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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Safranbronze - Saga.

nahm der Gebrauch des Safrans immer mehr ab, und nur in einigen Gegenden hat sich eine eigentümliche Vorliebe für denselben erhalten, wie im Berner Oberland, wo er als Gewürz beliebt ist. Reiche Araberinnen färben noch jetzt Augenlider, Fingerspitzen und Zehen mit S. Seit dem Altertum wurde der kostbare S. arg gefälscht, und im Mittelalter sah man sich zur Anwendung der schärfsten Mittel gegen die Safranfälscher genötigt. Auch gegenwärtig kommen Verfälschungen mit Safflor, Arnikablüten und Ringelblumen häufig genug vor. Als Safransurrogat aber werden dinitrokresylsaures Kali und Ammoniak zum Färben in großen Mengen verbraucht. Wilder, falscher S., s. Carthamus und Safflor.

Safranbronze, s. Wolfram.

Safranpflaster, s. Pflaster.

Safrantod, eine Pflanzenkrankheit, s. Rhizoctonia.

Safrosin, s. Fluoresceïn.

Saftfäden, s. Paraphysen.

Saftfarben (Lasurfarben), in Wasser lösliche, ursprünglich meist vegetabilische Farbstoffe, welche, auf Papier gestrichen, durchscheinen und daher zur Wassermalerei und zum Illuminieren von Kupferstichen benutzt werden. Die Zahl der als S. zu benutzenden Farbstoffe ist nicht groß. Man stellt Lösungen (Abkochungen) derselben dar, versetzt diese mit Malzdekokt, Zucker oder Gummi und verdampft dann die Mischung zu gehöriger Konsistenz. Die S. kommen als Tinten, als Brei in tierischen Blasen und zur Trockne verdampft in Muschel- und Porzellanschalen in den Handel. Als blaue S. dienen: Indigkarmin, Indigosolution, lösliches Berliner Blau und Blauholzabsud mit Kupfervitriol; als rote: Karminlösung, Orseille, Safflorrot, Krapp und Holzrot (Saftrot). Gelbe S. geben die mit Alaun versetzten Abkochungen von Kreuzbeeren, Gelbholz, Quercitronrinde, Curcumawurzel sowie Gummigutt, mit Wasser angerieben, Safranextrakt und Pikrinsäure. Grüne S. erhält man aus den blauen und gelben, besonders schön aus Indigo mit Pikrinsäure, dann aus Grünspan, der mit Weinstein versetzt und in Wasser gelöst wird, aus längere Zeit gekochter Chromalaunlösung und aus Saftgrün. Als braune S. dienen: Sepia, Bister, Kesselbraun, Nußbraun, Karamel, Lakritzen, Katechu. Außerdem verwendet man alle in Wasser oder wässerigem Alkohol löslichen Teerfarben, vielfach auch die lasirenden (durchscheinenden) Farblacke als S.

Saftfleisch, steirisches (Saftbraten), gedünstetes Rindfleisch.

Saftgänge (Saftkanäle), die Harz-, Öl-, Gummi- und Milchsaftkanäle der Pflanzen.

Saftgrün (Seegrün, Blasengrün, Beergrün, Laubgrün, Chemischgrün), Saftfarbe, welche aus nicht ganz reifen Kreuzbeeren (s. Rhamnus) bereitet wird. Man stellt die zerriebenen Beeren 6-8 Tage in einen Keller, preßt sie aus, verdampft den durch ein Tuch gegossenen Saft im kupfernen Kessel zur Sirupskonsistenz und setzt etwas Alaunpulver zu. Dann füllt man das Extrakt in Töpfe oder Blasen und läßt es an einem mäßig warmen Ort völlig austrocknen. Gutes S. ist hart, dicht, schwer, von dunkler Farbe, auswendig glänzend und von süßem Geschmack. Man benutzt es zum Färben des Leders, des Papiers, der Tapeten, zum Malen und Illuminieren, beim Lackieren, zur Bereitung grüner Tinte etc. Das beste S. kommt aus der Provence.

Saftkanäle, die feinen, wandlosen Lücken in tierischen Geweben, aus welchen die Lymphkapillaren hervorgehen.

