet oder zunächst durch Waschen von einem wertlosen gelben Farbstoff befreit. In Ägypten zerdrückt man die Blüten zu diesem Zweck unter Mühlsteinen, wäscht den Brei mit Wasser, bildet aus der Masse durch Ausdrücken Klumpen und trocknet diese. So entsteht eine gleichmäßig braunrote, sehr weiche und elastische Masse. Ähnlich ist der Bombaysafflor, während der persische und bengalische nur gewaschen und in kleine Kuchen geformt ist. Als vorzüglichste Sorten gelten der persische und bengalische S., demnächst der ägyptische, welcher bei uns am häufigsten vorkommt, der Bombaysafflor, der ägyptische, spanische und der gewaschene ungarische. Die ungewaschenen europäischen Sorten sind die wertlosesten. Der S. enthält außer dem erwähnten gelben Farbstoff noch das Karthamin C15H16O7 ^[C_{15}H_{16}O_{7}], welches im Handel als Safflorkarmin (Safflorrot, spanisches, portugiesisches, chinesisches, vegetabilisches Rot) vorkommt; es wird aus dem mit Soda bereiteten Auszug des Safflors durch Essigsäure gefällt, ist amorph, dunkel braunrot, grünlich schillernd, löslich in Alkohol und Alkalien, kaum in Wasser, nicht in Äther. Man benutzt den S. in der Färberei, entzieht ihm stets zuerst den gelben Farbstoff, dann mit schwacher Sodalösung das Karthamin und neutralisiert diese Lösung nahezu mit einer Säure. Um in der Seidenfärberei den gelben Farbstoff völlig auszuschließen, schlägt man aus jener Lösung das Karthamin zuerst auf Baumwolle nieder und entzieht es dieser dann wieder mit Soda. Man erhält auf Seide sehr schöne Nüancen mit S.; doch sind die Farben weder luft- noch lichtecht, widerstehen auch nicht der Seife, und gegenwärtig machen ihnen die Anilinfarben starke Konkurrenz. Das Karthamin kam früher auf Tassen, Teller oder Weißblech gestrichen (Tassen-, Tellerrot, Rosablech), kommt aber jetzt nur noch pulverförmig in den Handel und dient als Malerfarbe, zu Schminken und zum Färben von Likören und Konditoreiwaren.

Safflorrot (Safflorkarmin, Karthamin), s. Safflor.

Saffron-Waldon, Stadt in der engl. Grafschaft Essex, am Cam, 20 km südlich von Cambridge, hat viele altertümliche Häuser, ein Museum, lebhaften Verkehr und (1881) 6060 Einw.

Safien, Thal, s. Rabiusa 1).

Saflor, s. Safflor.

Safran (Crocus), die Narben von Crocus sativus, welcher zur Gewinnung derselben vielfach kultiviert wird. Die Safranblüten enthalten einen mehrere Zentimeter langen Stempel, welcher sich an der Spitze in drei allmählich sich erweiternde, fadenförmige, orangerote Narben teilt. Letztere allein werden gesammelt und möglichst schnell getrocknet. 8000 Blüten liefern 500 g frischen oder 100 g getrockneten S. (nach andern Angaben noch weniger), und jede Pflanze treibt nur 1-2 Blüten. Der S. bildet ein loses Haufwerk einzelner oder noch zu je dreien zusammensitzender, gesättigt braunroter, sich fettig anfühlender Fäden, riecht gewürzhaft, schmeckt bitter, etwas scharf, ist sehr hygroskopisch und enthält Polychroit (Crocin) von außerordentlichem Färbungsvermögen, Fett, Traubenzucker und 8,9 Proz. mineralische Stoffe. Die größte Quantität des Safrans wird gegenwärtig in Spanien (Niederaragonien, Murcia, La Mancha) gewonnen, der höher geschätzte französische stammt aus dem Arrondissement Pithiviers im Gâtinais, als der vorzüglichste gilt der niederösterreichische (Meissau etc.), welcher aber nur in sehr geringer Menge produziert wird. Außerdem wird S. kultiviert in England (Essex, Cambridge), Italien, der Türkei, im Kaukasus, in Arabien, Pennsylvanien. Man benutzt ihn als Gewürz, zum Färben von Konditorwaren, Brot, Nudelteig, Käse, Butter, Goldfirnis, kaum noch in der Medizin. In großen Gaben wirkt er giftig. S. spielt seit den ältesten Zeiten eine große Rolle als Arzneimittel, Gewürz oder Farbmaterial. Er wird erwähnt in der ältesten indischen Medizin, bei Salomo, Homer, Hippokrates, Theophrast u. a. und galt im Altertum als "König der Pflanzen". Im 10. Jahrh. wurde er in Spanien kultiviert, und nach Frankreich, Italien und Deutschland soll er durch die Kreuzfahrer gebracht worden sein. Im 15. und 16. Jahrh. scheint die Safrankultur bei uns von Belang gewesen zu sein. Später