Saftleven, 1) Herman, holländ. Maler und Radierer, geboren um 1610 zu Rotterdam, Schüler seines Vaters, bildete sich aber mehr nach den Antwerpener Landschaftsmalern, war seit 1633 in Utrecht ansässig und starb 5. Jan. 1685 daselbst. Seine mit minutiöser Feinheit ausgeführten Bilder, die in der Mehrzahl Rheinlandschaften darstellen und sich durch einen eignen bläulichen Duft auszeichnen, sind in den meisten Galerien vorhanden. S. hat auch treffliche Radierungen geliefert.

2) Cornelis, Maler und Radierer, Bruder des vorigen, geb. 1606 zu Rotterdam, bildete sich unter dem Einfluß von Brouwer und Ryckaert und starb 1681 in Rotterdam. Er hat meist Bauernstuben mit Menschen- und Tierfiguren sowie Landschaften mit Staffage gemalt.

Saftmelis, s. Zucker.

Saftrot, s. Holzrot.

Saga (Plural Sögur, altnord.), eine Erzählung, s. v. w. unser "Sage", doch ohne den Nebenbegriff des Ungeschichtlichen; personifiziert als zweite der Göttinnen in Snorra Edda. Eine kleinere Erzählung heißt Tháttr. Die reiche Sagalitteratur, in wohl ausgebildeter einheimischer Prosa, ist die eigenartigste und bedeutendste Schöpfung der altnordischen Litteratur. Wir unterscheiden geschichtliche Sagas (norwegische Königsgeschichten und Isländersagas) und mythisch-romantische. Die Islendinga sögur sind zum Teil kirchlichen, zum Teil weltlichen Inhalts. Letztere sind litterarisch die wichtigsten und interessantesten, sie bilden den Ausgangspunkt der Saga-Erzählung und Saga-Schreibung, die wir also Island verdanken (s. Nordische Sprache und Litteratur). Die geschilderten Ereignisse fallen meist in die Zeit von Islands Besiedelung (874) bis gegen 1030; die Niederschrift fällt zum Teil noch ins 12., hauptsächlich aber ins 13. Jahrh. Die Fortpflanzung des Stoffes während der zwischenliegenden 2-3 Jahrhunderte geschah nicht etwa durch fast wortgetreue Überlieferung, so daß die Sagaschreiber in der Hauptsache Überliefertes niedergeschrieben hätten, vielmehr sind wohl nur die Thatsachen und Genealogien (daher im wesentlichen chronologische Übereinstimmung) sowie die meisten Skaldenstrophen alt überliefert. Dagegen ist die Ausschmückung, wie Dialoge, wunderbare Züge, sich erfüllende Träume u. dgl., meist Eigentum des Sagaschreibers, wie denn auch die Sagas hierin ausgeprägte Stileigentümlichkeiten zeigen. Mittelpunkt der S. ist meist ein bedeutender Mann (häufig ein Skalde) oder ein ganzes Geschlecht. Die Darstellung mit ihrem schlichten Stil ist höchst ansprechend, nicht selten ergreifend. Wie der Dialog von der täglichen Umgangssprache, so gewähren uns die Sagas überhaupt ein getreues Bild vom Leben auf Island. Vgl. Weinhold, Altnordisches Leben (Berl. 1856); Kaalund, Familienleben auf Island (in "Aarböger" 1870); Möbius, Über die ältere isländische S. (Leipz. 1852); Döring, Über Typus und Stil der isländischen S. (das. 1877); Heinzel, Beschreibung der isländischen S. (Wien 1880). Nach Stil und Charakterzeichnung steht allen voran die "Njáls-S." (beste Ausg. von Gislason, Kopenh. 1875 ff.); sehr nahe steht ihr die kleine, kunstvoll abgerundete "Gunnlaugs-S." (das. 1775, Christ. 1862, Halle 1886; auch in Möbius' "Analecta Norroena", 2. Aufl., Leipz. 1877; moderne Bearbeitung von Edzardi, Hannov. 1875; wortgetreue Übersetzung von E. Kölbing, Heilbr. 1878). Zu den bedeutenden Isländer-Sagas gehören ferner: die "Egils-S." (s. Skalden), die "Bjarnar-S." (Kopenh. 1847),